Durch-Rase-Station Brunnthal

Mitwirkung in der Kommunalen Verkehrsüberwachung

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Mit mehr Geschwindigkeitsmessstellen will die Gemeinde Brunnthal Raser zur Kasse bitten.

Raser sollen in Brunnthal und seinen Ortsteilen ausgebremst werden. Zur Not mit dem Griff ins Portemonnaie des zu schnellen Autolenkers. 

Mit elf-zu-zwei Stimmen und lediglich gegen das Votum der beiden CSU-Gemeinderäte Herbert Katzdobler und Helmut Vorleitner stimmt der Gemeinderat für eine Mitwirkung bei der Kommunalen Verkehrsüberwachung. Angestrebt ist seitens Brunnthals die Mitgliedschaft im Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (KDZ). Dessen Vertreter überzeugten im Gemeinderat. Brunnthal tritt damit dem Verbund einer Körperschaft des öffentlichen Rechts bei, dem bereits die Nachbarn Aying, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Sauerlach angehören.

Die Gemeinde sieht sich bisher mit Blick auf die eigene Verkehrsbelastung in einer eher misslichen Lage. Im hochfrequenten Bereich nahe der Autobahn, gleichfalls im Speckgürtel von Stadt und größeren Nachbargemeinden gelegen, fungiert Brunnthal oft als Durchgangsstation — nach Meinung vieler Bürger als Durch-Rase-Station. Über 10.000 Fahrzeuge allein verkehren täglich etwa auf der Staatsstraße durch Hofolding und Faistenhaar. „Wir spüren, dass die zunehmende Verkehrsbelastung für viele Bürger mehr und mehr zum Thema wird“, begründete Bürgermeister Stefan Kern (CSU) das Aktivwerden. Immer häufiger würden Geschwindigkeiten innerhalb der Ortschaften deutlich überschritten, hat auch der Zweckverband festgestellt. „Nach unserem Geschmack sind die Kontrollen der Polizei zu selten – Brunnthal ist nicht weit oben auf der Prioritätenliste“, hadert der Rathaus- chef. Weil die Verkehrsüberwachung im Freistaat aber bei den Sicherheitsbehörden wie auch den Kommunen liegt, will man nun gegensteuern.

Projekt soll Autofahrer nicht abzocken 

Auf die bislang sechs Hinweistafeln, die die Geschwindigkeit messen, und damit auf den Faktor Vernunft durch Optik alleine will man auch in Brunnthal nicht mehr setzen. In enger Abstimmung mit dem KDZ und der Polizei würden die künftigen Messstellen in den Brunn- thaler Ortsteilen in den kommenden Wochen verabredet. Als „Abzocke“ der Autofahrer soll das Projekt aber nicht verstanden werden. Die Messstellen würden nach Durchfahrhäufigkeit und technischer Machbarkeit „sorgsam ausgewählt“, unterstrich KDZ-Geschäftsführer Michael Braun. Zudem würden vor Kontrollbeginn große, am Straßenrand platzierte Projekt-Werbebanner auf die Neuerung hinweisen. „Seniorenheim – Rückwärtsgang einlegen“ oder „Donnerwetter – bald blitzt‘s“ nannte Braun als Beispiele für kreative Kontrollwarnung. Auch bei den Kosten soll keine Gemeinde überfordert werden. 95 Euro pro Überwachungsstunde rechnet die Körperschaft ab. Man sei aber als solche nicht gewinnorientiert. Überschüsse würden den Gemeinden rückerstattet. Vergangenes Jahr seien 377.000 Euro an die beteiligten Kommunen zurückgeflossen. Auch werde an Messstellen nicht rigoros festgehalten. Nach tatsächlicher Relevanz würden diese in den Farben rot, gelb, grün priorisiert und immer wieder auf Eignung überprüft. „Vorteilhaft ist die Teilnahme einer Gemeinde auch bei Bürgerversammlungen zu werten“, so Braun. Dann könne die Politik aufzeigen, es habe sich „etwas getan“. Es muss sich aus Mehrheitssicht im Rat auch etwas tun. „Wir brauchen diese Denkhilfe für den geistlosen Fahrer, dann eben als kostenpflichtige Erinnerung“, so Kern. „Alles muss aber in Absprache mit der Gemeinde erfolgen“, forderte Ulla Gocke. „Wir sollten das gleich abstimmen“, erwies sich auch SPD-Mann Ernst Portenlänger als Anhänger der Neuregelung. Taten sie dann auch. Die Zeiten für Raser dürften bald auch in Brunn- thal härter werden.

H. Hettich

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