Wird vor Gericht entschieden?

Aufregung um Biomasseanlage Carl-Wery-Straße

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Entsteht im Umgriff der südlichen Carl-Wery-Straße bald schon eine Biomasseanlage? In diesem Punkt sind sich Neubiberg und Perlach mit dem Besitzer des Grundstücks nicht einig.

Eventuell wird vor Gericht entschieden, ob an der Carl-Wery-Straße eine Biomasseanlage gebaut wird. Denn sollte nach den Widerständen aus Perlach und Neubiberg die Stadt die Genehmigung verweigern, droht der Grundstückseigentümer mit Klage. Es gäbe aber Alternativen für eine gütliche Einigung.

Am Ende der Ausführungen von Firmenanwalt Benno Ziegler im Planungsausschuss des Bezirksausschusses (BA) Ramersdorf-Perlach hatte Wolfgang Thalmeir (CSU) durchaus den Eindruck als sei die Biomasse-Anlage „vielleicht nur ein Vehikel“ für eine ganz andere Planung. Denn im Gespräch erklärte Ziegler, dass es eigentlich nur darum gehe, das Neuperlacher Grundstück bestmöglich nutzbar zu machen. Der Besitzer, die Firmengruppe Werner, hätte hier Wohnungsbau geplant. „Doch das Planungsreferat blockt ab, da bewegt sich bisher nichts.“ Daher Plan B. B wie Biomasseanlage. Werner will auf dem 5,4 Hektar großen Gelände direkt an der Stadtgrenze zu Neubiberg eine Aufbereitungsanlage für biologische Reststoffe samt einer Kompostieranlage errichten. Florafuel nennt sich das innovative Verfahren, bei dem aus Gras, Laub und Algen Biobrennstoff als Pellets und Briketts gemacht wird. Die Anlage steht bereits in einem Waldstück bei Grasbrunn und soll nach Neuperlach umziehen. Dort will man vorzeigbare Bedingungen zur besseren Vermarktung des „Leuchtturm-Projekts“ schaffen, für das es bereits Interessenten aus aller Welt gibt. Zudem sei Grasbrunn „zu weit vom Schuss“ für die Material-Anlieferungen aus Stadt und Landkreis München.

Stadtteilpolitiker und Neubiberger Bürger, die zahlreich erschienen waren, befürchten jedoch massive Geruchsbelästigungen. Wohl nicht zu Unrecht. Anwalt Ziegler gab offen zu: „Es wird sich verändern und zwar nicht zum Positiven.“ Doch die offiziellen Grenzwerte für Geruch, Lärm und Verkehr würden laut vorgelegten Gutachten alle eingehalten. Die Anwesenden quittieren diese Aussage mit hämischen Kommentaren. „Ihre Gutachten beruhigen mich in keiner Weise“, meinte ein Anwesender, „wer zahlt, schafft schließlich an.“ Kopfschütteln von Ziegler: „Damit würden wir Ihnen ja einen Klageweg einräumen.“

Derzeit werde das Projekt laut dem Rechtsanwalt von der Münchner Lokalbaukommission als nicht genehmigungsfähig eingeschätzt. Ziegler ist gegenteiliger Ansicht. Die Ablehnungsbegründung stamme nachweisbar aus einem Schülerlexikon, zudem habe die Firma Werner beim Kauf des privaten Areals im Jahr 2006 sich von der Stadt vorab schriftlich bestätigen lassen, dass es für eine gewerbliche Kompostieranlage genutzt werden kann. Die Biomasseanlage habe quasi dieselbe Ausrichtung. Sollte es dafür keine Genehmigung geben, „dann klagen wir das durch, ich bin überzeugt zu gewinnen“, so Ziegler.

Wenn nicht, kommt Plan C. Eine reine Kompostieranlage. „Schlimmer als das Florafuel-Verfahren“, warnte ein von Ziegler mitgebrachter Fachmann. „Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl: Wenn ihr das nicht wollt, dann kommt es noch schlimmer?“, erkundigte sich Sepp Kress-del Bondio (SPD).

Man sei durchaus offen für andere Lösungen, zum Beispiel einen Grundstückstausch, signalisierte der Firmenanwalt. Die Fasangartenstraße wäre der ideale Standort für die Biomasseanlage. Dort könnte man nämlich mit der bestehenden Kompostieranlage der Stadt kooperieren. Die allerdings betrachte Werner als Konkurrenz. Die Neubiberger Bürger interessierte das wenig, sie hielten sich ganz einfach ans St.-Florians-Prinzip. Ihr Vorschlag: „Stellen’s das doch ins Oberland, oder nach Kolbermoor.“

Carmen Ick-Dietl

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