Protest gegen Pläne für Wohnraum am Maxhofweg

„Gegen Dorfcharakter“: Neurieder kritisieren Entwürfe für neue Wohnungen

+
Zehn Flachbauten für etwa 300 Personen sollen man Maxhofweg entstehen. Ein Stadtplaner hat nun den ersten Entwurf dafür vorgelegt. Dagegen regt sich bei einigen Anwohnern Widerstand.

Neuried - Zehn Flachbauten für etwa 300 Personen: Bei einigen Anwohnern regt sich deswegen jetzt der Widerstand am Maxhofweg

Knapp 300 Personen sollen in Zukunft südlich des Maxhofwegs ein Zuhause finden. Das sieht der erste Entwurf für das Bebauungsgebiet vor, den Stadtplaner Philipp Falke den Neuriedern bei einer Infoveranstaltung vorgestellt hat. Geplant sind zehn Flachdachhäuser – davon vier direkt am Maxhofweg. Diese Aufteilung vermeide, dass die Gebäude wie ein massiver Riegel wirken und schaffe „Hofsituationen“, erklärt Falke. Insgesamt sind 128 neue Wohneinheiten auf dem Areal vorgesehen, das größtenteils in privater Hand ist. Sechs Gebäude sollen dem Planer zufolge vier Geschosse bekommen, die restlichen nur drei. Dabei werde das oberste Stockwerk immer als Terrassengeschoss angelegt. „Die Flachdächer werden begrünt, solange keine Solarzellen gebraucht werden“, versprach Falke. Zudem soll jedes Haus einen Garten bekommen. 

Ebenfalls auf dem Gelände – gegenüber des Jugendhauses – ist die erweiterte Kindertagesstätte vorgesehen. Auf einer Fläche von 1300 Quadratmeter sollen fünf Gruppen Platz finden. „Die Erschließung erfolgt direkt vom Kreisverkehr und endet in einem Wendehammer“, erklärte der Planer. Dort würden auch 25 Stellplätze für Besucher und Kita bereitgestellt. Die Anwohner sollen hingegen 128 Parkplätze in einer Tiefgarage bekommen. Zu wenig, wie zahlreiche Neurieder dem Planer ankreideten. Zudem wurde Kritik laut, dass die Architektur den dörflichen Charakter Neurieds verrät. 

Die Wohnungsgenossenschaft will eigene Pläne am Gelände umsetzen. Bürgermeister Harald Zipfel bat die Bürger ihre Anregungen zu dem Entwurf einzureichen. Dieser werde noch im Mai öffentlich ausgelegt. rea

Chance für mehr Generationen

Die Vertreter von RaumNeuried (v. li.) Kurt Glatz, Eberhard Krüger und Gerd Richter wollen am Maxhofweg ein Mehrgenerationenhaus bauen.

Für die vor einem Jahr gegründete Wohnungsbaugenossenschaft „RaumNeuried“ soll das Areal am Maxhofweg zum Pilotprojekt werden. Der Wunsch des Vorsitzenden Eberhard Krüger: Dass die Gemeinde ihren Teil des Geländes der Genossenschaft vermacht, die dort 40 Wohnungen, aber auch Veranstaltungs- oder Gemeinschaftsräume sowie Nachbarschaftstreffs für Alt und Jung realisieren will. „Immer mehr Ältere müssen aus Neuried wegziehen, weil sie hier keine kleinen, bezahlbaren Wohnungen finden“, sagt Aufsichtsratsmitglied Kurt Glatz, selbst Rentner. „Die Genossenschaft könnte für Senioren im Vorstadium zum Heim hier etwas bieten.“ Aber auch andere Anregungen hat die Genossenschaft: Sie will die Verlegung der Zufahrt zu Häusern und Kita, die parallel zur Grundstraße geplant ist. Sie soll stattdessen an die M4 gelegt werden, um Anwohner vor zu viel Verkehr zu schützen.

Kleiner und mit dörflichem Charakter

Sehen die Pläne für den Maxhofweg kritisch: (v.li.) Manuela Wieland, Erhard Hadamek, Ulrike Faulhaber-Hobelsberger, Heidrun Kohnle-Koitzsch und Claus-Peter Vogell.

Gemeinsam wollen sie an den Plänen für den südlichen Maxhofweg rütteln: Etwa 20 Bewohner der angrenzenden Grundstraße fordern ein Umdenken der Gemeinde. „Was geplant ist, ist zu viel und nicht nachvollziehbar. Das kann Neuried mit der bisherigen Struktur nicht verkraften“, sagt Claus-Peter Vogell. Wie seine Nachbarn wundert Vogell sich über die 128 geplanten Wohneinheiten. „In einer Folgekostenabrechnung der Gemeinde von November 2016 war noch von 84 Wohneinheiten für südlich Maxhofweg die Rede.“ Zudem dürfe man den auf der anderen Seite der M4 geplanten Wohnbau am Hettlage-Areal nicht vergessen, der hinzukommt. 

Mit bis zu 600 Neubürgern insgesamt bei diesen beiden Baugebieten alleine, rechnen die Anwohner. Es gebe aber kein passendes Konzept für die benötigte Infrastruktur. Die Anwohner schlagen vor, die neue Kindertagesstätte auf der nördlichen Seite des Areals zu planen – direkt neben einem bestehenden Kindergarten. „Sonst wird der Verkehr und vor allem die Parksituation hier absolut unerträglich“, sagt Erhard Hamadek. Ein Stellplatz für jede Wohneinheit sei ohnehin zu knapp bemessen. Auch die vorgesehene Zufahrt ärgert die Anwohner. „Die setzen uns die Straße direkt vor unsere Gärten“, klagt Heidrun Kohnle-Koitzsch. Ihre Sorge: lauter Verkehr und Ärger mit den Jugendlichen, die darüber zum Jugendhaus gelangen. 

Als an fast der gleichen Stelle vor Jahren eine Baustraße bestand, sei diese „voller Dreck, Skater und Autos mit lauten Musikanlagen gewesen.“ Kritik üben aber auch Neurieder, die keine unmittelbaren Anwohner sind. Wie Anton Felbermayr und Heidrun Kirchner. Den Nachbarn aus der Andreas-Sammer-Siedlung geht es um die Optik der Anlage. „Gerade Fronten, Flachdächer – das sieht man in München überall. Ich möchte, dass Neuried seinen eigenen, dörflichen Charakter behält“, sagt Felbermayr. Problematisch seien vor allem die geplanten Flachdächer. Kirchner befürchtet, dass sie den Lärmpegel in ihrer Siedlung erhöhen könnten. Schon seit dem Bau der – flachdächrigen – Kirche gegenüber halle dort jedes Geräusch laut nach, moniert Kirchner.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare