Luxus oder Notwendigkeit?

Gymnasiums-Neubau in Kirchheim soll 88 Millionen Euro kosten

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Rege nahmen die Ratsmitglieder der drei Kommunen Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen an der oft geforderten Informationsveranstaltung teil.

Stolze 88 Millionen Euro soll der Neubau des Gymnasiums Kirchheim kosten. Diese Kostenschätzung machte so manchen Gemeinderat der drei Zweckverbandskommunen Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim nachdenklich und warf viele Fragen auf.

Mit einem vierseitigen Hochglanz-Prospekt „Neubauplanung Gymnasium Kirchheim“ wurden die Besucher der Info-Veranstaltung überrascht — und das war nicht die einzige Überraschung an jenem Abend. Denn den Ratsmitgliedern der drei Zweckverbands-Kommunen stockte der Atem, als sie sich mit 147,2 Millionen Euro für den Ersatz-Neubau des Kirchheimer Gymnasiums (88,4 Millionen Euro) und dem Neubau eines Gymnasiums in Aschheim (58,7 Millionen Euro) konfrontiert sahen. Wohl gemerkt: Es sind Baukosten ohne Grundstückskosten und zur Errichtung der beiden Schulbauten hat sich der Zweckverband bereits entschlossen.

Doch damit nicht genug. Sollte im zweiten Halbjahr 2017 der Bürgerentscheid das Strukturkonzept „Kirchheim 2030“ kippen, sind auch die bisherigen Schulbauplanungen obsolet, denn dann müsste der Kirchheimer Gymnasiums-Neubau an anderer Stelle entstehen. Komplexe Regularien in der Planung lassen es nicht zu, das Gebäude einfach an anderer Stelle zu errichten. Die Entscheidung für die Schullandschaft fällt demnach nicht nur in der Zweckverbandsversammlung „Weiterführender Schulen im Osten des Landkreises München“, sondern auch in Kirchheim selbst. Erst nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids können Ausschreibung und Auftragsvergabe für den Neubau erfolgen.

An den aktuell genannten Investitionskosten ließ Zweckverbandsvorsitzender Maximilian Böltl keinen Zweifel, denn „drei Ingenieurbüros haben jetzt die Kosten durchgerechnet“. Böltl ließ auch die Bau-Geschichte des „Kigy“, das er selbst zehn Jahre lang besucht und „ausgehalten habe“, Revue passieren. Böltl sprach von „verpfuschten Bauteilen“. Mit Bildern belegte er die Mängel am Schulgebäude, wozu auch eine innenliegende Dachrinne gehört, die aber bei so manchem Neubau als technischer Kniff gilt, um gesichert Oberflächenwasser ins Erdreich zu leiten. „Das Schuleben in unserem ,Kigy‘ ist schön und vielfältig“, erklärte Studiendirektor Matthias Wermuth bei seiner Präsentation des pädagogischen Konzepts. Mehrfach wiederholte er, „1250 Schüler machen das Angebot möglich, bei einer kleineren Schülerzahl wird das Angebot deutlich eingeschränkt“.

In Zahlen ausgedrückt: Bei der Hälfte der derzeit 1251 Schülern könne man nur ein Drittel des Angebots durchführen, so der deutliche Hinweis an die Befürworter kleiner Schulen. Denn im Raum steht auch die Überlegung, erst ein großes Gymnasium in Aschheim zu errichten – in Feldkirchen sind die Verhandlungen über den Baugrund gescheitert und die Gemeinde hat ihre Bewerbung um die Schule zurückgezogen – und später in Kirchheim das Gebäude für 800 Schüler zu sanieren. „Schule ist Lebensraum“, so der Tenor, im Falle des ersten Preisträgers aus dem Architektenwettbewerb bedeutet dies gut 18.000 Quadratmeter Fläche im Gebäude, ein Vierfach-Hallenkomplex mit 4400 Qua- dratmetern, eine Tiefgarage mit 3000 Quadratmetern für 99 Autos und eine Freifläche von 28.000 Quadratmetern und in der Summe samt 15 Prozent für „Unvorhergesehenes“ zu 88,4 Millionen Euro zu haben.

Böltls Präsentation der Kostenverteilung zwischen Zweckverband und Kommunen ließ bei erfahrenen Kreisräten Zweifel aufkommen, allein schon deswegen, weil der Anteil der Regierung von Oberbayern, da derzeit noch nicht bekannt, auf null Euro gesetzt wurde. Prinzipiell übereignet die Schulsitzgemeinde dem Zweckverband das Grundstück für die Schule. „Bis Juli ist der Vertrag unterschrieben“, so Böltl auf Rolf Dettweilers (CSU-Rat, Aschheim) Frage, ob das Grundstück schon im Eigentum von Kirchheim sei. Frank Holz (CSU, Kirchheim) wollte die Investitionskosten auf 75 Millionen Euro gedeckelt wissen. Bauingenieur und CSU-Rat in Aschheim Bernhard Stilling fragt nach der Berechnungsbasis der Investitionskosten. „Eigne Erfahrungswerte und Baukostenindex“, so die Antwort des edr-Ingenieurbüros. Carola Lampersberger (SPD, Aschheim) gab zu bedenken, dass der Schulneubau letztendlich auch für die Wiedereinführung des G9 konzipiert werden müsse. Der Frage von Stephan Keck (SPD, Kirchheim) „Warum denn nur der Landkreis München als einziger am Zweckverbandssystem festhalte“, hielt Landrat Christoph Göbel entgegen: „Die Diskussion ist so alt wie die Reglung von 1965. Der Landkreis trage 100 Prozent der Betriebskosten“. Ansonsten beteilige sich der Landkreis mit 30 Prozent der zuweisungsfähigen Kosten.

Damit war das Zahlen-Wirrwarr fast komplett. Denn: „Was ist zuweisungsfähig?“, wollte Marcel Prohaska (SPD, Kirchheim) wissen. „Wieso sind von 88 Millionen nur 37,5 Prozent zuweisungsfähig?“ Seitens der Regierung sind Mensa, Gänge und Sanitärbereiche nicht zuweisungsfähig, ebenso wenig das Foyer, so die Antwort von Petra Schober, Ingenieurbüro, und dann war auch nicht mehr das richtig, was zuvor Schwarz auf Weiß in der Tabelle zu lesen war. Der Flächenbedarf seitens der Regierung für die entsprechende Schülerzahl wurde mit 13.176 Quadratmetern beziffert, mündlich korrigierte Schober die Zahl auf 9135 Quadratmeter. ar

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