Zeitreise durch Münchens Gartengeschichte

Unterhachinger stellt sein Werk „150 Jahre Gärtner-Verein München“ vor

Das Großereignis der Münchner Gärtner ist der jährliche Gärtner-Jahrtag am ersten Dienstag im August. In diesem Jahr kann der Gärtner-Verein München sein 150-jähriges Jubiläum am Dienstag, 7. August, feiern. Der Unterhachinger Werner Reindl veröffentlicht zu diesem Jubiläum sein Buch „150 Jahre Gärtner-Verein München“.

Die Geschichte des Gärtner-Jahrtags begann am 11. März 1638, also vor 380 Jahren. Der dreißigjährige Krieg war noch im Gange als die erste Münchner Zunftordnung für die Bruderschaft der Kunst- und Lustgärtner zu Papier gebracht wurde. In 13 Abschnitten entstand ein Regelwerk für die Kunst- und Lustgärtner in München. Gleich zu Beginn wird die Widmung an die Ehre Gottes genannt, sowie die Mitführung der Zunftfahne bei der jährlichen Fronleichnamsprozession. Wobei die Teilnahme für alle Mitglieder der Zunft verbindlich war. Der Jahres-Zunft-Gottesdienst fand in der Pfarrkirche St. Peter statt. Die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Religion war verbindlich. Auswärtige hatten dieselbe binnen Halbjahresfrist anzunehmen. Wer in die Bruderschaft aufgenommen werden wollte, musste ein Pfund Wachs in die „Lade“ (Zunft-Kasse) einzahlen.

In der Zunftordnung wird auf den züchtigen Lebenswandel des Lehrlings verwiesen. Er soll seinem Lehrmeister dankbar sein, Gesundheit wünschen und alle anderen Lustgärtnern ehren und lieben. Zünfte waren auch Sozialversicherungen für ihre Mitglieder. Die Münchner Lustgärtner richteten einen Sozialfonds für den Krankheitsfall ein. Einmal im Jahr, am Ostermontag, wurde in die Zunft-Kasse eingezahlt. Ein Lustgärtner oder Meister bezahlte 30 Kreuzer, ein Knecht oder Geselle 15 Kreuzer und ein Lehrling 7,5 Kreuzer. In Werner Reindls Werk wird erstmals die 150-jährige Geschichte des Gärtner-Vereins München erzählt. „Ich bin seit 2011 Mitglied beim Gärtner-Verein München und bot mich dem Vorsitzenden Wolfgang Richter im Sommer 2016 an, das Jubiläumsbuch zu schreiben“, berichtete der Unterhachinger. Die Vereinsgründung entstand aus der Traditionspflege für den Gärtner-Jahrtag. Aber auch die Pflege der Geselligkeit im Kollegenkreis und die bedrückenden sozialen Probleme des 19. Jahrhunderts, die im Krankheitsfall auftreten konnten, gaben genügend Anlass für eine Vereinsgründung.

Das 208-seitige Jubiläumsbuch entführt seine Leser in 16 Kapiteln in eine 380 Jahre lange Zeitreise durch Münchens Gartengeschichte. Es erzählt nicht nur den Beginn der ersten Zunftordnung für die Gärtner von 1638 sondern auch über Gärten, Parks und Märkte in München, die alle von den Gärtnern mitgestaltet wurden. Doch woher hatte Reindl all diese Informationen? „Ich konnte auf ausführliche schriftliche Vereins-Unterlagen ab 1886 zurückgreifen“, erklärt der Gartenliebhaber. Den Rest habe er sich aus Aufzeichnungen im Stadtarchiv, im Staatsarchiv, in der Staatsbibliothek, im Pfarrarchiv von St. Peter in München und von früheren Jubiläumsschriften der Münchner Gartenbaugruppen geholt. „Des weiteren war ich mit sehr vielen selbständigen Gärtnern aus der Branche im Gespräch.“

Bei seinen Recherchen fand er unter anderem heraus: „In unseren Breiten waren es die Benediktinermönche, die ab dem achten Jahrhundert ihre Kulturpflanzen aus Italien mitbrachten und sie im rauen oberbayerischen Klima in gärtnerische Pflege nahmen.“ Mit dem Aufblühen der Städte sei hierzulande auch die Gärtner-Ausbildung mehr und mehr in Schwung gekommen. „In Kurzportraits werden die Gemüse-, Blumen-, Landschafts- und Friedhofsgärtner vorgestellt.“

In sein Werk investierte der Unterhachinger sehr viel Zeit. „Im November 2016 begann ich mit meinen Recherchen in Vereins-Archiv und im Dezember 2017 war ich mit der Rohfassung fertig. Bis dahin schrieb ich den Text und sammelte über 200 Bilder, die zu den Texten passten“, erinnert er sich. Danach sei er noch etwa zwei Monate mit der Buchgestaltung beschäftigt gewesen.

Der Höhepunkt im Vereinsleben ist für Reindl klar: der Gärtner-Jahrtag. Alljährlich kommen tausende Besucher am ersten Dienstag im August nach München, um den Festzug mit über 30 Gärtnergruppen zu sehen. Die Straßen auf dem Weg zur St. Peterskirche und von dort zum Hofbräuhaus wandeln sich zu einem Blütenmeer. Aus geschmückten Transportwagen werden tausende Blumen an die umstehenden Zuschauer verschenkt. Dieses farbenfrohe Fest ist ein Freudentag für die Münchner Gärtner.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.