Serie "Ehrenamt im Fokus"

Von Eltern für andere Eltern

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Jennifer Pijur moderiert Elterntalk-Gesprächsrunden in Taufkirchen.

„Eltern wollen das Beste für ihr Kind“, sagt Jennifer Pijur. Die 37-Jährige moderiert ehrenamtlich Elterntalk- Gesprächsrunden in Taufkirchen. Hier können sich Eltern über Erziehungsfragen austauschen. Die Regionalbeauftrage von Elterntalk im Münchner Osten und Südosten, Nadere Tolksdorf, sucht jederzeit nach weiteren Ehrenamtlichen, die sich ein Moderationsamt vorstellen könnten.

In HALLO hatte Jennifer Pijur vergangenen Sommer gelesen, dass der Familienstützpunkt Taufkirchen Elterntalk-Runden anbieten möchte und Moderatoren sucht. Denn die Gesprächsrunden, in denen sich Mütter und Väter mit Kindern bis 14 Jahren über verschiedene Themen austauschen, werden bewusst nicht von Referenten oder Experten moderiert. „Elterntalk soll ein Präventionsangebot von Eltern für Eltern sein“, betont Elterntalk-Regionalbeauftragte Nadere Tolksdorf vom Verein Condrobs. Die Moderatoren sind also selbst Eltern und machen eigene Erfahrungen mit ihren Kindern. Das macht sie zu Experten. Jennifer Pijur, 37 Jahre alt, ist Mutter von neunjährigen Zwillingen. Zudem hat sie einen erwachsenen Pflegesohn. Themen wie das „Smartphone in Kinderhänden“ oder „Fernsehkonsum“ sind ihr durchaus vertraut. Die Mutter bewarb sich und moderiert seither regelmäßig Gesprächsrunden in Taufkirchen. Jennifer Pijur ist beruflich bei der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen tätig und arbeitet 30 Stunden pro Woche. Ehrenamtlich engagiert sie sich bereits für das Angebot „Offenes Kinderzimmer“ der Taufkirchner Nachbarschaftshilfe. Trotz ihres eigenen familiären Alltags sprach die berufstätige Mutter der Aufruf an, dass Ehrenamtliche als Moderatoren für Elterntalk gesucht werden. „Ich profitiere ja selbst für die Erziehung meiner Kinder davon“, sagt sie. Ihre Zwillinge stecken zwar noch nicht in der Pubertät, dennoch interessiert es sie als Mutter schon jetzt, welche Erfahrungen andere Eltern in dieser für die ganze Familie herausfordernden Zeit erleben. So nahm sie beispielsweise den Vorschlag einer Mutter gerne an, die Pubertät zum Thema eines ihrer Elterntalk-Treffen zu machen. Die 37-jährige Mutter kennt es selbst: Es tut einfach gut, sich gelegentlich mit anderen Eltern auszutauschen. „Doch ich erlebe auch, dass viele eine gewisse Scham haben, Probleme gegenüber befreundeten Eltern zuzugeben“, sagt die erfahrene Moderatorin. „In unserer Runde aber fassen sie Vertrauen und sind offener.“ Daher soll der Elterntalk nicht den Charakter eines Vortrags haben. Das betont auch Nadere Tolksdorf, die Elterntalk-Beauftrage im östlichen und südöstlichen Münchner Landkreis. „Jeder genießt in der Gesprächsrunde denselben Respekt, bewusst duzen sich alle“, erklärt sie. Tolksdorf ist auch für die Schulung der Mütter zuständig, die sich als Moderatorinnen bewerben. Theoretisch könnten sich auch Väter bewerben, praktisch kamen diese bisher nur als Gäste zu den Talkrunden hinzu. „Moderatorinnen müssen Offenheit und das Interesse mitbringen, mit anderen Menschen zu arbeiten und ihnen vor allem zuhören zu können. Es ist auf nicht ihre Aufgabe, anderen Eltern zu sagen, dass sie etwas falsch machen“, sagt Tolksdorf. „Jeder erzählt von sich, das Erzählte ist auch nur ein Teil der Wirklichkeit.“ Teilnehmer einer Elterntalk-Runde sollen mit vielen Tipps nach Hause gehen. Und bestenfalls haben sie viele Eindrücke gesammelt, wie andere Familien mit ähnlichen Erziehungsproblemen umgehen. „Ein Moderatorin sollte authentisch sein und sich auch nicht davor scheuen, von sich selbst zu erzählen“, fährt Tolksdorf fort.

Eine Schulung für mehrere Interessierte

Eine Schulung bietet die Regionalbeauftragte an einem Kindergarten, einer Schule oder einem Familienzentrum an, wenn sich mehrere Frauen aus einer Gegend bei ihr melden, die sich für dieses Ehrenamt interessieren. Gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familien und Integration sowie vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sind die Schulungen kostenlos und nehmen an zwei Tagen insgesamt etwa zehn Stunden in Anspruch. „Auch danach stehe ich jederzeit bei Fragen und zum Austausch zur Verfügung“, betont Tolksdorf. Zudem finden zwei Mal im Quartal weitere Treffen statt. Überdies stattet die Elterntalk-Koordinatorin ihre Moderatorinnen mit genügend Material für die Gesprächsrunden aus: „Informationen zu den Themen Medien, Konsum, Suchtvorbeugung und alles rund um Erziehung.“ Jennifer Pijur bietet ihre Gesprächsrunden im Haus der Nachbarschaftshilfe in Taufkirchen an. Es spricht aber auch nichts dagegen, einen Elterntalk bei sich zuhause abzuhalten. „Ich habe gerade vier türkische Frauen, die Elterntalk-Runden anbieten wollen“, erzählt Tolksdorf. Wo diese ihre Treffen künftig veranstalten, sei nebensächlich. Viel wichtiger sei, dass dank Elterntalk möglicherweise Frauen erreicht werden können, die sich allein aufgrund sprachlicher Barrieren bisher nicht mit anderen Müttern austauschen.

Verena Rudolf

Bei Interesse an einer Tätigkeit als Moderatorin können Eltern mit der Regional-beauftragten Nadere Tolksdorf vom Verein Condrobs per E-Mail an nadere.tolksdorf@condrobs.de oder unter Telefon 0176/13 41 00 46 Kontakt aufnehmen und sich vorstellen. Als Gastgeber einer Elterntalk-Gesprächsrunde gibt es eine Aufwandsentschädigung für die Bewirtung. 

Jennifer Pijur bietet derzeit alle paar Wochen freitags beim Nachbarschaftstreff Taufkirchen am Ahornring 119 Elterntalk-Runden an. Eltern können Jennifer Pijur gerne per E-Mail an pijur@nachbarschaftshilfe-taufkirchen.de zum Beispiel mit Themenvorschlägen kontaktieren. Die Teilnahme ist kostenlos, es gibt eine Kinderbetreuung.

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