Damals waren sie Feinde  ...

Seit vergangenen Donnerstag steht an der Straße zwischen Vaterstetten und Ottendichl eine große silberfarbene Gedenktafel, die an den Absturz eines US-Bombers über Vaterstetten vor 65 Jahren erinnert. Beim Volkstrauertag am kommenden Samstag, 14. November, in Vaterstetten wird auch den bei diesem Absturz ums Leben gekommenen fünf amerikanischen Soldaten gedacht werden.

Beinahe vergessen und bei Erzählungen von Kriegsereignisse nur am Rande erwähnt, ist der Absturz eines amerikanischen Bombers am 19. Juli 1944 über Vaterstetten. Peter Linner, einer der wenigen noch lebenden Augenzeugen, hatte als Zeitzeuge vor einigen Jahren darüber berichtet. Als Laie mutmaßte er, dass es sich bei dem Bomber um eine B 52 gehandelt haben könnte. Spöttisch äußerte sich daraufhin ein Leserbriefschreiber, dass Vaterstetten seinerzeit wohl um 10 Jahre voraus war, denn diesen Typ gab es zu jener Zeit noch gar nicht. Aufgrund dieses Leserbriefs setzte sich Peter Sickinger aus Zorneding, ein Experte im Bereich Militärflugzeuge, mit dem Vaterstettener Heimatforscher Georg Reitsberger in Verbindung und präsentierte nach einigen Recherchen eine unglaubliche Fülle an Informationen, nicht nur über den Flugzeugtyp (eine B 24 J „Liberator“), sondern auch über die 10-köpfige Besatzung des über Vaterstetten abgestürzten Bombers. Des Weiteren fand er einen Gefechtsbericht der Deutschen Flugabwehr und das Vernehmungsprotokoll eines Überlebenden des Absturzes. Aus Namen werden Personen Beim Bau des Radwegs von Vaterstetten nach Ottendichl, der nahe an der Absturzstelle vorbeiführt, kam die Überlegung auf, mit einer Gedenktafel auf dieses Ereignis hinzuweisen. Dafür gewonnen werden konnten die freischaffenden Künstler Heike Rose und Bernd W. Schmidt-Pfeil, die seit einiger Zeit in einem Atelier auf dem Reitsberger Hof in Vaterstetten tätig sind. Mit eigenen Nachforschungen stellten sie Verbindung zu den fünf amerikanischen Familien her, die einen Angehörigen beim Absturz des Bombers vor 65 Jahren verloren hatten. Und: Es gelang ihnen, die Originalunterschriften aller zehn Besatzungsmitglieder des Bombers als Faksimile zu bekommen. Diese Unterschriften wurden von ihnen in die Gedenktafel integriert. „Damit werden aus anonymen Namen greifbare Personen“, so Schmidt-Pfeil bei der offiziellen Vorstellung der Gedenktafel Ende Juli dieses Jahres in Vaterstetten. Zu dieser offiziellen Enthüllung der Tafel waren damals auch deutsche Angehörige des gefallenen Co-Piloten Lester W. Knab nach Vaterstetten gekommen. Auch eine amerikanische Tageszeitung („Monroe News“) berichtete über diese Gedenktafel. Hilfreich bei den Recherchen war nicht zuletzt ein Buch des amerikanischen Kriegsveteranen Jerry W. Whiting, der in einem Kapitel das Ereignis am Himmel über Vaterstetten beschrieb. Und es fanden sich sogar Fundstücke des Flugzeuges, die Mitglieder des Heimatkundekreises nach über 60 Jahren im Waldboden um die Absturzstelle ausgruben. Diese Funde – darunter u.a. Reste der Glaskuppel und der Triebwerke – sind übrigens auch Bestandteile der Ausstellung „Die letzten und die ersten Tage“, die ab dieser Woche im Gymnasium Vaterstetten zu sehen ist. – A. Schwaiger –

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