„Ich habe den ersten Schrei gehört“

Leih-Oma und -Opa-Projekt der Caritas Ottobrunn

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Caritas Mitarbeiterin Eva Schenk (links) und Sozialpädagogin Eliana Trimborn leiten das Leih-Oma und -Opa-Projekt in Ottbobrunn. 

Seit dem Jahr 2006 gibt es das Leih-Oma und -Opa-Projekt der Caritas in Ottobrunn. Beim Treffen in den Räumlichkeiten an der Putzbrunner Straße berichten Leih-Großeltern sowie Projektleiterinnen über ihre Erfahrungen.

„Da war ein Loch, das ich lange nicht füllen konnte“, erinnert sich Nicole S. an die Zeit direkt nach dem Tod ihres Mannes vor dreieinhalb Jahren zurück. „Doch es gelang mir mit Hilfe der Familie“, sagt sie heute. Mit Familie meint sie allerdings in diesem Fall nicht ihre eigene, sondern ihre sogenannte Leihfamilie. Nicole S. ist nämlich als Leih-Oma tätig und somit Teil des Leih-Oma und -Opa-Projekts der Caritas.

Seit 2006 gibt es dieses Konzept. Mütter und Väter finden eine Ersatz-Oma, die Rentner Leih-Enkelkinder. „Oftmals leben die Familien der Rentner beziehungsweise die richtigen Großeltern der Kinder sehr weit weg“, erklärt Projektleiterin und Sozialpädagogin Eliana Trimborn (rechts).

Sogar gemeinsam in den Urlaub 

Genauso ist es auch bei Nicole S.: „Mein Sohn lebt in den Vereinigten Staaten, meine Tochter auch rund 600 Kilometer weit weg“, berichtet sie. Ähnlich sei es ihrer Patenfamilie gegangen. „Sie haben zwar Großeltern, aber die sind dement und leben in Heimen oder weit weg“, erzählt die Rentnerin. Die Familie sei in Not gewesen, die Mutter wollte nämlich auch wieder arbeiten. „So wurde ich Ersatz-Oma für den damals einjährigen Benjamin (Name geändert), meinen Sonnenschein“, schwärmt Nicole S. Endlich habe sie wieder Familienanschluss. „Sogar in den Urlaub sind wir schon gemeinsam gefahren.“ So hätten die Eltern Zeit für sich und Nicole S. Zeit, die sie mit dem kleinen Buben verbringen darf. „Ich bin der Caritas sehr dankbar“, sagt sie. Alles andere könne sie nämlich alleine, sich versorgen, singen, wandern. „Aber eine richtige Familie ersetzen kann das alles nicht!“

Die Caritas fungiert derweil als Vermittler. „Wir haben einen großen Pool an Familien, die sich eine Leih-Oma oder einen Leih-Opa wünschen“, berichtet Eva Schenk (links). Drei bis fünf Familien suchen die Caritas-Mitarbeiterinnen für jeden interessierten Rentner raus, die der Leih-Opa oder die Leih-Oma dann kennenlernen kann. Zur Erklärung: „Wir haben deutlich mehr Familien als Leih-Omas, die sich bei uns melden“, so Schenk. So könne bei der Familienauswahl genau den Wünschen des Rentners entsprechend gewählt werden. „Natürlich können dann beide Seiten entscheiden, ob es passt oder eben nicht.“ 15 aktive Leih-Omas und ein Leih-Opa seien es derzeit. „Wir freuen uns natürlich immer auf neue, interessierte Senioren“, sagt Trimborn. Auch eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen die Leih-Omas und -Opas von den Familien. „5,50 Euro pro Stunde sind es genau“, erklärt die Leiterin. Die zu betreuenden Kinder können im Babyalter, aber auch schon in der weiterführenden Schule sein. „Zwischen 0 und 17 Jahren ist eigentlich alles dabei“, weiß Schenk. Den älteren Kindern würden die Leih-Großeltern oftmals beim Lernen und bei Schularbeiten helfen. So auch Reingard S.

Ein vollständiges Familienmitglied 

„Ich bin Leih-Oma in einer nigerianischen Familie mit drei Kindern“, berichtet die Rentnerin. Dem kleinsten Buben half sie mit den Schulaufgaben. „Ich habe mit ihm Deutsch gelernt und auch die anderen Fächer, sodass er es jetzt sogar aufs Gymnasium geschafft hat“, freut sich Reingard S. Immernoch lerne sie mit ihm eigentlich „alles außer Französisch“, sagt sie und lacht. S. hofft, dass sie das Ganze noch mindestens zwei oder drei Jahre weitermachen kann. „So etwas herzliches und nettes wie diese Familie habe ich selten erlebt“, sagt sie. Man bekomme die Dankbarkeit jede einzelne Sekunde zu spüren. Diese Erfahrung haben auch Trimborn und Schenk gemacht. „Oft loben uns die Eltern für das Projekt“, sagt Schenk. Es entstünden oftmals sehr enge Bindungen, für die sowohl die Familien als auch die Senioren unheimlich dankbar seien. „Ich bin ein vollständiges Mitglied in meiner Ersatz-Familie geworden“, bestätigt auch Helga E. Drei Buben hat die Familie, beim letzten „war ich sogar bei der Geburt dabei, habe den ersten Schrei gehört“, sagt sie. Der kleinste hänge auch besonders an ihr, berichtet Helga E. und lächelt. „Drei Jahre ist er nun schon!“

Oftmals würde der Kontakt auch noch über die aktive Leih-Oma-Zeit hinaus anhalten, berichtet Trimborn. „Wir haben einige Leih-Großeltern, die aufgehört haben“, sagt sie. Dennoch hätten sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Leih-Enkeln. Natürlich habe es auch Fälle gegeben, in denen es nicht gepasst hat zwischen beiden Parteien. „Die Chemie stimmt halt manchmal doch nicht“, sagt Schenk. Aber in allen Fällen habe die Caritas gemeinsam mit beiden Parteien eine Lösung finden können. „Schließlich sind wir bei Problemen immer da“, so Trimborn. 

Tanja Buchka

Kontakt zur Caritas

Die Ansprechpartnerinnen für das Projekt: 

- Eva Schenk (erreichbar mittwochs von 9 bis 11.30 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr) 

- Eliana Trimborn (erreichbar dienstags von 9.30 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 9.30 bis 13 Uhr)

Caritas-Freiwilligen-Zentrum Ottobrunn; Landkreis München Südost: Putzbrunner Straße 11a; Telefon: 60852012; E-Mail: fwz-ottobrunn@caritasmuenchen.de

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