Neubau an alter Stätte

Seniorenzentrum in Neubiberg soll endlich kommen

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Die Zeichen stehen auf Neubau an alter Stelle: Das heutige Seniorenzentrum muss weichen. Das Raumangebot dürfte sich verdoppeln.

Das neue Seniorenzentrum für Neubiberg soll endlich kommen, aber aufgrund einer notwendigen europaweiten Ausschreibung wird die Realisierung noch etwas dauern. Grund: Auf dem angestammten Gelände des Zentrums an Neubibergs Hauptstraße 12 soll der in die Jahre gekommene, nicht barrierefreie und räumlich zu enge Altbau durch einen Neubau ersetzt werden. Kostenpunkt: Rund vier Millionen Euro. Neben einer barrierefreien Ausgestaltung und einer nahezu Verdoppelung des Raumangebotes auf gut 500 Quadratmeter Nutzfläche mit modernen Raumstrukturen soll auch das Parkplatz- angebot rund ums Zentrum erweitert werden.

Vom Tisch ist offenbar eine Tiefgaragenlösung. „Tiefgarage und Senioren, das passt nicht zusammen“, unterstich Hartmut Lilge (CSU) die einhellige Auffassung des Neubiberger Gemeinderates. Das Gremium brachte in der jüngsten Sitzung die Machbarkeitsstudie für den Neubau auf den Weg. Die Entscheidung für die Neubauvariante fiel deutlich aus. Die Gemeinde hatte sich fachlich vom Hohenbrunn-Riemerlinger Architekturbüro Gassner & Zarecky beraten lassen. Das Fazit des Architekten Uli Gassner: Ein Neubau kommt trotz hoher Projektkosten insgesamt preiswerter. Zudem kann nur in der Neubauvariante auch der volle Raumbedarf baulich umgesetzt werden. Der Gemeinderat sah dies ebenso. Der Altbau aus dem Jahr 1952 wird weichen müssen. Zu viele Hemmnisse birgt die alte Immobilie. Nur im Erdgeschoss ist sie barrierefrei erschlossen, es fehlt ein Aufzug in Ober- und Dachgeschoss. Die Senioren müssen sich durch eine Treppenflucht nach oben kämpfen. Seit 20 Jahren fordern die Senioren eine zeitgemäße und insgesamt barrierefreie Lösung. Nun dürfte sie sich endgültig abzeichnen.

Nachdem die Standortfrage unter vier Varianten im vergangenen Jahr geklärt wurde, fokussiert sich alles auf Hauptstraße. Jetzt scheint auch der bauliche Umfang geklärt. Gassner hatte im Gemeinderat von der „kleinen“ Lösung einer bloßen Erweiterung abgeraten. Dafür ließ der Architekt Zahlen sprechen. Ein bloßer Südanbau im Erdgeschoss hätte zu den heutigen rund 240 Quadratmetern Nutzfläche aufgrund der nahen Grundstücksgrenze nur einen Raumgewinn von weiteren 70 Quadratmetern erbracht. Auch ein zweistöckiger Anbau wäre mit rund 100 Quadratmetern Zusatzfläche weit unter dem Bedarfs-Ansatz geblieben. Auch durch einen zusätzlichen Ausbau und eine Sanierung des Dachgeschosses wäre der räumliche Zugewinn nicht ausreichend. Dagegen würden sich die Kosten dafür mit prognostizierten Kosten von 4,14 Millionen Euro bereits teurer darstellen als beim Neubau. Aus Sicht des Gemeinderates gilt es, durch möglichst viel Raum das heutige Konkurrenzverhältnis zu entzerren und den Anbietern mehr Platz zu verschaffen. Aktuell sind drei Wohnungen im Dachgeschoss untergebracht, die AWO verfügt über ein Büro im Anwesen – den Rest in Erdgeschoss und erstem Stock teilen sich viele Nutzergruppen des Seniorenzentrums. Künftig sollen hier die Abläufe mit mehr Platz auch harmonischer werden.

„Mit Abstand ist dieser Neubau die beste Lösung“, brach Elisabeth Stettmeier eine Lanze für das Projekt. Die Seniorin sitzt nicht nur für die Freien Wähler im Gemeinderat. Als Sprecherin des Seniorenbeiratszentrums kämpft sie mit ihren „Glaubensgenossen“ auch seit über zwei Jahrzehnten für das lange zum Stillstand gekommene Projekt. Jetzt im Rat gab sie sich hoffnungsvoll. „Machen wir den heutigen Tag doch zum Geburtstag für das neue Seniorenzentrums“, rief sie ihren Kollegen zu. Der Gemeinderat folgte dem Vorschlag. Unter der Maßgabe einer komplett barrierefreien Ausgestaltung sowie den Vorgaben, beim Neubau möglichst viel alten Baumbestand zu retten und sich einer ökologischen Bauweise zu verpflichten, sprach sich der Rat deutlich für die Neubauvariante aus. Eine Machbarkeitsstudie soll nun folgen. Laut Bürgermeister Günter Heyland muss sie aufgrund der vorgeschriebenen, internationalen Ausschreibung auch eingeholt werden. Es könnte also trotz des manifestierten „Geburtstages“ noch etwas dauern. 20 Jahre warten die Senioren ja schon.

Harald Hettich

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