Sternsingen, alles andere als uncoole Tage

Während andere vor dem Fernseher sitzen

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Die Sternsinger Laura-Maria Zepf, Amelie Höglauer, Christina Richter und Hanna Richter (v.l.) sammeln jedes Jahr fleißig Spenden für Kinder in Not.

Kinder helfen Kindern! Das ist das Motto der Sternsinger. Das Geld, das sie einnehmen, kommt dem Kindermissionswerk zugute, das sich weltweit für Kinder in Not einsetzt. Gruppenleiterin Hanna Richter und ihre jüngere Schwester Christina sprechen mit HALLO darüber, warum das Sternsingen für sie so wichtig ist.

„Stern über Betlehem, wir sind am Ziel, denn dieser arme Stall birgt doch so viel!“ Dieses Lied werden viele Bewohner des Münchner Nordostens am 4. und 5. Januar an ihren Türen hören. Denn dann sind die Sternsinger wieder unterwegs. Bereits zwei Tage vor dem 6. Januar, dem Feiertag der Heiligen Drei Könige, fangen sie an, von Tür zu Tür zu laufen und mit ihren Liedern Spenden für arme Kinder in Afrika und Indien zu sammeln.

Die 14-jährige Hanna Richter und ihre elfjährige Schwester Christina aus Heimstetten sind zwei von ihnen. „Manche Leute freuen sich richtig, dass wir kommen“, sagt Hanna. Das seien vor allem ältere Menschen. „Sie bitten uns dann herein und bieten uns Plätzchen und Kakao an.“ „Eine ältere Frau hat sogar einmal vor Freude geweint“, erinnert sich ihre kleine Schwester. Menschen eine Freude zu machen und dabei noch etwas Gutes für Arme zu tun, das ist besonders schön für die kleinen Sternsinger.

„Dann gibt es aber auch die, die gleich wieder die Türe zuhauen“, sagt Hanna. Das seien vor allem jüngere Leute. „Die können wohl nicht mehr so viel mit der Tradition anfangen“, sagt sie traurig. Etwas, das sie besonders schade findet. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Sternsinger zunehmend zurückgegangen. Zu den besten Zeiten waren mal sieben Gruppen in der Kirchengemeinde St. Peter unterwegs. Mittlerweile sind es nur noch drei – insgesamt zehn Leute. „Meine Klassenkameraden finden es mittlerweile uncool“, sagt Hanna, und auch Christina bestätigt, dass sie die einzige in der Klasse ist, die so einem ungewöhnlichen Hobby nachgeht. „Irgendwie kann ich das ja verstehen“, sagt Hanna, die auch Gruppenleiterin bei den Sternsingern ist. „Sie sitzen eben lieber gemütlich vor dem Fernseher, statt den ganzen Tag in der Kälte draußen herumzulaufen, aber dann denke ich an die armen Kinder in Indien und daran, dass sie nicht vor dem Fernseher sitzen können, weil sie arbeiten gehen müssen. Da weiß ich, dass es sich lohnt!“

Das Sternsingen hat eine lange Tradition in der Familie Richter. Schon der Urgroßvater war ein Sternsinger und so auch der Opa und später die Mutter von Hanna und Christina. Angefangen haben die beiden im Alter von acht und neun Jahren. Als Ministrantinnen der Gemeinde St. Peter war für die beiden pflichtbewussten Mädchen immer klar, dass sie sich auch hier engagieren wollen. Mutter Claudia Richter ist stolz auf ihre Töchter. „Natürlich bedeutet es auch für uns, dass wir auf manches verzichten müssen“, sagt sie. „Wir fahren zum Beispiel nicht in den Skiurlaub in dieser Zeit.“ Aber genau darum geht es ihrer Meinung nach. „Uns geht es so gut, und wenigstens einmal im Jahr kann man etwas davon an andere abgegeben.“

Ähnlich wie auch die Heiligen Drei Könige Caspar, Balthasar und Melchior, die vor über 2000 Jahren dem Stern von Betlehem folgten, der sie vom Orient zu Jesus Krippe führte, haben auch die Sternsinger von St. Peter ein Weihrauchfass dabei. Mit diesem segnen sie auch manchmal die Häuser der Leute, wenn sie das wünschen. „Einmal waren wir bei einem Mann, dessen Frau gerade im Sterben lag“, sagt Hanna. „Er hat sich besonders über den Segen für seine Frau gefreut.“

Das Geld, das die Sternsinger einnehmen, steht symbolisch für das Gold, das die Heiligen Drei Könige damals dabei hatten. Nur auf die Myrrhe wird verzichtet. Das ist ein besonderes Harz, das von einer Art Balsambaum stammt und gerade zu der damaligen Zeit besonders wertvoll war, da man es für die Kosmetik und als medizinisches Mittel verwenden konnte. Stattdessen haben die heutigen Sternsinger Kreide dabei, mit der sie die Haustüren beschriften. Das C+M+B in der Mitte steht dabei nicht, wie man annehmen könnte, für Caspar, Balthasar und Melchior, sondern für „Christus Mansionem Benedicat.“ Das ist lateinisch und bedeutet: Christus segne dieses Haus.

Um selbst ein Sternsinger zu werden, muss man übrigens kein Ministrant sein. Ja, man muss nicht einmal getauft sein. „Bei uns kann jedes Kind im Alter von acht bis 18 Jahren mitmachen“, sagt Hanna. „Wir freuen uns über jeden, der bereit ist zu helfen!“ Außerdem — und das ist auch ein wichtiger Aspekt — mache das Sternsingen unheimlich viel Spaß. „Man wächst in dieser Zeit mit der Gruppe zusammen und erlebt wirklich zwei besondere Tage.“ Vor allem das Gefühl, etwas für andere getan zu haben, schweißt die Sternsinger zusammen. Wer Interesse hat, kann sich bei Pfarrer Werner Kienle unter der Telefonnummer 904 33 35 anmelden. Für größere Geldspenden stellt die Gemeinde St. Peter auch eine Quittung aus.

Lydia Wünsch

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