Ausbau nicht zu Lasten der Gemeinde

Bundeswehr-Uni und Gemeinde Neubiberg im engen Dialog

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Darum geht es: Bundeswehr-Universität und Gemeinde suchen nach tragfähigen Lösungen für den schwierigen Spagat zwischen weiterem Uni-Ausbau und zunehmender Verkehrsbelastung. Uni-Vizepräsident Matthias Heinitz (links) und Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland stehen dazu in engem Dialog.

Die Bundeswehr-Uni plant den Bau von unter anderem 200 Wohneinheiten. Die Unterbiberger fürchten indes ein stärkeres Verkehrsaufkommen. Der Vizepräsident der Uni, Professor Matthias Heinitz, und Bürgermeister Günter Heyland suchen nun nach Lösungen.

Eine „Win-Win-Situation“ trotz schwieriger Planung haben Vizepräsident Professor Matthias Heinitz von der Universität der Bundeswehr München und Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland bei einem Pressegespräch am Montag ausgemacht. Thematisiert wurden dabei vor allem die anstehenden Baumaßnahmen auf dem Campus-Gelände sowie die verkehrlichen Auswirkungen auf die Gemeinde.

Beide unterstrichen den intensiven Dialog, der in der Sache seit Jahren geführt werde. Ein inhaltlich, personell und räumlich erweitertes Studienangebot sowie neue Forschungseinrichtungen auf Seiten der Bundeswehr sollen dabei nicht zu Lasten Neubibergs gehen. Vielmehr, so Heyland, soll Unterbiberg durch eine Verlagerung des Verkehrshauptstroms nach Osten nicht noch mehr belastet werden. „Es ist das erste signifikante Wachstum seit zwei Jahrzehnten — und es ist keine Vergrößerung unseres Geländes“, stellte Heinitz dagegen klar.

Was die Uni auf ihrem 144 Hektar-Areal plant, ist allerdings immens. Die Zahl der Studierenden soll von heute 2800 in wenigen Jahren auf rund 3200 anwachsen. Neue Professuren und Mitarbeiterstellen im Zuge der Forschungsprogramme ITIS und Code schaffen in den kommenden fünf bis sieben Jahren 400 neue Stellen. Dafür sollen im Ostbereich des Uni-Geländes neben etwa 200 Wohneinheiten auch ein oder gar zwei Parkhäuser errichtet werden. Im Umgriff des Towers sollen Raumeinheiten für sensible (Cyber-)Forschung entstehen. „Aus Gründen der Sicherheit aber mehr in die Tiefe gebaut“, erklärte Uni-Pressesprecher Michael Brauns.

Wichtig für die Gemeinde ist der Verkehr. Ein baulicher Durchstich „Auf der Heid“ nach Nord auf das Bundeswehr-Gelände soll den Verkehr künftig vermehrt über die Ostspange heranführen und Unterbiberg entlasten. „Der Schwerlastverkehr in der Bauphase soll rein über den Osten abgewickelt werden“, waren sich Heinitz und Heyland einig. Am Osttor werde eine weitere Wache eingerichtet. Das im Eigentum des Bundes stehende Flurstück Werner-Heisenberg-Straße soll geteilt werden, am Nordende der heute öffentlichen Fahrrinne ein Zaun das Bundeswehr-Gelände sichern. Im Gegenzug signalisierte Heinitz nach Gesprächen mit dem Bund Einverständnis für einen Grunderwerb der Gemeinde weiter nördlich. Den heutigen Geh- und Radweg könne die Kommune erwerben und entsprechend für den Individual- und den öffentlichen Nahverkehr widmen.

Die Gemeinde will um eine geänderte Beschilderung der Autobahnanschlüsse kämpfen. Die Abfahrt „Neubiberg“ soll in Unterbiberg umbenannt werden, um den Durchgangsverkehr abzuschwächen. Weiter südlich soll der Anschluss „Ottobrunn/Unterhaching“ durch „Neubiberg“ ergänzt werden. „Wir dürfen aber nicht die Uni als Verursacher der Probleme darstellen“, erklärte Heyland vor dem Hintergrund, dass die Bundeswehr seit 1973 vor Ort und auch ein wichtiger Steuerzahler sei. Durch den Wegfall der geplanten Südanbindung Perlach im Zuge des seit 1992 betriebenen Vivamus-Projektes sei eine schwierige Gemengelage entstanden, Unterbiberg bleibe belastet. Auffangen will man die Situation auch durch Mietradstationen. Mindestens zwei plant auch die Uni auf ihrem Gelände. Überhaupt sollten mehr Menschen aufs Radl umsteigen, zumal der Verkehr durch die Überplanung des Löwenbräu-Geländes langfristig weiter zunehmen dürfte. Auch auf die Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs in Form von U- oder Stadtbahn bauen die Verantwortlichen in Neubiberg. 

Harald Hettich

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