Belastung durch Pferde-Urin?

Sauerlacher befürchten Gefährdung des Grundwassers

+
Ich bin tierlieb und habe nichts gegen Pferde“, sagt Josef Kastenmüller, hier mit einem seiner Hunde.

kleinere Reiterhöfe sind in Sauerlach niedergelassen. Josef Kastenmüller betrachtet dies mit Sorge, befürchtet gar die Gefährdung des Grundwassers durch Pferde-Urin. Der Sauerlacher konfrontierte die Behörden – darauf wurden zwei Reiterhöfe überprüft.

HALLO wandte sich dazu an Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner. Die zeigte sich überrascht. Nein, sie habe von einer möglichen Gefährdung des Grundwassers durch Pferdehaltungen nichts gehört und wurde auch nicht angesprochen. Es gäbe etwa fünf große und sieben kleinere Reiterhöfe. Rings um die Gemeinde befänden sich Wasserschutzgebiete. „Wir prüfen regelmäßig das Grundwasser und haben einen sehr guten Status“, beteuert Bogner. In Sichtnähe des Hauses von Josef Kastenmüller am Schelcherweg befinden sich Pferdeweiden. Meist sei es der Mensch, der die Fehler mache. „Es geht darum, das Trinkwasser zu bewahren, gerade für zukünftige Generationen“, fordert der Holzhändler und Spediteur im Ruhestand. Einige wenige Reitanlagen seien keine Gefahr, aber es gäbe halt gut ein Dutzend in der Gemeinde. Die punktuelle Einleitung von Urin könne auch in 40 Metern Tiefe liegendes Grundwasser erreichen. Er habe vor Ort bei zwei Pferdehaltungen Mängel beobachtet: einmal einen Misthaufen auf unbefestigtem Grund, bei der anderen keinen befestigten Stallboden bei etwa 50 Pferden. „Direkt und konzentriert gelangen so große Mengen Urin in den Boden“, sagt Kastenmüller. Es geht ihm um Grund- und Trinkwasserschutz im Allgemeinen, überall auf Gemeindegrund. Vernünftig seien für ihn Pferdeboxen, die dicht gemacht werden und eine Schräge von etwa zwei Prozent haben. „Am tiefsten Punkt nimmt eine Rinne den Urin auf und führt ihn in eine Jauchegrube. Vor Ort hätte er anderes beobachtet. „Es ist ein Irrglauben, dass mit Stroh- einstreuung der Urin gebunden wird“, sagt Kastenmüller. Früher seien die Pferdeställe der Bauernhöfe stets an eine Jauchegrube angeschlossen gewesen. Der 68-Jährige wandte sich schließlich an die Deutsche Umwelthilfe mit Sitz in Berlin, die aber auf die Zuständigkeit der Naturschutzbehörde im Landratsamt München verwies. Er informierte das Wasserwirtschaftsamt und die Bayerische Staatskanzlei, welche das Anliegen an das zuständige Umweltministerium delegierte. Am 20. Juni dann ein Gespräch am runden Tisch mit Vertretern des Fachzentrums Pferdehaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), des Landrats- und des Wasserwirtschaftsamts. Resultate aus dem Protokoll: Der Beschwerde Kastenmüllers wurde nachgegangen, beide Reitbetriebe wurden im Umgang und Lagerung wassergefährdender Stoffe überprüft. Auch wurde die Nitratbelastung in der Messstelle der Wasserversorgung Sauerlachs kontrolliert – ohne Befund. Weiterhin bittet das Wasserwirtschaftsamt das Landratsamt, bei Vorhaben mit Pferdehaltungen stets das Fachzentrum für Pferdehaltung einzuschalten, um eine häufigere Umsetzung von dichten Stallböden zu erreichen. Zudem soll künftig bei drohender Grundwasserbelastung eine Verschärfung der Vorgaben für die Pferdehaltung geprüft werden. Josef Kastenmüller indessen ist mit dem Erreichten nicht zufrieden. Immerhin eines hat er bewirkt: alle Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren.

KRB

Auf Anfrage von HALLO dazu das Bayerische Umweltministerium:

„Reitanlagen wie auch andere landwirtschaftliche Betriebe werden in ganz Bayern im Rahmen der technischen Gewässeraufsicht durch die fachkundigen Stellen an den Landratsämtern anlassbezogen kontrolliert – insbesondere auch wie hier im Hinblick auf eine ordnungsgemäße Lagerung des Pferdemistes. Die Lagerung von Pferdemist auf einem Pferdehof unterliegt vor allem den Regelungen des § 62 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie der Bundes-Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Im konkreten Fall kamen die Behörden zum Ergebnis, dass eine Gefährdung des Grundwassers durch Urineintrag aus der Pferdehaltung nicht erkennbar ist. Die Nitratbelastung in der Messstelle der Gemeinde Sauerlach gibt keine Hinweise auf eine Überschreitung des Grenzwertes“.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare