„Erst mal war es ein Schock“

Ottobrunner Neu-Ehrenbürgerin Sabine Kudera im HALLO-Interview

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Sabine Kudera ist ehemalige Bürgermeisterin und Ehrenbürgerin von Ottobrunn. Bürgermeister Thomas Loderer übergab seiner Vorgängerin bei einem Festakt die Ehrenbürgerurkunde.

Geboren wurde Sabine Kudera in Hannover. Nach dem Studium der Soziologie arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin und Projektleiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität, promovierte 1975 und wurde 1982 als Professorin an die Universität der Bundeswehr München in Neubiberg berufen. Von 1989 bis 2007 leitete Kudera als Bürgermeisterin von Ottobrunn die Geschicke der Gemeinde. Die HALLO-Redaktion hat mit Sabine Kudera gesprochen.

HALLO: Sie haben mit der Ehrenbürgerwürde gerade die höchste Auszeichnung erhalten, welche die Gemeinde vergeben kann. Was bedeutet das für Sie? 

Kudera: Ich freue mich sehr über diese unerwartete Ehrung.

Sie waren 18 Jahre lang im Amt. Wie groß waren in dieser Zeit die Veränderungen in der Gemeinde? 

Ottobrunn hatte eine lange Periode intensiven Wachstums in Hinsicht auf Wohnungsbau und Einwohnerzahl hinter sich. Obgleich flächenmäßig mit die kleinste der 29 Landkreisgemeinden, waren wir einwohnermäßig zeitweise die größte. Ottobrunn war quasi zugebaut, weiter so ging nicht.

Inwiefern haben Sie gehandelt?

Im Bereich der Qualität des Gemeindelebens gab es nicht unerheblichen Verbesserungsbedarf. Damals wuchs die Nachfrage nach Kindertagesstätten stark. So konnte ich etwa die zweite Kinderkrippe im Landkreis eröffnen, damals alles andere als selbstverständlich. Im Bereich der sozialen Einrichtungen konnten Verbesserungen erreicht werden — für die Caritas, für den Hospizkreis und den Sozialpsychiatrischen Dienst. Auch die Umweltfragen waren drängend: Die Trinkwasserqualität war ein großes Thema. Hier und bei anderen Schadstoffproblemen sowie im öffentlichen Personennahverkehr konnte ich spürbare Fortschritte bewirken.

Welchen besonderen Herausforderungen mussten Sie sich stellen? 

Die größte war der Ausbau der Rosenheimer Landstraße, unserer sehr stark belasteten und noch im Urzustand befindlichen Hauptverkehrsachse. Sie war Staatsstraße und musste zur Kreisstraße abgestuft und die Ortsumgehung mit Autobahnanschluss als Ersatz gebaut werden. So waren Freistaat, Bund und Landkreis beteiligt und ich hatte keine Mehrheit im Gemeinderat. Das war am schwierigsten!

War es Ihr Traum, Bürgermeisterin von Ottobrunn zu werden? 

Als Wissenschaftlerin strebte ich nie ein politisches Amt an; es war purer Zufall, dass die SPD in Ottobrunn plötzlich ohne Kandidaten dastand und mich überredete. Dass ich dann wirklich gewählt wurde, war erst mal ein Schock für mich! An welche Erfolge erinnern Sie sich gerne? Da könnte ich sehr vieles erwähnen. Was aber bauliche Großmaßnahmen betrifft, so ist das — neben dem Ausbau der Rosenheimer Landstraße — die Tatsache, dass es mir gelang, dass das Phönix-Bad nach dem Brand in privatwirtschaftlicher Form wieder errichtet und ausgebaut und dadurch zukunftsfähig wurde. Und dass ich gegen Ende meiner Amtszeit als Schulzweckverbands-Vorsitzende den Neubau eines Gymnasiums in Höhenkirchen durchsetzen konnte.

Was hat Sie besonders geärgert? 

Die ständigen Blockadeversuche im Gemeinderat.

Wie verbringen Sie heute die frei gewordene Zeit? 

Ich lebe sehr zurückgezogen, bin viel in unserem Häuschen in Niederbayern und lese, lese, lese — insbesondere über die Geschichte Südosteuropas, die mich wahnsinnig fasziniert. Und ich freue mich jeden Abend, dass ich keine Termine habe! 

gm

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