Stockdorfer empört: Eröffnung des Aufzugs ein fünftes Mal verschoben

Lift-Skandal: S-Bahnhof Stockdorf wird doch erst Ende November barrierefrei

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Vor einem Jahr wurde der barrierefreie Umbau des S-Bahnhofs Stockdorf abgeschlossen – eigentlich. „Nichts ist barrierefrei“, schimpft Sabrina Kohn, die gerade nach Stockdorf zieht und ihre Habseligkeiten über eine steile Treppe trägt.

Stockdorf – Barrierefreier Bahnhof? Von wegen: Ein Treppenwitz triff es eher! Die Inbetriebnahme eines Lifts hat die Deutsche Bahn ein weiteres Mal verschoben – diesmal auf Ende November

„Bayern barrierefrei“ verkündet seit Oktober 2017 ein Schild am S-Bahnhof Stockdorf. Inzwischen ist das zweite Wort dick durchgestrichen. Der Grund: Seit dem Eröffnung des barrierefreien Bahnhofs ist der Aufzug eine Baustelle. Nur über rund 30 Treppenstufen gelangt man auf den Bahnsteig.

„Das ist jedes Mal ein Kraftakt“, sagt die Stockdorferin Christiane Michael (82). Sie hat Rückenprobleme, ihr Mann Ulrich (88) Arthrose. „Wir könnten den Aufzug gut gebrauchen. Genauso wie die vielen anderen Älteren in Stockdorf.“

30 Stufen führen zum Bahnsteig – für Christiane und Ulrich Michael (rechts) ein beschwerlicher Weg.

Doch der Aufzug lässt weiter auf sich warten. „Die Inbetriebnahme wird sich aufgrund von Verzögerungen bei der Aufzugsfirma voraussichtlich bis Ende November verschieben“, teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) auf Hallo-Anfrage mit. Es ist der fünfte Termin, den die Bahn heuer nennt.

Als „skandalös“ empfindet Gautings Seniorenbeirat die Situation. „Offensichtlich ist die DB als Bauherr zu Barrierefreiheit nicht in der Lage“, sagt Vorsitzender Klaus Wagner. Auch die Michaels glauben nicht mehr an schnelle Abhilfe. „Bis der Aufzug kommt, bin ich 89“, so Ulrich Michael. Sein Geburtstag ist im Februar. 

Aber nicht nur Senioren sind von der Lift-Misere betroffen. „Jedes Mal, wenn ich am S-Bahnhof bin, sehe ich junge Mütter mit Kinderwagen, die Hilfe benötigen“, sagt Christiane Michael, in deren Haus eine betroffene Familie wohnt. „Wir sind seit zehn Jahren glückliche Nicht-Autofahrer und haben uns extra eine Wohnung in S-Bahn-Nähe gesucht. Und jetzt das“, ärgert sich Alexander Bockstaller (38), dessen Tochter gerade erst das Laufen begonnen hat. Teilweise müsse seine Frau den Kinderwagen sogar auseinanderbauen und in Einzelteilen über die Treppen schleppen.

Romy Ebert-Adeikis

Nicht nur der Aufzug ist ein Problem...

Für Gautings Inklusionsbeauftragte Martina Ottmar ist der Bahnhof Stockdorf rundum problematisch. „Es fehlen Blindenleitlinien und Markierungen sind falsch“, so Ottmar. Das habe sie schon zur Eröffnung vor einem Jahr angemerkt – passiert ist bisher nichts. Jetzt hat auch sie der Bahn einen Brief geschrieben.

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