Der Konterrevolutionär

Streit um „Baukolosse“: Fred Rauscher gründet Verein gegen Bürgerbegehren

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Seit Jahren ist das ehemalige Grundschulgelände im Zentrum Gautings verwaist. Dass es nicht weiterhin brachliegt, ist das Anliegen von Fred Rauscher.

Gauting - Weil das Grundschulgelände im Zentrum Gautings seit Jahren verwaist ist, hat Grafiker Fred Rauscher nun ein Bürgerbegehren angestoßen. Sein Ziel: Gegen den dort geplanten Komplex vorgehen

Unbemerkt über die Straße schlendern oder in der Bibliothek sitzen kann Fred Rauscher in diesen Tagen selten. Immer wieder wird er angesprochen, auch das Telefon steht nicht still. „Dabei bin ich gar nicht gern in der ersten Reihe“, sagt der 49-Jährige. „Aber in dem Fall mache ich das.“ In dem Fall – damit meint Rauscher den Streit um die Bebauung des alten Grundschulareals neben dem Gautinger Bahnhof. Rund 2700 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Gauting aktiv“ gegen einen dort geplanten Komplex mit 60 Wohnungen, Supermarkt und Drogerie gesammelt und so ein Bürgerbegehren gegen die „Baukolosse“ angestoßen.

Weil ihn das Vorgehen stört, mischt Rauscher nun lieber selbst mit

„Ich habe nichts gegen ein Begehren, das ist gelebte Demokratie“, sagt Rauscher, der als stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler Starnberg kommunalpolitisch engagiert ist. Es ist das wie, das ihn stört. „Sie meckern, sie nörgeln, aber es kommen keine alternativen Vorschläge. Es wird sehr emotional und zum Teil sogar mit falschen Fakten argumentiert“, so der Grafikdesigner, der irgendwann gern selbst als Gemeinderat die Zukunft des Ortes mitbestimmen würde. Er hat nun eine eigene Kampagne gestartet: „Zukunft Gauting“. In diesen Tagen soll ein gleichnamiger Verein gegründet werden, um Spenden zu generieren und damit Flyer und anderes Infomaterial zu drucken. Auch eine Website soll online gehen. Das Ziel: Die Gautinger umfassend über den Fall informieren. Neutral, wie Rauscher betont, auch wenn er für die Pläne der Gemeinde ist.

„Vor vier Jahren habe ich noch bei der Kommunalwahl gegen Bürgermeisterin Brigitte Kössinger gekämpft, aber in dieser Sache macht sie eine gute Politik“, erklärt er sich. Denn klar ist: Sollte „Gauting aktiv“ erfolgreich sein, wird es auf dem Areal mindestens ein Jahr Stillstand geben. Das hätte auch Kosten zur Folge, etwa elf bis zwölf Millionen Euro schätzt Rauscher. „Das kann sich Gauting schlichtweg nicht leisten, die Gemeinde ist fast pleite“, sagt er. Etwa 100 Menschen sind vergangene Woche Rauschers Einladung zu einer ersten Informationsveranstaltung von „Zukunft Gauting“ gefolgt. Erstaunlich oft treffe er auf Menschen, die zwar für das Bürgerbegehren von „Gauting aktiv“ unterschrieben hätten, nun aber umdenken wollen. Bei „Gauting aktiv“ sieht man in der Gegenbewegung keine direkte Gefahr. „Ich glaube daran, dass wir das Begehren gewinnen“, so Initiator Eckhard Müller-Guntrum. Sorge mache ihm nur die mit dem Streit einhergehende Polarisierung, so sehe man sich selbst nicht als „Bau-Verhinderer“, sondern trete für einen moderateren Bau ein (Hallo berichtete). „Ich wünsche mir eine sachlichere Debatte“, sagt Müller-Guntrum daher – und ist damit ganz bei seinem Kontrahenten Rauscher.

Romy Ebert-Adeikis

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