Kreistag hat noch nicht zugestimmt

Kippt die MVV-Tarifreform jetzt doch noch?

Verbundrat und Gesellschafterversammlung des MVV sind sich einig, was die neue Tarifreform betrifft. Doch auch die Kreisräte habe ein Wörtchen mitzureden. Sollten sie der Reform nicht zustimmten, könnte sie noch gekippt werden. Für die Fahrgäste würde dann erst einmal alles bleiben wie gehabt.

Am 9. Juni 2019 soll sie kommen, die MVV-Tarifreform. Sie verspricht vielen Fahrgästen Verbesserungen. Preissprünge sollen sinken. Innerhalb der Zone M (Innenraum) soll das Ticket günstiger werden. Außerdem wurde der Innenraum um die Ortschaften Aschheim, Ottendichl, Keferloh, Putzbrunn, Potzham und Oberhaching erweitert. Das bedeutet erhebliche Verbesserungen für die Gemeinden. Doch es gibt auch Verlierer der Tarifreform. Also solche sehen sich etwa die Gemeinden Aying, Ober- und Unterschleißheim, Ismaning oder Garching. Unzufrieden sind sie schon länger und die neue Tarifreform macht es nicht besser. „Innerhalb einer Gemeinde haben wir zwischen Aying und Großhelfendorf einen schlechteren Takt und einen schlechteren Tarif“, beklagt Nortrud Semmler-Otranto. Sie ist Mitbegründerin der Initiative S7Ost-plus, die sich vor fünf Jahren aus Bürgern gründete, die entlang der S7 wohnen. Sie sind genervt von ständigen Zugausfällen und teuren Tickets. Darum ist ihr Anliegen: Der zweigleisige Ausbau der S7 sowie ein günstigeres und vor allem einfacheres Tarifkonzept. Dieses sollte nur mehr aus drei Preiskategorien bestehen. Ringe wie Zonen hingegen komplett wegfallen. Nett gemeint, aber derzeit noch in weiter Ferne, befindet die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche den Vorschlag der Initiative. Dennoch. In der Sache ist sie sich mit der Initiative einig. „Mit dem jetzigen Reförmchen kommen wir nicht weiter“, lautet ihr vernichtendes Urteil zur Tarifreform. Für viele Gemeinden sei die Tarifreform eine regelrechte Ohrfeige.

„Wir brauchen den großen Aufschwung und kein Reförmchen“

Profiteur sei die Stadt München. Viele Gemeinden aber kämen schlechter weg. „Was wir brauchen, ist der große Aufschwung!“ Schließlich profitiere auch die Stadt davon, wenn Pendler von außen mit S-Bahn statt Auto in die Stadt fahren. Bei dem drohenden Verkehrskollaps müsste München an einer wirklichen Reform hochinteressiert sein. „Hier muss ein Umdenken stattfinden. Wir müssen den MVV attraktiver machen.“ Das sei ein Stundentakt nicht. Da ist sich auch Nortrud Semmler-Otranto sicher. Ihre Hoffnung: Wenn die Reform doch noch gekippt wird, wäre das der Hammer!“ Und ganz unwahrscheinlich ist das nicht. Im Gegensatz zu den regelmäßigen Tariferhöhungen reicht es in diesem Fall nicht aus, wenn die Gesellschafterversammlung des MVV zustimmt. Da es sich um konzeptuelle Veränderungen handelt, müssen auch die Kreisräte zustimmen. Dies ist noch nicht geschehen. Und damit die Reform noch nicht in trockenen Tüchern. Dass sie noch kippt, hofft der MVV allerdings nicht. Von HALLO um Stellungnahme gebeten, antwortet Geschäftsführer Alexander Freitag: „Die Reform ist wichtig, weil sie innerhalb eines Jahres für die Mehrheit der Fahrgäste Vorteile bringt. Wenn ein Landkreis nicht zustimmt, bedeutet das, dass auf absehbare Zeit keine Vorteile für diese Mehrheit erreicht werden können.“ Der Balanceakt zwischen Einfachheit, Gerechtigkeit und Finanzierbarkeit werde seiner Meinung nach auch in Zukunft nach Kompromissen verlangen und zu meistern sein. Allerdings sei der MVV für Verbesserungen offen. „Die aktuelle Reform sehen wir vor allem als wichtigen Zwischenschritt, nach der Reform ist vor der Reform.“ So wurde in der jetzigen Reform eine Revisionsklausel berücksichtigt: Nach einer geschätzten Laufzeit von einem Jahr soll der Erfolg der Reform überprüft und eventuell nachgebessert werden. Bisher fanden Gremiumssitzungen in der Landeshauptstadt und drei Landkreisen statt. In allen Vieren soll der Reform mit großer Mehrheit zugestimmt worden sein. Am 24. September ergeht der endgültige Beschluss des Kreistags. „Sollte es zu einer Ablehnung kommen, ist alles wieder offen“, sagt Annette Ganssmüller-Maluche. Auch der Vorschlag der Initiative S7Ost-plus könnte dann tatsächlich eine Chance bekommen.

Lydia Wünsch

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