Ehre dem Ehrenamt

Gemeinde Neubiberg feiert ihre Helden

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Beim Neubiberger Neujahrsempfangs standen die wahren, leibhaftigen Leistungsträger des öffentlichen Lebens der Gemeinde auf der Bühne und strahlten beim Abschlussfoto nur so um die Wette.

Zu Beginn des Neubiberger Neujahrsempfangs fand Bürgermeister Günter Heyland (FW N@U) im Rahmen seiner Neujahrsansprache neben dem Dank an ehrenamtliche Werkler, Sportskanonen und Kulturschaffende auch kritische Worte für den politischen wie gesellschaftlichen Zeit-Un-geist, der bisweilen zum Ausdruck komme. Dabei bemühte er zwei fiktive Gestalten: Die lange Lügennase von Pinocchio angesichts der aus seiner Sicht allzu vollmundigen Lobhudelei in Richtung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer („Bayern ist so etwas wie die Vorstufe zum Paradies“) angesichts offenkundiger Probleme rund um den Weißwurst-Äquator, sowie das Sandmännchen. Da werde den Menschen mitunter kräftig „Schlafsand in die Augen gestreut“.

Beim Empfang allerdings waren alle im gut gefüllten Saal der Grundschule hellwach. Und das lohnte sich. Denn bei den anschließenden Ehrungen wurde deutlich: Um Neubiberg muss es seinen Bürgern nicht wirklich bange sein. Schmackhaft ging es denn auch los. Was einst mit einem überschaubaren Angebot für Biogemüse an der Schopenhauer Straße 46 und kurze Zeit später mit einem kleinen Verkaufsstand vor dem Rathaus begann, ist seit vielen Jahren ein Versorgungseckpfeiler in Neubiberg: „Die fünf Gmiasweiber und der Gmiasmo“ sind seit 30 Jahren fester Bestandteil des Biomarktes im Umweltgarten. Die Protagonisten verkaufen jeden Donnerstag heimische Produkte der Unterschleissheimer Gärtnerei Hollern, einer Werkstatt für behinderte Menschen. Zu Dankeserkunden und silbernen Ehrenmedaillen gab es Beifall für die „Bios“.

Den ebenfalls Geehrten Norbert Büker muss man in der Gemeinde eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Vorsitzender der Kolpingfamilie und des Hospizkreises ist der Mann. Auch hat er dafür gesorgt, Neubiberg als Fair-Trade-Gemeinde zu etablieren. „Der Vater als Kolping-Bruder war mein Vorbild und hat mir beigebracht, mich zu engagieren“, so Büker. Er hat es sich zu Herzen genommen.

Vom erfahrenen Kämpen Büker, der jüngst auch von besagtem Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet wurde, wechselte die Handlung zu einem ganz jungen „Gewinner-Typen“. Der neunjährige Leonardo Costa vom heimischen Schachclub ist in jungen Jahren schon zum Meister im Spiel der Könige avanciert. Bescheiden lächelnd ließ er seine vom Bürgermeister laudatierten Siege schmunzelnd Revue passieren.

Deutscher Meister ist Leonardo in der „U10“-Altersklasse, dazu ist er Bayerischer Mannschaftsmeister mit seiner „U14“. Auch beim ihm war der Vater prägend. „Papa spielt gerne Schach – aber ich bin besser.“ Beim Nachsatz wandelte sich das Schmunzeln dann in ein breites Grinsen. Die Neubiberger Ehrenmedaille in Silber gab es nämlich obendrauf.

Ausgezeichnet im Bereich Sport wurden auch die Aushängeschilder der heimischen Badminton-Szene. Bei den Altersklassen-Weltmeisterschaften in Indien holten Tanja Eberl und Felix Hoffmann 2017 vier Medaillen (HALLO berichtete). Heinz Hagen hat sich dagegen als langjähriger Vorsitzender des BSV Neubiberg-Ottobrunn vor allem das ehrenamtliche Wirken für die Behinderten und Versehrten erfolgreich auf die Fahnen geschrieben. Für gut 20-jährige Arbeit an der Spitze gab es viel Applaus. Der war auch den Forschern sicher. Professor Günter W. Hein von der Universität der Bundeswehr wurde als einer der Wegbereiter, Initiatoren und führenden Köpfe des ersten, unter ziviler Kontrolle stehenden Satelliten- und Ortungssystems ausgezeichnet.

Ganz junge Forscher waren zuletzt dran. Die Emile Mon- tessorischule wurde für aktive Klimaschutzaktivitäten in einem Netzwerk für Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Die realen Erfolgs-Figuren hatten also für „Pinocchio“ und „Sandmännchen“ zumindest an diesem Abend in Neubiberg keinen weiteren Raum gelassen. 

Harald Hettich

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