„Bei uns finden die Katzen ihre letzte Ruhe“

Der Gnadenhof „Katzentraum“ sucht ein neues Zuhause

+
Von ihrem Vorbesitzer wurde Katzendame Luna missbraucht. Im Gnadenhof „Katzentraum“ hat sie ein neues liebevolles Zuhause gefunden.

Gerade in der kalten Jahreszeit gibt es viele Katzen, die sich nach einem warmen Plätzchen sehnen. Das finden sie im Gnadenhof „Katzentraum“ in Bad Feilnbach in der Nähe des Irschenbergs. Doch bald läuft der Mietvertrag für das Bauernhaus aus und dann heißt es, ein neues Zuhause zu finden.

Die Gründung des Vereins „Katzentraum“ basiert auf einer rührenden Geschichte: Vor 20 Jahren zog Renate Frey mit ihrer behinderten Tochter Susanne und 30 Katzen in den Magdalenenhof in Bad Feilnbach. Dass dies der Beginn von einem Gnadenhof für Katzen werden würde, ahnten sie zu dieser Zeit nicht. Renate Frey hatte schon immer ein Herz für Schwache und so fanden immer mehr verletzte und kranke Katzen den Weg zum Magdalenenhof — bis Mutter und Tochter eines Tages mit 60 Katzen zusammenlebten, die irgendwie finanziert werden mussten. 2002 wurde schließlich der Verein „Katzentraum“ gegründet. Leider verstarb Renate Frey schon ein Jahr später, ihre Tochter musste in ein Wohnheim ziehen.

Doch diese traurige Geschichte hat auch etwas Gutes, denn wenigstens die Katzen konnten weiter in dem Haus wohnen. So blieb das alte Bauernhaus samt Garten Heimat für alte und kranke Katzen. Umsorgt werden sie von ehrenamtlichen Helfern und dem Ehepaar Grünewald, das heute mit den Katzen im Haus lebt.

Seit drei Jahren ist Renate Holland, ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding, Vorsitzende des Vereins. „Manche von unseren Katzen haben eine schreckliche Vergangenheit hinter sich“, sagt die 65-Jährige. Katzendame Luna wurde zum Beispiel von ihrem früheren Besitzer missbraucht und sogar der Schwanz wurde ihr dabei abgerissen. Darum ist Luna heute auch ein bisschen wackelig auf den Beinen. „Aber sonst ist sie lieb und verschmust“, freut sich Holland. Es sei schon unglaublich, wie viel Vertrauen die Katzen nach ihren Erlebnissen wieder zu den Menschen aufbauen können. Die Tiere sind eben im Gegensatz zu manchen Mensch nicht nachtragend und das, obwohl sie manchmal allen Grund dazu hätten.

Im Pappkarton saßen vier Katzenbabys 

Oft komme es vor, dass Katzen ausgesetzt werden, manchmal landen sie direkt vor der Haustüre des Gnadenhofs. So wie vor einigen Wochen, da hörte Renate Holland plötzlich ein Auto vorfahren. Bis sie zur Türe kam, war das Auto bereits weg und zu ihren Füßen standen zwei Pappkartons mit jeweils vier Katzenbabys darin. „Manchmal lesen Leute die Katzen von der Straße auf und bringen sie zu uns.“ Junge und gesunde Tiere werden ans Tierheim vermittelt. „Wir behalten nur diejenigen, die wahrscheinlich keiner mehr nehmen würde“, sagt Holland. So gebe es zum Beispiel viele Katzenbesitzer, die ihre alten Katzen im Gnadenhof abgeben, weil sie die hohen Tierarztkosten scheuen. „Dann müssen wir schauen, dass wir das Geld für Ärzte und Futter bekommen.“ Staatliche Unterstützung bekommt der Verein nicht. Er finanziert sich durch Spenden, Mitglied- und Patenschaften. Auch zu neuen Besitzern weitervermitteln darf der Gnadenhof nicht. Das unterscheidet ihn von einem Tierheim. „Bei uns finden die Katzen ihre letzte Ruhe.“ Nach vielen traumatischen Stationen sollten sie sich auch nicht wieder an eine fremde Umgebung gewöhnen müssen.

Die Liebe der Katzen ist unverdorben 

Renate Holland war es ein Bedürfnis, anderen zu helfen, in ihrem Fall eben Katzen. „Ich habe im Leben viel erreicht und sehr viel bekommen“, sagt Holland. „Irgendwann hatte ich das Bedürfnis, etwas davon zurückzugeben.“ Als die 65-Jährige den Hof zum ersten Mal sah, war sie begeistert von der Arbeit, die dort geleistet wurde. Und nachdem der bestehende Vorstand vor drei Jahren aus Altergründen nicht mehr angetreten ist, hat sie das Zepter in die Hand genommen. „Die Liebe, die man von Tieren bekommt, ist unverdorben und ehrlich“, beschreibt sie als Motivation für ihren Einsatz. Letztlich sei es aber egal, für wen man etwas Gutes tue, findet Holland. Wichtig sei es, sich überhaupt für Schwächere einzusetzen. „Ich mache das eben für Katzen, andere Leute für Kranke, Alte oder Behinderte. Jeder sollte etwas tun und so seinen Beitrag im Leben leisten“, glaubt sie.

Renate Holland ist ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding. Seit drei Jahren leitet sie den Gnadenhof.

Holland ist aber auch eine Geschäftsfrau. Darum weiß sie, dass sie nicht nur darauf achten muss, dass es den Katzen gut geht, sondern auch dem Verein. „Wenn wir kein Geld mehr haben, um Futter zu kaufen, dann haben unsere Katzen auch nichts davon.“ Und schließlich will so ein Bauernhaus auch unterhalten werden. Zudem führt der Verein viele Projekte durch, wie Kastrationen oder Futter für streunende Katzen auszulegen. „Viele Katzenbesitzer lassen ihre Katzen leider nicht kastrieren“, beklagt Holland. „Diese paaren sich dann mit streunenden Katzen und das führt zu einer unkontrollierbaren Population!“ Außerdem bekommen die Katzen so zahlreiche Krankheiten und finden oft nicht mehr den Weg zurück nach Hause. Das hat Holland zufolge zwei Gründe: Entweder sie hatten dort Probleme oder sie finden den Weg nicht mehr zurück, weil sie zu früh hinaus gelassen wurden. Mindestens acht Wochen brauche eine Katze, bis sie ein Zuhause als ihres anerkenne und dorthin zurückkehre, erklärt Holland.

Ein großes Projekt für den Verein ist derzeit die Suche nach einem neuen Haus, da der Mietvertrag für den Magdalenenhof in sieben Jahren ausläuft. „Ein bisschen Bammel habe ich schon, dass wir nichts Vergleichbares mehr finden“, sagt die Vorsitzende. Aus diesem Grund sucht sie jetzt schon nach einem passenden Hof zwischen München und Rosenheim. „Wir wollen wieder ein schönes Bauernhaus für unsere Katzen mit extra Wohnungen für unsere Helfer ausbauen“, so ihre Hoffnung. Aber für all das braucht der Verein vor allem Geld. 

Lydia Wünsch

Wer dem Verein helfen möchten, kann an folgendes Spendenkonto überweisen: Sparkasse Bad Aibling, IBAN: DE05 7115 0000 0020 0917 24, BIC: BYLADEM1ROS. Bitte Adresse für Spendenbescheinigung angeben. Weitere Infos unter www.katzentraum.org.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schwester Charlotte vom Maria-Theresia-Heim Neubiberg über das Leben im Kloster
Schwester Charlotte vom Maria-Theresia-Heim Neubiberg über das Leben im Kloster
Django Asül am 29. April in Haar
Django Asül am 29. April in Haar

Kommentare