Gefahrlos toben und herumtollen

Neubiberger Kinder kämpfen für ihre Spielwiese an der Eichenstraße

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Carolina wirft ihren Brief in den Briefkasten der Neubiberger Gemeinde.

Die Kinder, die in der Siedlung an der Neubiberger Eichenstraße wohnen, sind sehr traurig: Ihre bisherige Spielwiese soll nun bebaut werden. Preiswerter Wohnraum soll dort entstehen. Alternative Spielflächen seien rar beziehungsweise nicht vorhanden — das findet die achtjährige Carolina und wendet sich mit Briefen direkt an den Bürgermeister.

Verstecken oder Fußball spielen, herumtollen und sich gegenseitig fangen — das konnten die 63 Kinder, die in der Siedlung an der Eichenstraße in Neubiberg wohnen, auf der, nur wenige Meter entfernten, Spielwiese. Doch damit soll nun Schluss sein. Besagte Wiese nämlich, soll für den sozialen Wohnungsbau genutzt werden — das beschloss der Neubiberger Gemeinderat jüngst (HALLO berichtete).

Doch die Kinder wollen ihre Spielwiese nicht so einfach aufgeben: „Die Wiese wird von Kindern zum Spielen aufgesucht, da kein Spielplatz oder eine andere freie Fläche vorhanden ist“, schreibt deswegen die achtjährige Carolina in einem Brief an Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U). „Meine Eltern sind froh, dass die Wiese nicht weit entfernt ist“, schreibt die Drittklässlerin weiter.

In diesem Punkt stimmen ihr ihre Eltern, Markus und Veronique Förg, voll und ganz zu. „Wir setzen uns sehr für den Erhalt unserer Spielwiese ein“, sagt Markus Förg. 80 Unterschriften von betroffenen Eltern hätten sie in vier Stunden gesammelt und dem Gemeinderat in seiner Sitzung vorgelegt. Zudem haben sie die Initiative „Rettet die Spielwiese“ gegründet. „Leider wurden wir nicht so ernst genommen“, sagt der Lehrer, der neben Carolina noch drei weitere Kinder hat. „Alternativlos“ sei das Freiflächenstück entlang der Eichenstraße für den sozialen Wohnungsbau, habe es geheißen.

Was Bürgermeister Heyland allerdings sehr ernst nahm, war der Brief der kleinen Carolina. „Er hat sich wirklich viel Mühe gegeben, unserer Tochter zu antworten“, sagt auch Markus Förg. So erklärt der Bürgermeister in seinem eineinhalb seitigen Antwortschreiben, dass die Gemeinde nicht mehr ausreichend viele Wohnungen für Bürger und Familien, die nur wenig Geld zur Verfügung haben, bieten kann. „Deshalb hat der Gemeinderat gemeinsam entschieden, an drei Plätzen in Neubiberg 70 preisgünstige Wohnungen bauen zu lassen“, so Heyland. Einer davon: die Wiese an der Eichenstraße.

Damit die Kinder nicht allzu traurig sind, schlägt der Bürgermeister auch noch eine Alternative vor: den Waldspielplatz inklusive Wegbeschreibung.

Carolina ist von der Alternative allerdings wenig überzeugt. Der Waldspielplatz, oder auch Bolzplatz, wie die Kinder ihn nennen sei „voller Müll, Kronkorken und Scherben“, beklagt die Achtjährige in ihrem Antwortbrief an den Bürgermeister. Die Gerätschaften seien heruntergekommen, für Jugendliche diene der Spielplatz als Treffpunkt zum Trinken und Rauchen. „Wir trauen uns deshalb nicht mehr, dorthin zu gehen“, so das Mädchen.

Auch Markus und Veronique Förg würden — wie viele andere Eltern aus der Siedlung — nicht wollen, dass ihre Kinder dorthin zum Spielen gehen. „Auch wenn wir es vermutlich nicht verhindern können, wir kämpfen weiter um unsere Spielweise“, so Förg. Mit Bannern, Flyern, Veranstaltungen für Kinder und Demos, möchten er und die anderen Mitglieder der Initiative auf die Wichtigkeit der Spielflächen für Kinder aufmerksam machen. „Wir würden uns wünschen, dass wir gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung finden und, dass die Räte alles nochmal überdenken“, sagt der Neubiberger. Bis dahin sammelt die Initiative Spenden für ihre Aktionen. Mehr Infos dazu sind unter www.spielwieseneubiberg.de zu finden. 

tb

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