Serie „Ehrenamtliche im Fokus“

Wenn Jung und Alt gemeinsam forschen

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Annemarie Gerzer-Sass (Vierte von links) leitet die Ottobrunner Kinderwerkstatt, ein Projekt des Caritas-Freiwilligen-Zentrums des Münchner Landkreises Südost.

Einst lehrten sie an der Bundeswehr Universität Neubiberg oder arbeiteten bei Airbus in Ottobrunn/Taufkirchen. Im Ruhestand geben sie ihr Wissen an Kinder im Grundschulalter weiter. Bei der Ottobrunner Kinderwerkstatt führen Ehrenamtliche Kinder ganz ohne Leistungsdruck an Neues und Ungewöhnliches heran.

Papierflieger können richtig gut fliegen — wenn man den richtigen Dreh beim Falten raus hat! Kleine Besucher der Ottobrunner Kinderwerkstatt haben nicht nur flugtaugliche Papier-Kunstwerke gebastelt, sie haben sogar einen Wettbewerb veranstaltet, wessen Flugzeug besonders weit dahingleiten kann. Ein Erlebnis, das die Kinder mit den Senioren geteilt haben, die sich bei der Kinderwerkstatt engagieren und ihr Wissen sowie ihre Berufs- und Lebenserfahrung an Kinder im Grundschulalter weitergeben. Das Angebot wird es auch im neuen Schuljahr wieder in Ottobrunn geben. Aber nicht nur dort, auch in Neubiberg, Unterbiberg, Riemerling und Hohenbrunn können Schüler der ersten bis vierten Klasse von den Ehrenamtlichen der Kinderwerkstatt eine Menge lernen und allerhand gemeinsam ausprobieren. „Je mehr Senioren wir für unser Angebot gewinnen können, desto breiter fällt das Angebot unserer Kinderwerkstatt aus“, sagt Annemarie Gerzer-Sass, die Leiterin der ehrenamtlichen Gruppe.

Ein Angebot nach Unterrichtsschluss

Im neuen Schuljahr stellen die engagierten Senioren ihr Programm den Kindern jeweils in einer Schulversammlung vor. „Für die Eltern geben wir den Kindern einen Brief mit“, so Gerzer-Sass. Um zu informieren, dass die Kinderwerkstatt ein freiwilliges Angebot am Nachmittag an der Schule ist, für das sich die Kinder verbindlich anmelden müssen. „Es gibt oft Wartelisten“, weiß Gerzer- Sass. Die einen kommen direkt von der Mittagsbetreuung zur Kinderwerkstatt, andere waren zum Mittagessen schon daheim und kehren dann in die Schule zurück. Mit großer Begeisterung, denn es gibt so viel Neues zu erfahren. „Es geht zum Beispiel darum, den Kindern Spaß an der Technik zu vermitteln. Ein anderes Mal steht gemeinsames Kochen auf dem Plan“, so die Koordinatorin des Projekts. „Wir haben zum Beispiel einen ehemaligen Professor der Mathematik, dem es gelingt den Kindern zu zeigen, dass Mathe nicht nur doofes Rechnen ist, sondern so richtig Spaß macht.“ Annemarie Gerzer-Sass, 70, hat zehn Jahre lang das bundesweite Projekt „Mehrgenerationenhäuser“ geleitet. Die Sozialwissenschaflterin weiß genau, welche positiven Effekte es für alle Beteiligten hat, die Generationen zu mischen. „Für Jung und Alt ist es eine sogenannte Win-Win-Situa-tion“, sagt sie und freut sich, auf regionaler Ebene den Erfolg eines solchen Projekts verfolgen zu können. „Vor allem von den Kindern bekommt das Projekt sehr positive Rückmeldungen.“ Bei den teilnehmenden Grundschülern kommt es gut an, nach dem Kochen Gerichte mit nach Hause mitnehmen zu dürfen. Sie sind stolz, wenn sie bei der Radl-Werkstatt ihr Fahrrad selbst reparieren. „Oft es auch so, dass die Kinder von ,fremden Großeltern‘ viel mehr annehmen und ihnen besser zuhören als den eigenen“, sagt Gerzer-Sass.

Senioren lassen Kinder an ihrem Wissen teilhaben

Den Senioren wiederum macht es eine große Freude, ihr Wissen an junge Menschen weiterzugeben. Ob das ihre Fertigkeiten beim Filzen oder Basteln sind oder ob sie den Kindern Einblicke in das alte Ägypten geben und mit ihnen sogar Dattelbrot backen. „Hier in Ottobrunn und Umgebung können wir bei der Auswahl der Senioren sozusagen ,gut grasen‘“, sagt Gerzer-Sass. Bei der Kinderwerkstatt engagieren sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, nicht nur Akademiker. „Wir suchen ganz breit Menschen, die sich bei uns engagieren wollen“, betont die Projekt- Leiterin. „Man braucht keinen ausgefallenen Beruf, sondern kann sich einfach überlegen, was man gerne anbieten würde. Auch Kindern vorzulesen, zum Beispiel während ihrer Zeit in der Mittagsbetreuung, käme infrage.“ Übrigens: Annemarie Gerzer- Sass und ihr Team freuen sich auch über weitere Frauen, die Kinder an ihrem Wissen teilhaben lassen wollen. Anders als bei manch anderer ehrenamtlichen Gruppe gibt es bei der Kinderwerkstatt einen leichten Männer-Überschuss.

Verena Rudolf

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