Ernteminderungen

Strommasten in Gauting frustrieren die Bauern

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Drei Strommasten hat Bernhard Högner auf seinem Grund – jedes Jahr belasten Bauarbeiten seine Feldarbeit.

Gauting - Wegen Bodenschäden und hoher Arbeitsbelastung fordern Landwirte höhere Entschädigungen - denn so wie jetzt weiter arbeiten können sie nicht mehr

Bernhard Högner hat es satt: Drei Strommasten stehen auf dem Grund des Unterbrunner Landwirts, zehn weitere auf gepachteten Flächen. „In den letzten zehn Jahren ist fast immer irgendwo gearbeitet worden“, sagt Högner und denkt an die damit verbundenen Ernteminderungen und Bodenschäden, die schwere Baufahrzeuge hinterlassen. „Man hat ja nie seine Ruhe.“ Das wird sich auch 2019 nicht ändern: Der Strombetreiber Bayernwerk hat angekündigt, 250 Masten zwischen Murnau und Karlsfeld auszubauen, um die Kapazität der Leitung zu erhöhen. Allein fünf davon stehen in Unterbrunn. Bis vor wenigen Tagen konnten alle Grundstücksbesitzer Einwendungen gegen das Vorhaben vorbringen. 

Insgesamt zwölf private Schreiben sind bei der Regierung von Oberbayern eingegangen, erfährt Hallo auf Nachfrage. Davon sind allein vier aus der Gemeinde Gauting. Auch Högner hat Einspruch erhoben, um sein Land besser vor den Bauarbeiten zu schützen – oder dafür zumindest gerecht entschädigt zu werden. Eine Haltung, die auch der Bayerische Bauernverband so mitträgt. Man setze sich „mit Nachdruck“ für eine geringe Flächeninanspruchnahme sowie eine „faire Abgeltung der Aufwuchsschäden im Baujahr, sowie in den Folgejahren“ ein, heißt es aus der Geschäftsstelle Weilheim, die auch den Landkreis Starnberg betreut. „Es hilft dem Betroffenen wenig, wenn sie nur für den oberirdischen Teil des Mastens entschädigt werden, unter der Erdoberfläche jedoch ein massives Betonfundament mit teilweise über 100 Quadratmetern liegt.“ 

Högner bekommt für sein Feld viel zu wenig Geld

Högners Vater hat in den 60er-Jahren je Mast einmalig bis zu 9000 Mark bekommen. Seither dürfen die Betreiber jederzeit auf das Gelände. Bei Bauarbeiten erhalten die Landwirte rund 30 Cent je betroffenen Quadratmeter. „Nichts“ nennt das Högner angesichts der langwierigen Schäden für das Ackerland. Drei bis vier Jahre dauert es ihm zufolge bis der Boden wieder locker und so ernteträchtig wie vorher ist. 

„Eine Entschädigung nach Aufwand wäre viel besser“, erklärt der Landwirt. Genau das hat er auch in seiner Einwendung gefordert – neben einem baubegleitenden Bodengutachter und einer stärkeren Beachtung der Erntezeiten. „Bisher kamen so Maßnahmen nämlich meistens keine 14 Tage vor der Ernte“, sagt Högners Sohn Max. Bayernwerk will 2019 ebenfalls im dritten Jahresquartal bauen. „Oftmals sind wir gezwungen, bereits vor der Erntezeit die Bauarbeiten zu beginnen, um sie vor dem Wintereinbruch abschließen zu können. Auch durch Umweltauf- lagen seitens der Behörden werden uns die Bauzeiten in vielen Bereichen vorgegeben“, erklärt ein Sprecher von Bayernwerk die Position der Firma. 

Doch auch grundsätzlich hoffen die Högners auf Änderungen. „Mein Wunsch wäre eine jährlich wiederkehrende Zahlung der Betreiber – wie eine Pacht“, sagt Bernhard Högner. Damit könnte er Verluste ausgleichen, die dadurch entstehen, dass die Masten die Aussaat, Düngung oder Ernte erschweren. „Wir brauchen fast 30 Prozent mehr Arbeitszeit, weil wir die Masten immer umfahren müssen“, erklärt Max Högner. Eine solche Entschädigung sehe das Gesetz nicht vor, teilt der Bayernwerk-Sprecher mit. So etwas sei verwaltungstechnisch und finanziell nicht machbar. 

Romy Ebert-Adeikis

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