Eine Pipeline, die alle Menschen verbindet

Foto-Ausstellung im Landratsamt München

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Auf geführten Wandertouren erkunden Geflüchtete zusammen mit Einheimischen die bayerischen Berge. Eine Fotoausstellung im Landratsamt zeigt Eindrücke davon.

Der Malteser Hilfsdienst entwickelte zusammen mit dem Deutschen Alpenverein das Projekt „Alpen.Leben.Mensch.“ (A.L.M.), um Flüchtlingen das Ankommen im Alpenraum zu erleichtern. Geflüchtete erkunden dabei auf Wanderungen zusammen mit Einheimischen die bayerischen Berge. Eine Ausstellung im Landratsamt stellt nun Fotografien von diesen Touren aus.

Die Wanderausstellung „A.L.M.“ im Landratsamt München am Mariahilfplatz 17 zeigt die besten 30 Fotografien, die bei einem begleitenden Fotowettbewerb zu den Bergtouren entstanden sind. Es sind besondere Bilder, die während der Aktionen gemacht wurden und das Anliegen der Organisatoren zeigen: wie einfach Integration mit Leben gefüllt werden kann. Mit gemeinsamen Ausflügen in der Natur, ein bisschen Spaß und vor allem ohne Vorurteile.

„2015, in der Zeit der großen Flüchtlingswelle entstand die Idee zu dem Integrationsprojekt“, sagt die Projektkoordinatorin Anna Heinisch. Die deutsche Bundesstiftung Umwelt hat damals alle Verbände dazu aufgerufen, sich zu beteiligen. So kamen die Malteser und der deutsche Alpenverein zusammen und stellten fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben. Beide sind ehrenamtliche Verbände, die sich sozial engagieren und naturverbunden sind. Im April 2016 startete dann das Projekt: Geführte Wandertouren durch die bayrische Berglandschaft, bei der Geflüchtete und Einheimische zusammen kommen. Jeder kann mitmachen. Das Angebot ist kostenlos. Interessierte können sich einfach über die Website www.alpenlebenmenschen.de unter „Tourenprogramm“ anmelden. Laut Anna Heinisch profitieren beide Seiten sehr von diesen außergewöhnlichen Erlebnissen. „Für die Geflüchteten ist es eine gute Möglichkeit, aus ihrem meist tristen Alltag herauszukommen“, sagt sie. Aber auch die Einheimischen nehmen viel mit. So hat ein Eritreer, der ursprünglich aus einem sehr trockenen Gebiet kommt, bei einer Tour gesagt, dass er gerne eine Pipeline von Deutschland zu seiner Mutter bauen würde, damit sie leichter an Wasser kommt. „Er war einfach begeistert davon, wie viel sauberes Wasser es hier gibt“, sagt Heinisch. So lernen auch die Menschen, die ursprünglich aus der Gegend kommen, ihre Umwelt wieder mehr zu schätzen. Zudem können Flüchtlinge ihre Deutschkenntnisse aufbessern. Aus den neu geknüpften Kontakten entstehen manchmal Freundschaften. Diese ermöglichen den Geflüchteten, sich leichter in die neue Umgebung einzufinden oder über Kontakte an eine Wohnung zu kommen.

Auch werden die Geflüchteten auf diese Weise mehr für Umweltfragen sensibilisiert. Auf den Touren führen die Teilnehmer Gespräche darüber, wie man das Wasser sauber hält oder was für eine Funktion der Wald hat. So kommt es manchmal auch zu lustigen interkulturellen Begebenheiten. Anna Heinisch muss immer noch schmunzeln, wenn sie sich daran erinnert, dass einer der Flüchtlinge eine Gämse als bayrische Gazelle bezeichnete. „Wir hatten den Fußabdruck im Sand entdeckt und der Leiter fragte die Teilnehmer, ob sie wüssten, von welchem Tier der stammt.“ Die Antwort war immerhin kreativ und sorgte für Lacher.

Bewegend seien die Momente, wenn die Flüchtlinge sich überschwänglich für diese einzigartigen Tage bedanken. „Das war einer der schönste Tage in meinem Leben! So etwas bekommen wir öfter zu hören“, sagt Heinisch. In solchen Momenten wird ihr wieder bewusst, wie wichtig diese Aktion ist. Denn die Flüchtlinge sind meist vom Krieg traumatisiert, wenn sie nach Deutschland komme. Dort leben sie dann in einer bürokratischen, sterilen Umgebung in den Unterkünften und kommen nur selten heraus.

Ihnen Mut und Hoffnung zu macht, das ist gelebte Integration, findet sie. Das führe hoffentlich auch zu einem neuen Dialog, in einer politisch schwierigen Zeit.

Lydia Wünsch

Die Ausstellung ist bis 7. August wochentags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr, in den verschiedenen Stockwerken des Gebäudeteils A des Landratsamts zu sehen.

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