Heimat ist mehr als nur ein Ort

Erste Integrationskonferenz des Landkreises München im Ottobrunner Wolf-Ferrari-Haus

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„Wie schaffen wir es, aus Zuwanderung und Vielfalt einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erzielen“, lautete die zentrale Frage im Workshop „Voneinander lernen“. Geleitet wurde er unter anderem von Tibor Manal (Mitte), Bildungskoordinator am Landratsamt München.

Verantwortliche aus allen gesellschaftlichen Bereichen des Landkreises haben im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn einen Tag mit Geflüchteten verbracht. Ziel der Aktion: Ideen sammeln, wie Integration nachhaltig gelingen kann.

Zur ersten Integrationskonferenz im Landkreis München kamen weit über 200 Personen, darunter Mitarbeiter aus den 29 Städten und Gemeinden des Landkreises, Kreisräte, verschiedene soziale Träger, Vertreter von Polizei, Feuerwehr, aus dem medizinischen Bereich, der Agentur für Arbeit und der IHK und HWK. Des weiteren nahmen Unternehmer, Verantwortliche aus Vereinen, Mitglieder der Helferkreise, rund 35 Geflüchtete und über 50 Mitarbeiter des Landratsamtes teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Martina Neubauer, Leiterin des Referats „Chancengleichheit und gesellschaftliche Potentiale“ im Landratsamt.

Ziel des Tages war, alle Akteure im Bereich der Integration Geflüchteter an einem Ort zusammenzuführen und einen intensiven Dialog zu ermöglichen. Im Mittelpunkt stand daher der Austausch von Ideen, Erfahrungen und Wissen. Dazu fanden sieben moderierte Workshops statt, unter anderem zu Themen wie „Integration von Flüchtlingen in den Wohnungsmarkt“, „Arbeit und Beschäftigung“, „Together?! – Wie wollen wir uns begegnen?“ oder „Voneinander lernen“. Zudem konnten Geflüchtete im Workshop „Was brauchen wir? – Die Perspektive Geflüchteter“ ihre Beobachtungen, Fragen und Vorschläge äußern.

Alle in den Workshops erarbeiteten Beobachtungen, Ideen und Vorschläge wurden auf Moderationstafeln gesammelt und dokumentiert. Dieser gemeinsam ausgearbeitete Fundus wird jetzt im Detail vom Landratsamt gesichtet, geordnet und zu einem konkreten Integrationsfahrplan weiterentwickelt.

„Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag“, sagte am Ende Thomas Loderer, Bürgermeister der Gemeinde Ottobrunn. „Alle gesellschaftlichen Gruppen sind aufgefordert, dabei zusammen zu arbeiten.“ Landrat Christoph Göbel pflichtete ihm bei: „Integration ist eine gemeinschaftliche Herausforderung. Entscheidend für uns alle ist die Partnerschaft zu den Menschen, die hier leben: zu den Menschen, die neu zu uns gekommen sind, und zu den Menschen, die bereits hier leben.“

Mit einem Integrationskonzept beschäftige sich das Landratsamt bereits seit vielen Jahren, lange bevor von Flüchtlingen und Asyl die Rede gewesen sei, bekräftigte Göbel weiter. Insgesamt lebten aktuell Menschen aus 160 Nationen im Landkreis München, „und sie alle sind ein aktiver Teil der Gesellschaft.“ Was die Behördenvertreter während der Veranstaltung besonders lobten: das freiwillige Engagement der Bürger! „Mehr als 4000 Menschen sind allein in den Helferkreisen aktiv“, so Göbel. Dass Veränderungen und Unbekanntes immer ein mulmiges Gefühl mit sich brächten, sei normal. Deshalb sei es wichtig, immer im Gespräch zu bleiben. Die Integrationskonferenz sei daher der Auftakt zu „einem breitflächigen Dialogprozess, in dem wir einander Ideen zurufen, die wir dann weiter verarbeiten. Ziel ist eine lernende Vorlage für uns alle!“

Dass „Heimat mehr als ein Ort“ ist, bekräftigte dann der oberbayerische Bezirksheimatpfleger, Dr. Norbert Göttler. Heimat, führte er aus, sei im 18. und 19. Jahrhundert noch ein juristischer Begriff gewesen – mit „Heimatrecht“ sei eine soziale Absicherung verbunden gewesen. Dann habe der Begriff eine örtliche Bedeutung bekommen – Begriffe wie Heimweh oder Heimatwerdung entstanden. Heute ist der Heimatbegriff laut Göttler nicht mehr an einen festen Ort gebunden: „Menschen haben ein Heimatbedürfnis, sie wünschen sich Vernetzungen, Bindungen, die über Orte hinausgehen, und Begegnungen miteinander.“

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