Aus dem Hexenhaus wurde ein Schmuckstück

Das restaurierte Oberhachinger Wagnerhaus feiert am kommenden Samstag ein kleines „Jubiläum“

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Das Wagnerhaus am Hubertusplatz ist das älteste Gebäude in Deisenhofen. Vor zehn Jahren rettete der Förderverein Wagnerhaus das denkmalgeschützte Ensemble vor dem Verfall und machte es den Oberhachingern zugänglich.

Auf das Wagnerhaus, den ältesten erhaltenen Bauernhof des Ortes, sind die Oberhachinger besonders stolz. Vor nunmehr zehn Jahren wurde das Haus aufwendig saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses kleine Jubiläum wird am kommenden Samstag gefeiert.

Die Geschichte des Wagnerhauses geht weit zurück. Schon 1621 fand das Wagnerhaus als Sölde, also als Sechzehnergütl, Erwähnung in der Steuerliste. Um 1721 erbaute Georg Gässler das neue, bis heute wenig veränderte Haus am Hubertus- platz 3. Es war für die Region ein typischer Einfirsthof, das heißt, dass sich die Wohn- und Stallgebäude und somit alle Funktionsräume des bäuerlichen Wohnens und Wirtschaftens unter einem Dach vereinen. Bis 1991 wurde das Anwesen von Anna Demmel-Hofmann bewohnt. Sechs Jahre nach ihrem Tod konnte die Gemeinde das Haus, das mittlerweile unter Denkmalschutz stand, erwerben. Nur ein Jahr später verschrieb sich der Förderverein „Heimatfreunde Wagnerhaus“ dem Erhalt, der Sanierung und der Pflege des Wagnerhauses.

Seit nunmehr 20 Jahren ist es dem Förderverein nicht nur ein großes Anliegen, „das älteste Haus in Deisenhofen zu erhalten, sondern auch einer möglichst breiten Schicht zur Verfügung zu stellen“, erzählt Vorsitzender Florian Schell. „Auch wenn die Renovierung eine Mammutaufgabe war“, habe sich der Aufwand gelohnt. Schell wird fast wehmütig, wenn er an die Arbeiten denkt: „Zunächst musste das Haus im wahrsten Sinne des Wortes zugänglich gemacht werden. Es lag wie ein märchenhaftes Hexenhaus in einem vollkommen verwilderten Garten, Rosenbüsche wuchsen schon über das Dach hinaus.“ In Kleinarbeit schafften es die Mitglieder des Fördervereins jedoch, das Haus nicht nur zu renovieren, sondern auch mit Möbeln aus der Zeit um 1890 zu bestücken. Es wurde sogar mit Kacheln, die man im Haus fand, der Kachelofen nachgebaut. Heute ist das Obergeschoss mit Schautafeln über die Geschichte des Hauses, des bäuerlichen Lebens und des Ortes ausgestattet. Auf dem Heuboden der Tenne sind alte Gerätschaften ausgestellt.

Regelmäßig besuchen Schulklassen und Kindergärten das Wagnerhaus und lernen, wie das Leben um 1900 ausgesehen hat. Das Wagnerhaus steht jeden ersten Sonntag im Monat allen Interessierten, inklusive Führung, offen. Die Tenne kann für Veranstaltungen gemietet werden – ein Angebot, das „gut angenommen wird und Geld für die Erhaltung in die Kassen spült“, freut sich Schelle.

Am kommenden Samstag, 5. August, ab 15 Uhr feiert der Förderverein das zehnjährige „Jubiläum“ mit Blasmusik, Kaffee und Kuchen und am späteren Nachmittag wird im Garten des Wagnerhauses gegrillt. Für alle, die nicht nur feiern, sondern auch schauen und lernen wollen, werden dazu regelmäßig Führungen angeboten.

Anja Sanhüter

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