Nicht rentabel genug

Bei der Fernwärme schaut Brunnthal in die Röhre

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Viele Gemeinden im Münchner Südosten werden mit Strom, der aus Erdwärme gewonnen wird, versorgt. Geothermieanlagen wie hier in Sauerlach wandeln  Erwärme in Energie um. Foto: oh/SWM

Große Teile des südöstlichen Landkreises werden in Zukunft saubere Energie aus Geothermie nutzen. Die Gemeinde Brunnthal dürfte allerdings nicht zu den Nutznießern zählen: Zu gering ist dort die Nachfrage nach Fernwärme und zu hoch wäre der Aufwand, die Leitung bis in entlegene Ortsteile zu bauen.

Eigentlich ist es schon ein Kreuz. Neben der Anlage in Dürrnhaar ist jene im Brunn- thaler Ortsteil Kirchstockach eine der leistungsstärksten Geothermieanlagen hierzulande. Doch Brunnthal hat vergleichsweise wenig davon. Auf dem südlichen Gelände der Firma Ganser wird aus Erdwärme jene Energie geschöpft, welche Teile der Gemeinden Ottobrunn, Neubiberg, Hohenbrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn schon heute mit Strom versorgt. Ab 2019 dann soll die Fernwärme-Versorgung über lange Leitungsnetze in weitere Siedlungen geliefert und für den Endverbraucher als regenerative Energie nutzbar gemacht werden.

Doch während für die größeren Siedlungsgebiete die Vorbereitungen seitens der federführenden Energieversorgung Ottobrunn GmbH bereits auf Hochtouren laufen, werden die größten Teile Brunnthals von dieser Versorgungslinie wohl bis auf weiteres abgeschnitten sein. „Das Projekt lässt sich in einer über eine weite Fläche zersiedelten Gemeinde wie der unseren weder wirtschaftlich, noch technisch befriedigend darstellen“, bekannte Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf HALLO-Nachfrage.

Grund: Um die Fernwärme auch in die weniger dicht besiedelten Regionen zu bringen, wären neben umfangreichen Leitungsbauten auch sehr hohe Energieaufwände notwendig. „Ein entsprechendes Gutachten hat leider klar gemacht, dass die gering abgefragten Fernwärmemengen mit den Investitionen nicht korrespondieren würden und auch der Wärmeverlust auf den langen Leitungswegen eklatant hoch wäre“, so Kern. Kapitalrentabilität nennt der Fachmann das Bestreben, Investitionen nicht nur zu refinanzieren, sondern auch Gewinne abzuschöpfen.

In Brunnthal wohl Fehlanzeige. „Es gibt lediglich wenige Ausnahmen“, führte der Rathaus- chef weiter aus. Etwa entlang der Rosenheimer Landstraße, weil dort die zentralen Versorgungsstränge der Fernwärme in einem Bogen bis nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn verlaufen sollen und damit etwa die Waldsiedlung als „Anlieger“ am Netz günstig zu bedienen wäre. Das alles ist jedoch auch für die Waldsiedlung oder womöglich Kirchstockach noch Zukunftsmusik.

Im Gemeinderat bestand deshalb zuletzt zwar Einverständnis mit Plänen der regionalen Energieversorger, die weit verzweigten Leitungen auch entlang einer Brunnthaler Trasse zu verlegen. Doch die Gemeinde will wesentliche eigene Prioritäten gewahrt wissen. So dürfe der Anlieger- und insbesondere auch der öffentliche Personennahverkehr oder Rettungsdienste durch die Baumaßnahmen nicht behindert werden. Auch dürfe das potenzielle Radwegprojekt an der Südseite der Taufkirchner Straße bis nach Kirchstockach nicht tangiert werden. Und eigene Straßenbaumaßnahmen —Kern nannte den Abschnitt der Rosenheimer Straße südlich der Hohenbrunner Straße exemplarisch – müssten bei den Planungen für die Fernwärme unbedingt beachtet werden. „Hier ist eine Abstimmung mit der Gemeinde erforderlich“, so Kern. Auch eine Reihe technischer Erwägungen – etwa das Kreuzen von Trinkwasserschneisen durch die Fernwärmeverrohrung – müsse in den Planungen sensibel berücksichtigt werden. Denn Brunnthal wird zwar wohl stark verrohrt – hat aber selbst wenig Nutzen von den Segnungen der Fernwärme.

Harald Hettich

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