Unterhaching 

Krähen stören Friedhofs-Frieden

Es soll ein Ort der letzten Ruhe, der Besinnung und der Andacht sein. Momentan gleicht der Friedhof in Unterhaching aber eher einer Bühne für ein Krähenkonzert. Zudem verschmutzen die Vögel die Gräber. Die Senioren sind genervt. Ein besonderes Gerät könnte jedoch Abhilfe schaffen.

Die Sonne scheint, der Himmel leuchtet in strahlendem Blau. Dennoch hält sich Heidemarie Rebele einen Regenschirm über den Kopf. Fest umklammert sie den Griff mit beiden Händen, während sie auf das Grab im Unterhachinger Friedhof zugeht, in dem geliebte Menschen aus ihrer Familie beerdigt sind. Dabei dient ihr der Schirm nicht etwa als Sonnenschutz, wie man vielleicht zunächst meinen würde, nein, Heidemarie Rebele schützt sich vor Vogelkot. „Schon einige Male haben mich die Vögel damit getroffen“, schimpft die Unterhachingerin. Mit Vögel sind die Saatkrähen gemeint, die sich auf den großen Bäumen auf dem Unterhachinger Friedhof häuslich eingerichtet haben — unter anderem direkt über Rebeles Familiengrab. „Jedes Jahr von Februar bis Juni brüten die Krähen hier und wir haben den Ärger mit ihnen!“ Denn der Vogelkot ist nicht nur äußerst schlecht für die Kleidung, auch die Grabsteine und Gräber an sich werden durch ihn stark in Mitleidenschaft gezogen. Notdürftig haben die betroffenen Grabbesitzer die Grabsteine beziehungsweise die ganzen Gräber mit Folie eingewickelt. „Sauber machen hab‘ ich schon längst aufgegeben“, sagt Rebele. „Ich putze und reinige den Stein und einen Tag später sieht es wieder genauso aus wie vorher.“

Und tatsächlich sieht es in dem Bereich unter den Bäumen wüst aus. Die Wege sind komplett weiß vor lauter Vogelkot, ebenso die Gräber und Grabsteine. Überall liegen kleine und größere Äste rum, mit denen die Krähen ihre Nester bauen. Hinzu kommt der Lärm, den die Vögel produzieren. „Das hier ist doch eine Gedenkstätte, wo man lieben verstorbenen Menschen nah sein will“, sagt Rebele. „Das muss man doch pflegen!“

Immer wieder haben sie und andere betroffene Senioren die Gemeinde Unterhaching um Hilfe gebeten. „Da wurde mir gesagt, ich müsse mich bei den Naturschutzbehörden in München melden“, erklärt die Rentnerin. Dort habe man nur darauf hingewiesen, dass die Saatkrähen unter Naturschutz stehen. Danach habe sich die Sache im Sand verlaufen.

Nachdem die Verschmutzungen heuer jedoch wieder besonders schlimm sind, wandte sich eine Gruppe von verzweifelten Senioren — die anonym bleiben wollen — nicht nur an unsere Zeitung, sondern auch an Catia Hilgart, die sich seit gut einem Jahr für ein lebenswerteres Unterhaching stark macht. „Da muss etwas passieren!“, findet die 54-Jährige und befasste sich mit dem Thema. „Ich bin tatsächlich auf eine Lösung gestoßen“, sagt sie. Einen sogenannten Bird Gard.

Genau wie wir Menschen kommunizieren Vögel miteinander. Ihre Kommunikation ist das Vogelgezwitscher. Die Vögel nutzen diese „Sprache“ natürlich auch, um sich vor Gefahren zu warnen. Genau diese Warnschreie und Panikschreie kann das Bird Gard Gerät wiedergeben. „Die Lautsprecher werden an den Bäumen in- stalliert, sodass die Krähen die Warnrufe wahrnehmen und so das Gebiet künftig meiden“, sagt Hilgart. Theoretisch könne man den Bird Gard auch in Kombination mit einem Falkner einsetzen. „Die Vögel sind schlau und würden irgendwann kapieren, dass keine echte Gefahr droht, wenn nicht auch ein Raubtier sichtbar ist“, erklärt Hilgart. Allerdings braucht man hierfür — ebenso wie für alle Vergrämungsmaßnahmen der geschützten Tiere — eine Sondergenehmigung von den höheren Naturschutzbehörden.

Eine solche Sondergenehmigung für den Einsatz der Bird Gards hat die Stadt Puchheim bekommen. „Wir haben die Geräte heuer das zweite Jahr installiert und es funktioniert sehr gut“, berichtet Monika Dufner vom Umweltamt der Stadt. Kostenpunkt für ein solches Gerät: „rund 1000 Euro“. Man muss allerdings beachten, dass die Geräte nicht während der Brutzeit eingeschaltet werden dürfen. „Unterhaching müsste sich also nur um eine Sondergenehmigung kümmern und die Geräte anschaffen“, sagt Hilgart. Damit würde den Bürgern sehr geholfen. Trotz rechtzeitiger Anfrage bei der Gemeinde Unterhaching zu dem Thema lag uns bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

tb

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