Der schwere Weg zum neuen Kultur-Tempel

Ausschuss spricht sich für die Sanierung des „Hauses für Weiterbildung“ aus

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Bürgermeister Günter Heyland vor dem Neubiberger Rathaus.

Um die Planung des Zentrums mit Rathaus-Erweiterung und vor allem um die Sanierung des „Hauses für Weiterbildung“ (HfW) ging es am vergangenen Donnerstag im „Sonderausschuss Verwaltungsgebäude“, den der Gemeinderat Neubiberg ins Leben gerufen hatte. Mit nur knapper Mehrheit von sechs gegen fünf Stimmen votierte der Ausschuss für das Ziel, wieder ein komfortables, öffentliches Gebäude für Veranstaltungen und Kultur zu erhalten.

Beraten werden sollte der auf knapp 4,8 Millionen Euro taxierte Vorentwurf der Architektin Ulrike Donner von „bh architekten“. Die Räte diskutierten höchst kontrovers über das neue Kulturhaus, das bis 2019 im Zuge des Rathaus-Relaunches gleich nebenan energetisch wie technisch runderneuert, überarbeitet und großräumig saniert werden soll.

Am Ende zog sich eine mehr oder weniger deutliche Trennlinie der Zustimmung und Ablehnung durch die Ratsbänke. Gegen eine knappe Mehrheit von Freien Wählern und SPD stimmte die CSU mit den Grünen gegen das üppig geschnürte Paket. Diskutiert wurde in alle Richtungen, jongliert wurde vor allem mit Summen und Zahlen, die manchen Rat verschreckten. Nahezu eine Doppelung des ursprünglichen Kostenansatzes von 2012 (rund 2,5 Millionen Euro) trieb manchen Mandatar argumentativ auf die Barrikaden. Für Andrea Bernatowicz (Grüne) stellte sich die Frage nach einem Neubau. „Bis auf die Außenmauern bleibt doch bei der Sanierung nichts, wie es ist“, folgerte sie aus den Ausführungen der Architektin. „Lohnt sich da die Sanierung?“ Oder sei ein Neubau nicht folgerichtig? „Eher nicht“, entgegnete Rathaus- chef Günter Heyland. „Angesichts einer Neubausumme von mindestens elf Millionen Euro“ und des Umstands, dass im Abrissfalle Fördergelder für eine Teilsanierung 2009 wieder zurückgezahlt werden müssten – in der Größenordnung von zumindest einer weiteren Million Euro. Die Skeptiker blieben dran. Klar habe man seinerzeit zwei Millionen in die Sanierung gesteckt, sagte Hartmut Lilge (CSU). „Aber wir befinden uns jetzt 50 Prozent über den Vorstellungen des Gemeinderates“, rechnete er vor. Die Mehrbelastung sei „eklatant“. Manchem Skeptiker genügte auch die Hochrechnung von Kämmerer Fabian Leininger nicht. Danach verfüge die Gemeinde auch angesichts üppiger Gewerbesteuerflüsse über Rücklagen von rund 18 Millionen Euro. Selbst mit Großprojekten wie dem HfW würden diese mindestens bis 2021 reichen. Tobias Heberlein (SPD) überzeugte dies nicht. „Fakt ist doch, dass wir nach den Hochrechnungen 2021 fast keine Rücklagen mehr haben“. Wenn man beim HfW und anderen Projekten kostentechnisch in die Vollen gehe, sei man schnell auch mal im Minus.

Die Kontroverse deutlich machte besonders das Plädoyer des Verwaltungs-Geschäftsleiters Thomas Schinabeck an die Adresse des Rates. „Es gibt schon Verträge für die Gesamtplanung“, so sein Appell an die Projektskeptiker. „Sollte der Gemeinderat nun alles stoppen, dann steht vor allem die Verwaltung im Regen. Dann fallen die Pläne in sich zusammen“, warb Schinabeck nicht nur für die „seriöse Sacharbeit“ der Verwaltung, sondern letztlich auch für das Projekt selbst. Einen Stab für die HfW-Pläne hatten zuvor auch die gebrochen, um die es eigentlich geht: Vhs-SüdOst-Geschäftsführer Christof Schulz, Hermann M. Schnabel von der Musikschule Unterhaching sowie Neubibergs Kulturamts-Leiterin Andrea Braun. Alle lobten das Vorhaben.

„Treffpunkt zum Lernen, zum Aufenthalt und für Integration – dieser Entwurf setzt das alles um“, sagte Schulz. Derzeit 4300 Vhs-Teilnehmer pro Jahr in Neubiberg seien ein starkes Argument, hier in die Zukunft zu investieren. Für Schnabel ist es „ein Traum, nach Jahren der Absenz wieder ins runderneuerte HfW zurückzukommen – einem zentralen Gebäude für kulturelle Bildung, des Lernens und Zusammenlebens in Neubiberg“. Braun freute sich über den Ansatz einer geplanten Lernterrasse an der Bibliothek. „Sicher ist diese mit Sicht auf die Kosten streichbar, aber in Zeiten von Digitalisierung und Amazon muss man den Leuten etwas bieten.“ Alle drei schwärmten unter anderem von verbesserten Raumzuschnitten und Raumnutzungen sowie Leseecken. Dazu hatte Architektin Danner dem Rat und den Nutzern versprochen, der gesamte Sanierungsansatz befreie für mindestens 25 Jahre von weiteren Investitionen. Überzeugen ließ sich davon nur eine hauchdünne Mehrheit. Ob das Millionenwerk umgesetzt wird, entscheidet jetzt der Gemeinderat. 

Harald Hettich 

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