Ärger mit dem Dorfbach

Hochwasserschutz in Aying dauert noch

Dauerbrenner Dorfbach: Noch ist in Aying nichts passiert in Sachen Hochwasserschutz. Es hakt an genau einer Stelle.

Mit Grauen denkt Josef Mauterer noch an den Starkregen vor zwei Jahren in der Oberen Dorfstraße. Schon damals stand er vor dem Ayinger Gemeinderat und bat um Abhilfe. Mitunter ein Problem ist der Dorfbach. Dieser fließt in der Kaltenbrunner Straße in ein Rohr. Ab dort geht’s unterirdisch nach Norden. Mauterers Forderung: Es muss mehr Wasser durch die unterirdischen Rohre durchfließen können. Denn schon bei normalen Regenmengen gibt es Probleme mit Oberflächenwasser, das nicht abläuft. Mauterer ließ nicht locker. Er sammelte Unterschriften. In einem Bürgerantrag erklärten die Anlieger, sie hätten bereits selbst Schutzmaßnahmen getroffen, damit Regenwasser aus den Dachrinnen nicht in Richtung Dorfgraben fließt. Nun sei die Gemeinde an der Reihe. Und sie wurde tätig. Im Sommer 2017 verabschiedete der Ayinger Gemeinderat ein Konzept für den Hochwasserschutz in Aying. Nun ist Juni 2018 und Mauterer wird das Gefühl nicht los, dass nichts passiert. „Ist das eingeschlafen“, wollte Mauterer nunmehr vom Gemeindeoberhaupt erfahren. Nein, erklärte Bürgermeister Hans Eichler (PWH). Das Antragsverfahren laufe, damit die Gemeinde auch entsprechende Zuschüsse erhalten könne. Zudem gäbe es „Grunderwerbsgeschichten. An manchen Ecken hakt’s mit dem Dorfbach, weswegen wir hier auf die Grundstückseigentümer angewiesen sind. Wir können schließlich den Dorfbach nicht in die Luft hängen.“ Konkret berichtete Eichler in der jüngsten Gemeinderatssitzung von einer Dienstbarkeit, die mit der örtlichen Pfarrei Sankt Andreas und dem erzbischöflichen Ordinariat getroffen worden ist. Auf Höhe der Pfarrkirche muss in der Oberen Dorfstraße der Dorfbach verlegt werden. Entweder muss deswegen eine schöne Linde weichen oder der Dorfbach unter dem Parkplatz vor dem Gotteshaus fließen. Auf letzteres konnten sich die Verhandlungspartner verständigen.

Verabschiedet hat der Ayinger Gemeinderat im Sommer 2017 ein Konzept für den Hochwasserschutz in Aying. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit Starkregen- und Hochwasserereignissen, die vor allem den östlichen Teil des Ortes betreffen können. Zwischen dem Kindergarten und dem nördlichen Ende des Dorfes fließt der Dorfbach in einer Verrohrung. Diese Rohre sind rund 75 Jahre alt und nicht mehr an allen Stellen dicht, teilweise sind sie einfach zu klein im Durchmesser. Lösungsvorschläge hat das Rosenheimer Ingenieurbüro „Infra“ ausgearbeitet. Nicht umhin komme dabei die Gemeinde, Straßen zu öffnen, um die Bachverrohrung zu vergrößern, erklärte damals Ingenieur Richard Steiner. Das könnte auch die Bräugasse betreffen, die vor einigen Jahren schon einmal eine Überarbeitung erfahren hat. Dort müssten vorhandene Sparten verlegt werden, etwa Strom-, Trink- und Schmutzwasserleitungen. Allerdings gäbe es eine Variante, bei der die Verrohrung über Privatgrund verliefe, und die Bräugasse nicht betroffen wäre.

Die Maßnahmen wurden damals mit 2,45 bis 2,8 Millionen Euro errechnet. Abzüglich der Zuschussmöglichkeiten würden zwischen 1,22 und 1,74 Millionen Euro bei der Gemeinde verbleiben. Aus zwei Richtungen kommt die Bachverrohrung nach Aying, über die Kaltenbrunner Straße und den Lindacher Weg. An beiden Einläufen müsste der Wasserzufluss so minimiert werden, dass 100 Liter pro Sekunde einfließen. Davor braucht es Rückhaltebecken. Das meiste Oberflächenwasser komme aber aus dem Dorf selbst, erklärte Steiner. Wenn alle Arbeiten ergriffen worden seien, dann wäre die Verrohrung auf eine Leistung von 3200 Litern pro Sekunde ausgelegt. Dafür bräuchte aber die Bachverrohrung nach Norden hin einen Durchmesser von 1,4 Metern. Insgesamt sprach Steiner von einer „langjährigen Baumaßnahme“. Angefangen werden müsse im Norden; hier gibt es bereits eine Planfeststellung, die spätestens 2019 umgesetzt werden muss. Infra hat errechnet, dass 60 Hektar Flächen östlich von Aying zum Dorfbach hin entwässern. Weitere 25 Hektar stammen aus dem Dorfgebiet selbst.

wjr

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