Ringen um den Ahorn

Dem Baum vor der Dorfkirche droht die Säge - Doch Bürger kämpfen für den Erhalt

+
Laut Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) handle es sich um einen schönen, aber keinen angepflanzten Baum. Der Ahorn sei für den Standort einfach zu groß.

Neuried - Majestätisch ragt er neben Neurieds Dorf-Wahrzeichen empor: Der Ahorn - Doch seine Zeiten könnten bald gezählt sein, denn dem Baum droht die Fällung

Leuchtend grün steht der Silberahorn vor dem Friedhofseingang an der Neurieder Dorfkirche. Bald könnte ihn aber die Säge drohen. Denn der Bau- und Umweltausschuss hat nun über die Zukunft des Baumes diskutiert. Die beiden Optionen, die die Gemeindeverwaltung für ihn vorgeschlagen hat: fällen oder drastisch zurechtstutzen. Dann könnte das Areal mit einer kleineren Bepflanzung und einer Parkbank aufgewertet werden, heißt es in den Überlegungen der Verwaltung. „Ich bin immer wieder von Bürgern auf den Baum angesprochen worden, weil er unsere Dorfkirche verdeckt. Und wir haben außer ihr nicht viele Wahrzeichen in Neuried“, erklärt Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) gegenüber Hallo, warum der Ahorn zur Disposition steht. 

Vom Marktplatz aus könne wegen ihm die Uhr am Kirchturm nicht mehr gelesen werden, zudem weise die Friedhofsmauer Risse auf, die von den Baumwurzeln stammen könnten. „Meiner Meinung nach ist der Ahorn für den Standort einfach zu groß“, sagt Zipfel, der dabei betont, dass es sich um einen schönen, aber keinen angepflanzten Baum handelt. 

Gutachten bestätigt: Der Ahorn ist „stark wüchsig"

Doch nicht alle Bürger stehen dem Baum negativ gegenüber. Die Bürgerinitiative Neuried hat bereits vor zwei Jahren für den Erhalt geworben – und will auch jetzt den Ahorn nicht aufgeben. Dieser sei schließlich kerngesund. Das bestätigt auch ein Gutachten, dass die Gemeinde bei der Gautinger Firma Tree­consult angefordert hat. Darin wird der gut 40 Jahre alte Ahorn auch als „sehr wüchsig“ beschrieben. Das heißt: Der Baum werde in den nächsten Jahrzehnten „noch deutlich in die Höhe, vor allem aber in die Breite wachsen“. Dabei sei nicht auszuschließen, dass die Wurzeln den benachbarten Aufgang zum Friedhof einwachsen. Auch darüber hatten sich Neurieder bereits beschwert (Hallo berichtete). 

Gleichzeitig warnt das Gutachten vor einem Rückschnitt, der bei Silberahornbäumen „ausnahmslos zu Stressreaktionen“ führe, so dass der Baum danach umso stärker austreibe – und deutlich stärker gepflegt werden müsse. „Es ist eine rein politische Frage, ob der Baum erhalten werden soll oder nicht“, schließt das Gutachten. Welche Entscheidung der Bau- und Umweltausschuss letztlich getroffen hat, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Romy Ebert-Adeikis

Gräfelfing will über Baumschutz besser informieren

Auch in Gräfelfing stand dieser Tage der Baumschutz auf der Tagesordnung. Die Grünen hatten beantragt, die Bürger der Gartenstadt besser über naturgerechte Gartengestaltung zu informieren. Der Hintergrund: Immer wieder würden in Gräfelfing Bäume nicht fachgerecht zugeschnitten oder Fällungen nicht ordnungsgemäß angemeldet. 

Die Forderung der Grünen: eine Baumschutzverordnung sowie eine Strafe für Firmen, die nicht genehmigte Baumfällungen durchführen. Der Antrag wurde zwar im Ausschuss zurückgezogen. Trotzdem einigten sich die Gemeinderäte darauf, Bauherren künftig besser über korrekte Zuschnitte und Fällungen zu informieren. Dazu soll eine Infoschrift der Gemeinde Haar als Vorbild dienen, die eine bereits bestehende Broschüre ergänzen soll.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare