Die Schule als Personalbüro

Mittelschule Taufkirchen veranstaltet Bewerbertraining

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So würde auch ein echtes Bewerbungsgespräch verlaufen. Ümit (17) macht seine Sache richtig gut, findet Ulrike Scheiner, Ausbildungs-Leiterin der Schuh-Kette Tretter. Sie bietet dem Schüler als Einstieg ein Praktikum an.

Für die Acht- und Zehntklässler der Mittelschule Taufkirchen kommt das Ende der Schulzeit in Sicht. Höchste Zeit, den Berufseinstieg zu planen. Die Schule an der Pappelstraße hat einen beispielhaften Weg gefunden, ihren Jugendlichen den Schritt in die Arbeitswelt zu erleichtern. Bereits zum vierten Mal fand die Bewerber-Rallye statt. Rund 20 Firmen und Institutionen machten mit.

An zwei Tagen verwandelten sich Klassenzimmer zu Personalbüros. Lehrerschaft und teilnehmende Unternehmen zogen für die jungen Leute an einem Strick. Etwa 90 Prozent der Jungen und Mädchen haben Migrationshintergrund. Die Mitarbeiter der Jugendsozialarbeit und der Berufseinstiegsbegleitung der Kolping Bildungsagentur — zwei feste Einrichtungen der Schule —hatten die 14- bis 17-Jährigen zuvor in Workshops detailliert vorbereitet. Schritt für Schritt entstanden komplette Bewerbungsunterlagen, auf die die Schüler künftig zurückgreifen können. Das war die Pflicht, jetzt stand die Kür an. „Dass eine Jogginghose für ein Bewerbungsgespräch nicht geeignet ist, musste mancher erst mal schlucken“, erzählt Schulleiterin Nikola Kurpas und lächelt. Auch das Händeschütteln zur Begrüßung wurde geübt, unter großem Hallo und Gekicher.

Dann erst ging es für die 70 Jugendlichen einzeln in die Bewerbungsgespräche, die parallel zum Unterricht stattfanden. „Alle waren doch aufgeregt, obwohl sie wissen, dass dies nur Training ist“, erzählt die Rektorin. Der 17-jährige Ümit aus der zehnten Klasse plant eine kaufmännische Ausbildung und hat sich für drei Termine eingetragen. Einen davon hat er bei Ulrike Scheiner, Ausbildungsleiterin bei der Schuh-Kette Tretter aus München. Sie lobt sein souveränes Auftreten und seine Art, zu argumentieren und sich auszudrücken. Darüber hinaus punktet der Schüler mit guten Zensuren. „Ich habe sehr selten eine so schöne Bemerkung im Zeugnis gelesen“, zeigt sich Ulrike Scheiner beeindruckt. Es ist heute ihr letztes Gespräch an der Schule. Vielen jungen Menschen hat sie zugehört, hat beraten und Verbesserungstipps geben können.

Ihr Fazit: Ümit stehen mit seiner Bewerbung viele Möglichkeiten offen, gern bietet sie zum Kennenlernen ein Praktikum an. Das will sich der junge Mann gern überlegen, eine Ausbildung im Auto-Haus zieht er momentan allerdings noch vor. Bei einer abschließenden Manöver- kritik zogen Personalbeauftragte und Lehrer Bilanz. „Eine Reihe von Schülern erhielt eine Einladung zum Praktikum, andere bekamen sogar feste Ausbildungsangebote von den Unternehmen“, sagt Nikola Kurpas und freut sich sichtlich für ihre Schützlinge. Einige darunter hätten anfänglich aufgrund schlechterer Noten nicht viele Chancen gehabt, hätten dann aber im direkten Gespräch überzeugt. Lob gab es aber auch von den teilnehmenden Firmen und Institutionen für die Veranstaltung selbst. Als „Super-Sache“ bezeichnet Melike Gebhard, die bei der Verwaltung der Gemeinde Taufkirchen tätig ist, die Bewerber-Rallye. „Ich wünschte, dass es so etwas schon zu meiner Schulzeit gegeben hätte, das hätte mir damals sehr geholfen“, so die 26-Jährige. krb

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