Ein Übergangsjahr in der Zukunftsschmiede

Die Nachfolger von Marcel Nguyen trainieren schon fleißig

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TSV-Damenturn-Cheftrainer Dieter Koch und Nachwuchs-Meisterin Leonie Papke.

Die Turnabteilung des Traditionsvereins mit 650 Mitgliedern und derzeit über 500 Aktiven nahezu aller Altersgruppen ist ein echtes Erfolgsmodell – für das hinter den Kulissen ein wahres Heer engagierter Trainer, Betreuer und Funktionäre seit Jahren verantwortlich zeichnet.

Die Turnerfolge beim TSV Unterhaching sind für Uneingeweihte sicher in den Rang eines kleinen Sportwunders einzuordnen. Doch wer genauer betrachtet, mit welcher Akribie in und rund um die Halle am Utzweg an den Erfolgen gearbeitet wird, den verwundern auf den zweiten Blick die fein zelebrierten Kasamatsu-Sprünge, die in reichlich Trainingsschweiß erarbeiteten Endo-Grätschen oder die formschönen und höchst schwierigen Tsukahara-Überschläge nicht mehr.

Bei all den Einzelerfolgen im Nachwuchsbereich mit oberbayerischen und bayerischen Serientiteln ist die Basis der großen Erfolge zu suchen. „Die Jugendarbeit ist durch nichts zu ersetzen“, weiß einer, der es aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen muss. Richard Hörle ist vielleicht das Urgestein des Unterhachinger Turnsports und Wegbereiter professioneller Strukturen.

„Der Richard lebt den Kunstturnsport – ohne solche Leute schaffst du nichts“, bestätigt Oskar Paulicks – als langjähriger Abteilungsleiter und Macher mit der gesamten Familie fest im Hachinger Turnsport verhaftet. Der Mann ist auch Leistungssport-Funktionär beim Deutschen Turnerbund und in vielen Gremien vertreten. Am eindrücklichsten aber zeigen Menschen wie Hörle oder Paulicks ihren Charakter an einem frühen Samstagmorgen in der Halle am Utzweg. Dann werden in akribischer Kleinarbeit mal wieder die Grundlagen für eine der tollen Hachinger Turnveranstaltungen später am Tag gelegt. An diesem Tag wird zwar das Männer-Team als Aushängesschild des Vereins seinen Zweitliga-Mannschafts-Wettkampf gegen den Tabellenführer und Aufstiegsfavoriten Pfuhl verlieren – an der Akribie der Beteiligten und am Werkeln für eine starke Unterhachinger Turnzukunft ändert das wenig. Die Geister des frühen Tages wieseln durch die Halle, als gebe es kein Morgen.

Die Erfolge sprechen für sich. Die Herren, die in einer Allianz mit talentierten Turnrecken aus Mühldorf und Weilheim als „Exquisa Oberbayern“ durch die Hallen der Zweiten Bundesliga Süd hechten, gehören seit Jahren zum festen Inventar der Zweiten Bundesliga und als Südmeister 2015 auch zu den Eckpfeilern. „Heuer haben wir ein Übergangsjahr zu bewältigen“, erzählt Paulicks. Denn auch im Turnsport sind „Legionäre“ mittlerweile Usus. Just diese Auslandsturner als prominente Kaderverstärkungen fehlen den Hachingern derzeit. Weil zwei ungarische Auswahlturner kurzerhand vom eigenen Nationaltrainer keine Starterlaubnis für das Ausland erhalten haben und die beiden weiteren Mattenkünstler aus Holland und Belgien zuletzt verletzt ausfielen. „Heuer kann nur der Klassenerhalt das Ziel sein“, wissen Paulicks wie Hörle. Der ist zwei Wettkampftage vor dem Ende der Saison aber mittlerweile in trockenen Tüchern. Fast den Rang abgelaufen haben den Männern in aller Stille des immensen Trainingswirkens die Damen des TSV. Unter den Fittichen des früheren Bundestrainers Dieter Koch hat sich das starke Geschlecht als Turnteam Unterhaching-Ries jüngst ebenfalls in die Zweite Bundesliga hoch gearbeitet und grüßt vom hervorragenden dritten Liga-Rang. Über den Nachwuchs muss man sich dank Hörle und Co. ohnehin keine Sorgen machen. Die Youngster bei den Herren mit Altersdurchschnitt knapp unter Volljährigkeit haben sich im Durchmarsch der letzten Jahre von der Landesliga zwei Etagen nach oben in die Regionalliga hochgearbeitet. Im jungen Damenbereich trainieren am Stützpunkt Utzweg einige Talente bereits schon um Tickets für die Olympischen Spiele ab 2024. Sie eifern den Männern mit Verve nach. Jenen Jungs wie dem zweifachen Olympia-Silber-Gewinner Marcel Nguyen, der das Hachinger Turnwunder an der Spitze abschließt. Mit Tuskahara, Endo und Kasamatsu. Die legendären japanischen Söhne Nippons haben in Unterhaching viele Nacheiferer gefunden. Und der Strom der Talente versiegt nicht. Dafür steht ein engagiertes Team derjenigen, die von frühmorgens bis spätabends den Hachinger Turnsport in einst ungeahnte Höhen hieven.

Harald Hettich

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