„Müssen uns arrangieren“

Gemeinderat stimmt gegen Krähen-Vergrämung 

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Einige Unterhachinger — wie Heidemarie Rebele — besuchen die Gräber ihrer Liebsten, die sich unter den Nistbäumen der Saatkrähen (unteres Foto) befinden, nur noch mit einem Regenschirm ausgestattet. Zu groß ist die Angst, vom Kot der Vögel getroffen zu werden.

Viele Unterhachinger empfinden die Saatkrähen auf dem örtlichen Friedhof als Plage. Über Möglichkeiten, die Tiere loszuwerden, informierte ein Experte der Regierung von Oberbayern in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Doch so einfach ist das nicht. Der Experte warnte eindringlich vor Vergrämungsmaßnahmen.

Früher galten sie sogar als Göttervögel: die Raben. Der alte Germanengott Odin besaß zwei von ihnen. Hugin und Munin waren ihre Namen, übersetzt heißt das so viel wie Gedächtnis und Erinnerung. Dank der beiden Raben ist Odin der weiseste Gott der nordischen Mythologie und kann die Schritte von Menschen und Göttern vorhersehen.

Ebenfalls zu den Rabenvögeln gehört die Krähe. Etwas kleiner in der Größe, ihrerseits jedoch unfassbar intelligent. „Saatkrähen verfügen über eine ähnlich hohe Intelligenz wie Menschenaffen“, erklärte Johannes Schreiber, Naturschutz-Experte der Regierung von Oberbayern, dem Unterhachinger Gemeinderat. „Dadurch ist es auch so schwer, die Tiere zu vergrämen“, so Schreiber weiter. Den Experten hatte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung eingeladen, da sich im Rathaus die Beschwerden über Saatkrähen am örtlichen Friedhof häuften. Das Gekrächze und die Verunreinigung durch den Kot der Tiere geht den Bürgern gewaltig auf die Nerven (HALLO berichtete). Deswegen wäre es vielen Unterhachingern am liebsten, man würde die Vögel vom Friedhof vertreiben. Doch so einfach ist das nicht. „Saatkrähen stehen unter Naturschutz“, berichtet Schreiber. Sie dürfen also nicht — wie offenbar von manchen Bürger gefordert — abgeschossen werden! So bleibt der Gemeinde nur der Antrag auf eine Vergrämungsmaßnahme. Hierbei gebe es, so der Experte, mehrere Möglichkeiten wie etwa gestalterische Maßnahmen (Rodung oder Zurückschneiden der Brutbäume), die Nester entfernen, akustische Maßnahmen (Alarmrufe) oder der Einsatz von Greifvögeln. „Ein Patentrezept gibt es allerdings nicht!“ Vergrämungsmaßnahmen würden auch Risiken bergen, warnt Schreiber das Gremium: „Auf dem Friedhof gibt es eine stabile Kolonie“, das bereite Sicherheit. „Wenn Sie am Standort herumschrauben, dann verteilen sie sich.“ So wäre es durchaus möglich, dass sich die Krähen dann in weitaus ungünstigeren Bereichen — etwa Wohngebieten — niederlassen.

„Auf dem Friedhof schlafen die Leute tief und fest, aber einen Krähenbaum vor dem Balkon möchte ich niemandem zumuten“, sagte Grünen-Gemeinderätin Gertraud Schubert. „Wir müssen uns mit den Krähen arrangieren“, so ihre Meinung. Auch Peter Hupfauer (FDP) bezeichnete die Vergrämung als „nicht der Weisheit letzter Schluss“. Auch, dass die Tiere aus dem Schutz genommen werden könnten, betrachte er als „utopisch“. „Vielleicht sollten wir die Tiere einfach in Ruhe lassen, dann ziehen sie sich ja möglicherweise von ganz alleine in Randbereiche zurück“, so Hupfauers Hoffnung.

Ähnlich sah es offenbar auch die Mehrheit des Unterhachinger Gremiums. Der Einsatz eines Falken auf dem Friedhof wurde abgelehnt. Ebenfalls verworfen wurde die Idee, die Saatkrähe auf lokaler Ebene als „nicht mehr bedrohte Art“ zu definieren und sie zum Abschuss freizugeben. Vielmehr soll Unterhaching nun versuchen, durch gestalterische Maßnahmen wie den Rückschnitt von Bäumen die Vögel auf dem Friedhof von den stark beeinträchtigen Gräbern in andere Bereiche zu lenken. Nur aus den Wohngebieten will die Gemeinde die Vögel vertreiben. Dem Antrag, Vergrämungsmaßnahmen in den Bereichen Fasanenstraße, Grafstraße, Utzweg und Rodelberg zu beantragen, stimmte eine knappe Mehrheit im Gemeinderat zu.

tb

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