„Mädchen werden zu Mägden herangezogen“

Weltfrauentag am 8. März: Vortrag von Frauenrechtsaktivistin Zana Ramadani

+

Zana Ramadani ist Frauenrechtsaktivistin und Autorin. Anlässlich des Weltfrauentages stellt sie ihr Buch „Die verschleierte Gefahr — Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen“ in der Vhs Taufkichen vor. HALLO hat mir ihr gesprochen.

HALLO: Worum geht es in Ihrem Vortrag? 

Ramadani: Um die Rolle der Frau im Allgemeinen und speziell um das Thema Integration. Was bedeutet sie für muslimische Frauen, wie können wir es schaffen, dass sie Teil der Mehrheitsgesellschaft werden, beziehungsweise überhaupt werden wollen? Und vor allem: Wie können wir die Macht, die muslimische Mütter in ihrem Kulturkreis haben, für die Integration nutzen?

Was meine Sie mit der Macht der muslimischen Mütter? 

Eine Frau, die das patriarchale System so verinnerlicht hat, dass sie es als richtig empfindet, realisiert nicht, dass sie Opfer des Systems ist. Wenn sie ein Kind bekommt, wird die vom Opfer zum Täter, ob sie will oder nicht. Denn sie erzieht das Kind im Sinne dieses Patriarchats. Die Mädchen werden zu Mägden herangezogen, die Jungs zu Prinzen. So geht der Teufelskreis weiter. Wir müssen ihn durchbrechen und das macht man am besten an der Wurzel: der Erziehung. Denn in der Erziehung liegt die Macht.

Wie geht das genau? 

Integrationskurse müssten meiner Meinung nach verpflichtend für alle Einwanderer sein. Dafür müsste es einen einheitliche Leitfaden für alle Städte und Kommunen geben. In meinem Buch nenne ich diese auch Feminismuskurse. Denn dort sollten Musliminnen unsere Gesetze und die Schutzmöglichkeiten, die unsere Gesellschaft bietet, kennenlernen. Außerdem sollten sie über gesundheitliche und sexuelle Themen aufgeklärt werden. Aber vor allem, darüber, dass eine Frau dem Mann gegenüber gleichwertig ist. 

Sie reden in diesem Zusammenhang auch von einer falschen Toleranz. Wie sähe eine richtige aus? 

Die falsche Toleranz fasst alles unter dem Deckmantel Religionsfreiheit zusammen. Religionsfreiheit bedeutet nicht, dass jeder alles machen kann. Auch sie hat Grenzen und zwar dort, wo die Freiheit eines anderen beginnt. Richtige Toleranz wäre zu sagen: Es ist in Ordnung, wenn eine Muslimin zu Hause Kopftuch trägt, aber in der Öffentlichkeit, zum Beispiel als Lehrerin, sollte sie religionsneutral sein. Dafür müsste es ein bundesweites Neutralitätsgesetz geben. So bekommen auch minderjährige, muslimische Mädchen das Recht auf eine natürliche, weibliche Entwicklung.

Sehen Sie sich als Muslimin oder als Deutsche? 

Ich bin als Albanerin in Mazedonien geboren und als Muslimin sozialisiert worden. Ich habe mich aber nie darüber definiert. Ich hadere sehr mit meinem Glauben, wie wahrscheinlich auch viele Christen. Meine Identität ist aber viel mehr als die Religion. Wenn ich nach meiner nationalen Zugehörigkeit gefragt werde, sehe ich mich als Deutsche. Ich denke deutsch, ich schimpfe deutsch, ich träume deutsch.

Warum haben Sie sich anders entwickelt, als andere muslimische Frauen in Deutschland? 

Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt. Eines war, dass ich einen Vater habe, der Atheist ist. Ihm war es wichtig, dass ich viel lerne, auch über andere Religionen und, dass ich zu einer selbstbestimmten Frau heranwachse.

Und ihre Mutter? 

Sie ist eine starke, dominante Frau, die immer viel Angst um mich hatte. Eine Angst war, dass ich keinen Mann finde. Und alleine ist man ja als Frau nicht überlebensfähig, nach Meinung des Patriarchats. Mittlerweile hat auch sie sich von vielem gelöst. Sie hat gemerkt, dass ich sehr gut alleine zurechtkomme. Heute ist sie stolz auf meine Unabhängigkeit.

Interview: Lydia Wünsch

Der Vortrag von Zana Ramadani findet am Mittwoch, 7. März, um 19.30 Uhr, in der Vhs Taufkirchen, Ahornring 121, statt. Anmeldung unter 6145140 oder info@vhs-taufkirchen.de. Gebühr 10 Euro. Es gibt auch eine Abendkasse.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare