„Dorfcharakter soll bleiben“

Karlheinz Vogelsang (FW) spricht im HALLO-Interview über die Zukunft Hohenbrunns

Wohin gehst du, Hohenbrunn? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Vorsitzende des Ortsverbandes Überparteiliche Wählergemeinschaft-Freie Wähler (ÜWG-FW) Hohenbrunn-Riemerling, Karlheinz Vogelsang, im HALLO-Interview.

HALLO: Es gibt Themen, die Ihnen unter den Nägeln brennen. Um was geht es? 

Vogelsang: Schwerpunktmäßig um die Ortsentwicklung. Wenn wir über Ortsentwicklung in Hohenbrunn reden, dann geht das nicht ohne das Problem Ortsumgehung. Der Gemeinderat hat diese Themen bereits 2012 in zwei Sitzungen und einer Klausurtagung behandelt. Dann nochmal 2013 und 2015. Bis heute haben wir noch nichts erreicht. 

Wieso das? Und was muss sich in Zukunft ändern? 

Wir müssen vermehrt über mögliche Trassenführungen reden. Welche sind geeignet für Hohenbrunn? Im östlichen Teil der „Hohenbrunner Rodungsinsel“ wollen wir keine Umgehung — zumindest in diesem Punkt besteht Einigkeit im Gemeinderat.

Welche möglichen Trassenführungen gibt es dann Ihrer Auffassung nach? 

Es bieten sich noch zwei Trassen an. Einmal die weite Führung westlich von Hohenbrunn und dann noch die ganz enge Lösung am westlichen Ortsrand. Man darf aber auch das Thema „Verbreiterung der Luitpoldstraße nicht außer Acht lassen.

Worin besteht hier das Problem? 

Dieses Thema hatten wir schon öfters im Gemeinderat. Durch die sehr enge S-Bahn-Unterführung, die auf Gemeindegebiet Höhenkirchen-Siegertsbrunn liegt, fährt der gesamte Schwerlastverkehr über die Siegertsbrunner- und Dorfstraße durch das Dorf, um dann zu einer der beiden Autobahnanbindungen zu kommen. Die Anwohner leiden zunehmend unter dieser enormen Belastung. Wenn wir hier nicht endlich was bewegen, dann überrollt uns der Verkehr. 

Was haben Sie zur Situation „Luitpoldstraße“ für einen Vorschlag? 

Es gab bis heute erst einmal ein Gespräch mit dem Bauausschuss und der Bürgermeisterin von Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Ursula Mayer, im Jahr 2015. Dann ist alles wieder eingeschlafen. Mein Vorschlag ist, die Luitpoldstraße um zehn Meter nach Süden zu verlegen. Durch einen Grundstücksverkauf auf Höhenkirchener Seite hat sich die Möglichkeit erschwert. Als Ortsumgehung wäre diese Lösung mit rund 500 Metern die absolut kürzeste und kostengünstigste.

Ihr Vorschlag? 

Sich mit dem Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn zusammen setzen. Die Probleme offen diskutieren, Lösungsmöglichkeiten erörtern. Man muss die Sache angehen und nicht ständig verzögern. Die beiden anderen Umgehungslösungen hängen unmittelbar mit einer möglichen Ortserweiterung im Bereich westlich der Bahn zusammen. Man muss sich die Frage stellen: Was wollen wir eigentlich? Wollen wir nur eine Einfamilien- beziehungsweise Reihen- und Doppelhausbebauung, oder wollen wir auch Mehrfamilienhäuser? Sicher ist eines: Wir wollen kein neues Neuperlach! Hohenbrunn soll seinen „Dorfcharakter“ behalten. Wir müssen Bewegung hinein bringen.

Haben Sie hierzu einen Wunsch? 

Ich wünsche mir, dass sich der Gemeinderat einigt. Wollen wir auf dem Gebiet westlich der Bahn eine Ortserweiterung – ja oder nein? Dass wir uns Gedanken machen beziehungsweise ein Bild erstellen, das wir den Bürgern vorstellen können. Keine Hochhäuser, keine Ängste schüren. Wir werden 2018 unsere Bürger miteinbeziehen. In Workshops sollen Anregungen, Vorschläge und Ideen unserer Bürger erarbeitet und aufgenommen werden.

Was erhoffen Sie sich? 

Natürlich habe ich große Erwartungen. Aber wir sollten vorher Richtlinien erstellen, Vorschläge erarbeiten. In der Gemeinde Kirchheim-Heimstetten gab es zu diesem Thema eine Bürgerbefragung, aber vorher wurde ein Rahmen erarbeitet, wie man vorgehen möchte. Meine Sorgen sind, dass wir auf Grund von Ängsten auf eine totale Ablehnung für eine Ortserweiterung stoßen. Was machen wir, wenn die Bürger einer Erweiterung Hohenbrunns ablehnend gegenüber stehen? Wenn sie ihr „gallisches Dorf“ behalten und erhalten wollen?

Was ist der Plan zum weiteren Vorgehen? 

Wir brauchen eine Ausweitung für das Hohenbrunn der Zukunft, aber die Gemeinde hat das Problem, dass sie selbst keine Baugrundstücke besitzt. Nur Gewerbeflächen (MUNA). Es gibt zwar einen Flächennutzungsplan, der das Gebiet westlich der Bahn als sogenanntes „Bauerwartungsland“ einstuft. Die steigenden Baupreise im Münchner Umland machen jedem Sorgen. Heimat muss man sich erwerben können. Wir wollen doch, dass unsere Kinder am Ort bleiben und nicht zwecks mangelndem Angebots in andere Gemeinden abdriften. In den letzten Jahren wurde kein neuer Wohnraum geschaffen. Das Bauprojekt „Am Hölzl“ mit rund 20 Wohneinheiten ist ein Tropfen auf den heißen Stein.Ich bitte alle Hohenbrunner Bürger, denen ihr Heimatort etwas bedeutet und wichtig ist, bitte machen Sie mit und setzen Sie sich ein bei der Bürgerbeteiligung 2018.

Was wünschen Sie sich für 2018? 

Ich bin noch für drei Jahre gewählt. Ich möchte, dass etwas vorangeht. Dass unser Bürgermeister den Gemeinderat mitnimmt, begleitet für neue Pläne. Dass er bestehende Fakten klar herausstellt. Dass mit den derzeitigen Grundstückseigentümern endlich gesprochen wird. Dass wir im Gemeinderat ehrlich und offen miteinander umgehen. Ich möchte, dass wir endlich die Bremsen lockern, damit wir ein Hohenbrunn der Zukunft schaffen können. 

Interview: Friedrich Riegel

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