Petition gegen Stellenabbau

Helferkreise schlagen Alarm

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Ingrid Frensch mit türkischen Mädchen bei der Hausaufgabenbetreuung an der Grundschule Stockdorf: Seit über 25 Jahren engagiert sie sich für Flüchtlings- und Migrantenkinder.F.: Frensch

Stockdorf -  „Sonst laufen uns die Ehrenamtlichen weg“ - Petition gegen den Abbau von Sozialberatern

Die Bilder gingen um die Welt: Hunderte Menschen winken am Münchner Hauptbahnhof Flüchtlingen zu, halten „Welcome“-Plakate. „Der Empfang war großartig“, erinnert sich auch die Asyl-Helferin Ingrid Frensch. „Wir waren über 100 Helfer allein in Stockdorf“, sagt die 78-Jährige, die seitdem als Patin eine neunköpfige Familie aus Afghanistan betreut. Inzwischen sind es deutlich weniger: Circa 40 Aktive hat der Helferkreis Stockdorf laut Vorsitzender Jutta Jecht heute. Aber die Arbeit reißt nicht ab: Für jede Kleinigkeit brauche man Formulare, die Suche nach einen Job und Wohnungen sei zeitaufwendig und mühsam. „Die Helfer laufen uns darum weg“, klagt Jecht. Ein Problem, das auch andere Helferkreise kennen. Auf die Ehrenamtlichen könnte noch mehr Arbeit zukommen: Durch die neue Beratungs- und Integrationsrichtlinie werden Asyl- und Migrationsberatung zusammengelegt. Die Folge: es gibt weniger vom Freistaat geförderte Sozialberater. Im Landkreis Starnberg sollen es statt bisher elf Stellen Ende des Jahres nur noch 6,7 sein. Der Grund: Weil weniger Flüchtlinge neu nach Deutschland kommen, gebe es weniger zu tun. „Aber es ist Beratungsbedarf ohne Ende da. Jede Aufenthaltsbewilligung muss ja regelmäßig geprüft werden“, sagt Jürgen Schade. 

Jürgen Schade hat im Namen der 17 Helferkreise im Kreis eine Petition beim Landtag eingereicht. Die Forderung: das Personal zumindest auf dem bisherigen Stand zu belassen.

Der Anwalt, der sich in Stockdorf ebenfalls für Flüchtlinge engagiert, hat im Namen der 17 Helferkreise im Kreis eine Petition beim Landtag eingereicht. Die Forderung: das Personal zumindest auf dem bisherigen Stand zu belassen. Sonst sei eine Beratung „schwer vorstellbar“, heißt es in der Petition. Bei nur 6,7 Stellen betreut jeder Sozialberater rund 250 Schützlinge. In zwei bis drei Monaten könnte über die Petition entschieden werden. Viel Hoffnung, dass sie etwas bewirkt, hat Schade zwar nicht. „Aber es geht darum, auf das Thema aufmerksam zu machen und den Ehrenamtlichen zu zeigen, dass wir das nicht klaglos hinnehmen. Viele sind demotiviert, weil immer mehr auf sie abgeladen wird und sie das nicht mehr schaffen. Wir sind doch alle keine Profis.“ Das Gefühl kennt auch Ingrid Frensch. Seit über 25 Jahren engagiert sie sich für Flüchtlingskinder, doch als Patin ist die Arbeit immens: Arztbesuche organisieren, an Elternsprechabenden teilnehmen, Anträge für Sportverein, Schulspeisung, Reisepässe. Allein die finanzielle Hilfe vom Jobcenter muss alle zwei Monate neu bewilligt werden. Täglich ist Frensch für die afghanische Familie unterwegs, ein Großteil der Gespräche mit ihrem Mann dreht sich um die Paten. „Es ist, als ob unsere Familie plötzlich auf elf Personen angewachsen ist“, so Karl Josef Frensch. Auch wenn man in Stockdorf bisher ohne staatlichen Sozialberater ausgekommen ist, unterstützen sowohl Jutta Jecht als das Ehepaar Frensch die Petition vollen Herzens. „Wenn wir Helfer nicht wären“, sagt Ingrid Frensch, „dann bricht hier doch alles zusammen“.

rea

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