Ein Knall bis nach München!

Unterhaching und Taufkirchen starten Unterschriftenaktion für ein Tempolimit auf der A995 und A8

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Tempo 80 auf den Autobahnen A995 und A8: Das ist die Forderung von Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (links) und seinem Taufkirchner Kollegen Ullrich Sander. 

Gemeinsam wollen sich die Gemeinden Taufkirchen und Unterhaching für den Lärmschutz an den Autobahnen A8 und A995 einsetzen. Sie fordern die Einführung eines Tempolimits — auch tagsüber. Im Unterhachinger Rathaus stellten die beiden Bürgermeister bei einer Pressekonferenz die geplante „Aktion 80/80“ vor und hoffen nun auf die Unterstützung der Bürger.

Den Unterhachingern und Taufkirchnern ist es zu laut — und das nicht erst seit gestern. Seit Jahren schon beschweren sich die Bürger der beiden Gemeinden über den Autobahnlärm an den Autobahnen A995 und A8. Unterhachings Bürgermeister, Wolfgang Panzer (SPD) und sein Kollege aus Taufkirchen, Ullrich Sander (parteilos), zeigten Verständnis und setzten sich bereits mehrfach bei Landratsamt und Autobahndirektion für einen ausgeprägteren Lärmschutz entlang der Autobahnen ein (HALLO berichtete) — bisher vergebens.

Nun sollen ein Schulterschluss und die Unterstützung der Bürger den politischen Druck auf die zuständigen Behörden erhöhen, beschrieb Panzer das weitere Vorgehen. Gemeinsam wollen die Gemeinden nämlich künftig für ein Tempolimit auf den Autobahnen kämpfen.

Erster Schritt besagter Kooperation soll die „Unterschriftenaktion 80/80“ sein. Die Forderung dahinter: „Ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf der A8 und der A995 rund um die Uhr“, erklärte Unterhachings Bürgermeister. Sander ergänzte: „Wir sind beide an dem Thema dran, wollen nun gemeinsam etwas machen und die Bürger dabei einbinden.“ Bei der Aktion handele es sich, so Sander weiter, bewusst nicht um ein Bürgerbegehren. „Jeder soll unterschreiben dürfen“, sagte Panzer. Durch die Unterschriften wolle man sich der Breite der Bevölkerung für ein weiteres Handeln versichern. Bisherige Versuche, allen voran an der Giesinger Autobahn, ein Tempolimit auch tagsüber durchzusetzen, waren vom Innenministerium abgeschmettert worden, was — „rein rechtlich gesehen — richtig ist“, gibt Panzer zu. Denn: Es sei an der A995 weder zu laut noch gefährlich genug, um das Ausbremsen des Verkehrs zu rechtfertigen. „Freie Fahrt für freie Bürger“, laute die Devise der Behörden, stimmte auch Sander seinem Kollegen zu.

Viele Anwohner sehen das natürlich anders — diese Tatsache ist auch den Rathauschefs bekannt. Der Wunsch nach einer Lärmschutzwand drang ihnen in jüngster Zeit immer häufiger an die Ohren. Kein Wunder: Einst gab es in Unterhaching eine Lärmschutzwand zwischen Isartalstraße und Anschlussstelle Nord. Diese wurde allerdings abgerissen, weil sie marode war, und nie durch eine neue ersetzt. „Immer wieder werden wir von Anwohnern gefragt, warum diese Wand nicht wieder errichtet würde“, sagte Panzer.

So einfach sei das natürlich nicht, denn die Gemeinden müssten ein solches Bauwerk selbst finanzieren. „Das würde für jede Gemeinde Kosten in Höhe von mehr als 15 Millionen Euro bedeuten“, gab Sander zu bedenken. Eine Menge Geld, finden die Bürgermeister und blicken auf die Ausgaben, die sie sonst noch stemmen müssen. „Wir müssen ja schließlich auch in Kindergärten, Schulen und andere soziale Einrichtungen investieren“, sagte auch Panzer. Zudem seien sich er und Sander nicht sicher, ob eine Lärmschutzwand tatsächlich viel bringen würde. „Dann hat vielleicht die erste Reihe der Anwohner Ruhe, dahinter würde der Lärm gegebenenfalls durch eine Wand sogar noch verstärkt“, so Sander.

Deswegen wolle man sich zunächst voll und ganz auf das Tempolimit stürzen, erklärte Panzer: „Setz‘ ich mich für das Tempolimit ein und es bringt nichts, kostet mich das 1000 Euro fürs Schild. Bau‘ ich aber eine Wand und die bringt nichts, dann sind 15 Millionen Euro weg!“ Zumal die Gemeinden gemeinsam mit Oberhaching vor vier Jahren in den Flüsterasphalt investiert hätten, der nur in Verbindung mit einer Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich seine Wirkung entfalte.

Nun gelte es allerdings zuerst einmal herauszufinden, ob der „Lärmschutz der vielfache Wunsch einzelner oder der einzelne Wunsch vieler ist“, fasste Sander zusammen. Über dies soll die Unterschriftensammlung, die ab dieser Woche ein Jahr lang bis März 2018 laufen soll, Aufschluss geben. Adressaten sind dann die zuständigen Behörden im Landratsamt und im Innenministerium. „Damit der Knall in München gehört wird, müssten sich natürlich möglichst viele Betroffene artikulieren“, sagte der Unterhachinger Rathaus-Pressesprecher Simon Hötzl. Etwa 43.000 Menschen leben in Unterhaching und Taufkirchen. „Eine gut vierstellige Zahl an Unterschriften“ sei anzustreben, um in München Gehör zu finden, so Sander. Zudem erwähnte der Bürgermeister noch einen weiteren positiven Aspekt eines Tempolimits: „Weniger Geschwindigkeit bedeutet auch weniger Schadstoffe!“

Noch diese Woche sollen die Listen entweder in den Rathäusern zur Abholung oder auf den Webseiten der Gemeinden zum Runterladen bereit gestellt werden.

tb

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