„Erst das Abitur – dann der erste Profivertrag“

Rad-Hoffnung Leslie Lührs (17) im HALLO-Interview

Leslie Lührs ist eines der größten deutschen Radsport- Talente. Im Frühsommer gelang dem Nachwuchs-Racer aus Neukirchstockach sein bislang größter Rennerfolg. Bei den Deutschen Meisterschaften U19 in Biberach eroberte der Top-Sprinter vom „RC Die Schwalben München“ den Titel. Doch der Erfolg auf der 132 Kilometer langen Strecke ist nur eine Durchgangsstation. Der große Traum des 17-Jährigen ist eine Teilnahme bei der Tour de France.

HALLO: Die Tour de France läuft gerade. Du möchtest irgendwann dabei sein – ein langfristiges Ziel am Horizont oder schon in greifbarere Nähe? 

Lührs: Die Tour ist mein Traum und mein Ziel. Es ist schwer zu sagen, ob man es schaffen wird, weil dafür einfach alles stimmen muss. Man braucht viel Glück, das nötige Talent, keine Verletzungen und eine gute Entwicklung in der U23 Klasse, die letzte sehr lange Nachwuchsklasse (vier Jahre) nach den Junioren. Also ist das natürlich ein Langzeitprojekt aus meiner jetzigen Sicht. 

Wer gewinnt die Tour 2018? Der Tipp vom Jungprofi ist gefragt. 

Puh, das ist nicht einfach zu sagen, aber ich denke, dass das Team Sky wieder eine sehr dominierende Rolle einnehmen wird über die drei Wochen und ihre beiden Top-Favoriten Geraint Thomas und Chris Froome wieder exzellente Voraussetzungen haben. Ich denke, dass Froome die Tour erneut gewinnt, wobei mir der Niederländer Tom Dumoulin der liebste Sieger wäre. Es ist auch sehr interessant, was bei Sky intern passiert zwischen Geraint Thomas und Froome. Beide sind in sehr guter Ausgangsposition und sind sehr starke Rundfahrer. Mal sehen, auf welchen Kapitän Sky irgendwann im Verlaufe der Tour setzen wird... 

Wie sieht dein persönlicher Rennkalender für die kommenden Monate aus?

Eine Rundfahrt in Österreich mit der Nationalmannschaft noch im Juli. Danach werde ich eine Pause einlegen und zwei Wochen Urlaub in Südtirol mit meiner Familie machen. Danach stehen noch ein paar Bundesligarennen an. Ebenso die Deutschen Meisterschaften im Einzel- und Mannschaftszeitfahren. Ebenfalls fahren wir mit dem Team noch zwei sehr hochrangige UCI Eintagesrennen in Norditalien. Und Ende September stehen für mich dann die UCI Weltmeisterschaften in Innsbruck mit der Nationalmannschaft als absolutes Jahreshighlight an. Meine Chancen dort sind aber gering. Die Strecke dürfte für mich als Sprinter leider etwas zu hügelig sein. 

Wie viel Zeit frisst der Traum von den großen Rundfahrten? 

Normalerweise trainiere ich im Schnitt an fünf bis sechs Tagen in der Woche. Ungefähr 400 bis 450 Kilometer und elf bis 13 Stunden. Meistens trainiere ich mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder Luis, der exakt den gleichen Rennsport auf dem gleichen Niveau betreibt wie ich vor zwei Jahren es in dieser Altersklasse getan habe. Das funktioniert sehr gut. 

Du setzt vernünftiger Weise nicht nur auf den Rennsport. Wie läuft es im „Parallel-Leben“? 

Momentan gehe ich auf dem Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn in die 11. Klasse und werde im Mai 2019 mein Abitur absolvieren. Danach möchte ich mir mindestens ein Jahr Zeit nehmen und mich voll auf den Radsport konzentrieren, um dann hoffentlich einen Profi-Vertrag zu erlangen bei einem guten Team, dass mir in der U23 Klasse die bestmöglichen Entwicklungen bieten kann. Wenn das nicht klappen sollte, würde ich ein Studium machen wollen. Ich interessiere mich vor allem für die Naturwissenschaften. 

Radsport und Abitur – Respekt für diese „große Übersetzung“, um im Branchenjargon zu bleiben. Was macht Leslie Lührs noch gerne, wenn er mal nicht im Rennsattel oder auf der Schulbank sitzt?

Ich spiele seit neun Jahren Saxophon und belege in der Schule auch den Musik-Leistungskurs. Insgesamt habe ich nur sehr wenig Zeit für andere Aktivitäten. Meiner Familie bin ich sehr dankbar für alles, was sie für meinen Bruder und mich leisten. Vor allem trägt unsere Mutter maßgeblich zu diesen Erfolgen bei! Es wäre dieser ganze Leistungssport nicht möglich, wenn wir nicht deren Unterstützung seit vielen Jahren hätten! Sie geben all diese Jahre für uns, damit wir das Bestmögliche erreichen können und dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar! Die ganze Familie fiebert mit. 

Interview: Harald Hettich

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