Lärmschutzaktivistin fordert höheres Tempo

Pläne für Lärmschutzwall an der A995

+
Für den Lärmschutz an der A995 setzt sich die Unterhachingerin Catia Hilgart ein.

Nach einem gemeinsamen Termin von Bürgermeister Wolfgang Panzer und der Unterhachinger Lärmschutzaktivistin Catia Hilgart im Verkehrsministerium geht die Diskussion um den Lärmschutzwall an der Autobahn A995 in die nächste Runde. Denn so einfach ist das ganze Thema nicht.

Einmal mehr geht‘s in Unterhaching um die Erde. Inzwischen allerdings nicht mehr um die der zweiten S-Bahn-Stammstrecke, sondern um eine andere Erde. Aber von vorne. Die Unterhachinger Bürger sind lärmgeplagt. Und das nun schon seit geraumer Zeit. Die Autobahnen A995 und A8 lassen sie oftmals nicht schlafen. Die Lärmschutzwand entlang der A995 gibt es nicht mehr, im Perlacher Forst wurde gerodet. Das bedeutet für die Anrainer: Der Autobahnlärm ist hörbarer geworden. „Unerträglich hörbar“, finden die engagierte Bürgerin Catia Hilgart sowie die rund 700 Unterzeichner ihrer Unterschriftenaktion. Für sie steht fest: Ein neuer Lärmschutzwall muss her. Am besten möglichst kostengünstig. Doch so einfach ist das alles nicht.

Hilgarts ursprüngliche Idee, den Erdaushub der zweiten Münchner Stammstrecke nach Unterhaching zu karren und neben der Giesinger Autobahn aufzuschütten, hat die Unterhachingerin nahezu verworfen. „Die Erde stünde uns erst 2020 zur Verfügung, das ist zu spät“, sagt sie. Zudem transportiere die Bahn die Erde auf Zügen ab. Extra 100.000 Tonnen Erdreich für Unterhaching auf etwa 5000 Lkws zu laden und in die Hachinger Tal Gemeinde zu transportieren, wäre umständlich. „Und vermutlich teuer“, wie Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) befürchtet. Denn nach dem gemeinsamen Treffen Panzers und Hilgarts mit Staatssekretär Josef Zellmeier (CSU) im Verkehrsministerium stehe, so Panzer, fest: „Wir kriegen in jeglicher Hinsicht Unterstützung vom Ministerium, aber zahlen muss die Gemeinde.“

Die A995 ist Anwohnerin Catia Hilgart eindeutig zu laut.

Als nächstes müsse geklärt werden, wie viel Material gebraucht wird, wer was macht und wer was zahlt. Die Autobahndirektion hat laut Panzer bei einer früheren Anfrage mal eine Schätzung von zwei bis drei Millionen Euro für einen solchen Wall angesetzt. Hilgart spricht indes von ganz anderen Zahlen: „Die Autobahndirektion hat mir eine Kostenschätzung sowie die möglichen Erdmaterialklassen mitgeteilt. Demnach würden Kosten in Höhe von rund 870.000 Euro anfallen.“ Die Summe beziehe sich auf den Einbau der kostenlos an die Baustelle gelieferten Erdmassen inklusive Oberboden. Diese kostenlose Erde soll von etwaigen Baustellen in München kommen. „In der Stadt gibt es genug Baustellen, von denen das Aushubmaterial mit Lkws abtransportiert wird“, sagt Hilgart. Sie hoffe sehr, dass der Bürgermeister jetzt alle Hebel in Bewegung setzt, um die Erdmassen von 100.000 Tonnen bis Anfang nächsten Jahres zu beschaffen. Neben dem Lärmschutz habe so ein Fünf-Meter-Wall auch noch andere Vorteile: „Eventuell ließe er sich für weitere Photovoltaikanlagen der Genossenschaft Bürger-Energie Unterhaching (BEU) nutzen und für bienenfreundliche Bepflanzung“, erklärt Hilgart. Ferner schirme der Wall nicht nur den Autobahnlärm ab, sondern verhindere auch eine horizontale Ausbreitung der Luftschadstoffe.

So weit, so gut. Zunächst einmal brauche das ganze Projekt eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderats. „Und zwar noch im Juli“, fordert Hilgart. Bürgermeister Panzer sprach indes davon, das Thema im September oder Oktober auf die Agenda zu setzen, sobald „ich eine konkrete Zahl zu den Kosten nennen kann“.

Das ist Hilgart freilich zu spät. „Die grundsätzliche Entscheidung verpflichtet den Bürgermeister zu gar nichts“, sagt sie. Dennoch müsse der Gemeinderat zunächst sein grundsätzliches „Okay“ zu dem Projekt geben, ehe weitere Schritte folgen könnten. Diese seien: Klärung der Rechtsfragen, Erstellung eines Bebauungsplans sowie Ausschreibungen an Erdbau-Unternehmen. Hilgart scheint es hierbei wirklich ernst: „Haben wir bis Ende Juli keine weiteren Fakten und erkennbare Schritte vom Bürgermeister in dieser Sache erhalten, werden wir zur Wahl das Bürgerbegehren durchziehen“, sagt sie. Und das wolle ja eigentlich keiner, so die Unterhachingerin.

Tanja Buchka

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare