Falsch verstandener Tierschutz

Unterhachinger Gemeinderat beschließt Fütterverbot von wilden Wasservögeln

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Heimische Wasservögel wie die Stockenten finden auch im Winter genügend natürliche Nahrung. Das Füttern mit Brot- und Essenresten ist überflüssig — gar schädlich für die Tiere.

Wer den heimischen Wasservögeln wie Enten, Gänsen oder Schwänen etwas Gutes tun will, der wirft ihnen nicht sein altes Brot hinterher. Das Füttern hilft Enten nicht — es ist im Gegenteil ungesund und schädlich, auch für die Umwelt. In Unterhaching hat der Gemeinderat nun ein Fütterverbot erlassen.

Die meisten Menschen haben es sicherlich schon einmal erlebt: Sobald ein Parkbesucher am Ufer der örtlichen Gewässer mit einer Brottüte raschelt, stürmen die Wasservögel los. Gierig stürzen sie sich auf die Brotkrumen, die ihnen Rentner, Eltern und ihre Kinder hinwerfen. „Sie wollen den Vögeln damit was Gutes tun“, sagte Wolfgang Ziolkowski, Leiter der Abteilung „Sicherheit und Ordnung“ im Unterhachinger Rathaus, in der Januar-Sitzung des Gemeinderats. Ein Denkfehler, wie der Experte erläuterte. Die Parkbesucher bekämen den Eindruck, die Tiere seien ausgehungert. Aber: „Die Enten finden in den Park genügend natürliche Nahrung.“ Die angebotenen Bröckchen würden sie aus Bequemlichkeit natürlich aber auch nicht ablehnen.

„Dadurch werden sie aber krank“, warnte Ziolkowski. Brot enthalte für die Vögel zu viel Salz, zudem quelle der Magen auf. Das Problem, sagte er, sei „nicht die alte Dame mit ein paar Semmelkrumen in der Hand“. Nein, der Unmut der Fachleute richte sich gegen jene, die säckeweise Essensreste am Ufer von Gewässern wie dem Unterhachinger Ortsparksee ausstreuen.

Neben der Überfütterung der Vögel gebe es noch ein Problem: der Schaden für die Gewässer. „Brotbrocken und Entenkot reichern das Wasser mit zusätzlichen Nährstoffen an“, erklärte der Experte. Es entstünden mehr und mehr Algen, für deren Zersetzung Sauerstoff nötig sei. Vor allem im Sommer könne dies zur Folge haben, dass der Sauerstoffgehalt des Gewässers so stark sinke, dass Fische und Pflanzen regelrecht erstickten — das Gewässer kippe. „Früher kam es beim See im Ortspark alle zehn Jahre zur sogenannten Eutrophierung“ erklärte Ziolkowski. Inzwischen passiere es alle zwei Jahre, fügte er mit sorgenvoller Miene hinzu. In vielen Städten und Gemeinden ist das Füttern von Wasservögeln bereits verboten — nun auch in Unterhaching. Die Gemeinde hat ihre Grünlagensatzung überarbeitet, einstimmig beschlossen die Räte das Fütterverbot von wild lebenden Tieren in Unterhachings Grünanlagen. Verstöße würden ab sofort mit einem Bußgeld zwischen 5 und 2500 Euro geahndet. In der Praxis sehe das laut Ziolkowski so aus, dass beim ersten Mal eine Verwarnung ausgesprochen wird, was 5 bis 35 Euro kosten kann. Bei Wiederholungstätern wird es dann schon teurer.„Dieses Überfüttern ist falsch verstandener Tierschutz“, fasste SPD-Gemeinderat Harald Nottmeyer die Entscheidung noch einmal zusammen. Das ständige Füttern verschmutze die Umwelt und mache die Vögel krank. „Am Ende werden sie genauso dick wie die Menschen.“

tb

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