Auf Bernhard Langers Spuren

Elfjähriger Neubiberger ist ein Top-Talent im Golfsport

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Viel Dampf, noch mehr Gefühl und tolle Technik: Benedikt Schuster beim Abschlag auf einer neuen Spielbahn. Viermal pro Woche übt der Elfjährige eisern das Golfen.

Bernhard Langer und Martin Kaymer sind die bekanntesten deutschen Golfspieler. Aber vielleicht gehört auch schon bald Benedikt Schuster dazu? Denn der elfjährige Neubiberger gilt als Top-Talent im Golfsport!

Benedikt Schuster steht am Abschlag der Golf-Anlage in Kirchstockach (Gemeinde Brunnthal) und schwingt locker durch. Schon beim Trockentest ohne Ball ist der exakte Bewegungsablauf des talentierten elfjährigen Nachwuchsakteurs spürbar. Seit sechs Jahren ist Benedikt aktiv und hat in dieser Zeit schon große Erfolge wie die Süddeutsche Nachwuchsmeisterschaft eingefahren. Besonders nachdrücklich unterstrich der kleine Mann seine Ambitionen zuletzt auch wieder bei den Clubmeisterschaften vor Ort. Zum zweiten Mal in Serie setzte sich der Neubiberger Realschüler in der offenen Klasse gegen alle Konkurrenz durch. Auch Papa Thomas Schuster, der den eigenen Sprössling einst zum Lochspiel brachte, hatte als Dritter deutlich das Nachsehen. „Seines Vaters Reaktion war zweigeteilt“, erzählt Mama Lucia Schuster schmunzelnd. „Zum einen war er natürlich stolz auf seinen Sohn. Aber als Sportler fand mein Mann die Pleite gegen seinen Filius gar nicht so lustig“.

Doch nach den vier Meisterschaftsrunden in Kirchstockach lag der Blondschopf deutlich vorn. Auf dem Par-60-Kurs hatte Benedikt in den beiden ersten Runden lediglich  68 und danach ganz starke 65 Schläge vom Abschlag bis zum Patt auf der 18-Loch-Anlage gebraucht. „Damit habe ich auch mein Handicap von 6,5 bestätigt“, sagt Benedikt stolz auf das bisher Erreichte.

Heute ist der kleine Champ, der bei den Altersklassen-Meisterschaften Bayerns und Süddeutschlands bereits wiederholt Spitzenränge auch gegen ältere Konkurrenz einfuhr, nur zum Training nach Kirchstockach gekommen. Vier Trainingseinheiten pro Woche absolviert Benedikt. An zwei Standorten: Während er in Kirchstockach übt, gehört er weiter westlich beim Münchner Golf Club auf der Anlage in Straßlach zum Leistungs-Nachwuchskader der Hochtalentierten unter Coach Philip Stangassinger. „Heute will ich das lange Spiel üben, da liegen noch meine Schwächen“, erklärt der Nachwuchs-Crack durchaus selbstkritisch, während er den Schläger schwingt. „Meine Stärken liegen noch mehr im kurzen Spiel – beim chippen, putten und aus dem Bunkerhindernis heraus klappt es schon sehr gut“, erklärt er fachmännisch.

Währenddessen hat der jüngere Bruder Jonathan (8), selbst schon eifriger Nachwuchs-Golfer, einen Eimer Bälle aus dem Vereinsheim geholt. „Titleist, tolle Bälle, kosten fünf Euro“, bemerkt Benedikt – während er das Spielgerät liebevoll in seiner Hand wiegt. In Kirchstockach kosten die weißen, gut 4,2 Zentimeter Durchmesser großen Kautschuk-Kugeln, um die sich alles dreht, zu Übungszwecken nur wenige Cent. „Aber die Kosten summieren sich schon“, erzählt Mama Lucia. „Ausrüstung und Reisen gehen schon ins Geld“. Benedikt will das mit Erfolgen und möglichst späteren Profi-Preisgeldern wieder hereinholen. Doch vom Erfolgsprofi mit den bekannten Millionen-Gagen ist der Kleine dann doch noch weit entfernt. Leuchtende Augen bekommt der Golf-Hoffnungsträger aber, wenn er über sein Vorbild referiert. Der Nordire Rory McIllroy hat es ihm angetan. Mit US-Open- und PGA-Championship-Siegen hat der 28-jährige Power-Hitter seinem bayerischen Pendant – noch — einiges voraus. Doch Benedikt bleibt am Ball, setzt sich „step by step“ selbst ehrgeizige Ziele. Als nächstes wird er mit seinen Straßlacher Jungs bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Berlin antreten. „Wir als Eltern zwingen unsere Kinder aber zu nichts“, betont die Mutter. „Die Initiative und der Spaß am Sport müssen von den beiden kommen“, sagt sie. Die engagierten Eltern sorgen für die Rahmenbedingungen. Dieser Tage paart sich der Urlaub in Istrien und Italien wieder mit Golftraining im Süden. Zuletzt hatte man die Ferien vorwiegend auf Grüns des schottischen Hochlands verbracht.  Zudem haben die Schusters auch im eigenen Neubiberger Garten ein Putting-Green für die kurzen Endspiele eingerichtet. „Dort spielen wir mit unseren Freunden aber auch Fußball“, verweisen die Schuster-Jungs auf ihr Lieblingshobby mit dem größeren Leder.

Aber heute sind die Abschläge im Leistungssport Golf dran. „Ich muss jetzt üben“, beharrt Benedikt. Beim Trockentest und lockeren Durchschwingen wird es nicht bleiben. Dank Bruder Jonathan sind ja jetzt genug Bälle da. Der erste Titleist liegt schon auf dem Abschlag-Mal. Benedikt schwingt durch und drischt das weiße Geschoss auf die erste von 18 Bahnen, vorbei an Baumkronen und den gefürchteten Sandhindernissen. Drei Schuster-Augenpaare beobachten die Flugkurve. Der Trockenübung zu Beginn folgte nun der erste starke Trainings-Schlag. Benedikt drischt weitere Bälle in Richtung Fahne am Ziel der Bahn.  Gleich darf er auch wieder putten. Das finale Grün ist mit fast allen Bällen  erreicht. Der junge Mann hat es einfach drauf. Seines Vaters Chancen bei kommenden Clubmeisterschaften dürften kaum besser werden. 

Harald Hettich 

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