Viel Lärmen um den Lärmschutz in Unterhaching

Ergebnis des Lärmschutzgutachtens erfüllt Erwartungen nicht

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Eine Lärmschutzwand an der A995 wünschen sich viele Unterhachinger Anwohner. 

Spannung im Unterhachinger Gemeinderat: Das langersehnte Lärmschutzgutachten ist da. Doch leider erfüllt es die Erwartungen vieler Anrainer der Autobahnen A8 und A995 nicht. Die engagierte Bürgerin Catia Hilgart hat derweil einen weiteren Lösungsvorschlag für das Lärmproblem.

„Diesen Schmarrn kann man sich ja nicht weiter anhören“, machte ein Unterhachinger Anrainer der Autobahn A995 seinem Ärger in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Luft. Geschlossen verließen er und rund 20 weitere Anwohner den Sitzungssaal.

Catia Hilgart setzt sich für eine Lärmschutzwand ein.

Sie alle waren gekommen, um sich die Präsentation des lange ersehnten Lärmschutzgutachtens anzuhören. Doch dieses fiel anders aus, als es sich die Autobahnlärm-geplagten Anwohner erhofft hatten. Eins ist zwar sicher: Es ist laut, sogar sehr laut durch die beiden Autobahnen A995 und A8 sowie die Durchgangsstraßen. Aber auch mit neuesten Berechnungen noch immer nicht laut genug, um von einer Gesundheits- oder Eigentumsverletzung auszugehen und damit ein Recht auf Lärmschutz zu haben. Mit 66,3 Dezibel am Tag und 57,8 in der Nacht liegt man knapp unter den Grenzwerten von 70 sowie 60 Dezibel. Es bleibt also dabei, Unterhaching müsste die Lärmschutzmaßnahmen aus eigener Tasche bezahlen. Abgesehen davon, gar nichts zu machen, zeigte der Experte vom Fachbüro Müller-BBM, Thorsten Otto, die Möglichkeiten auf: ein Tempolimit auf 80 Stundenkilometer tags und nachts, die Errichtung einer zwei beziehungsweise drei Meter hohen Lärmschutzwand sowie eines fünf Meter hohen Walls.

„Ich bin sehr enttäuscht“, äußerte sich Catia Hilgart, die Initiatorin der Unterschriftensammlung für mehr Lärmschutz. „Das 50.000 Euro teure Gutachten ist nur eine Szenario-Analyse mit ein paar Varianten, die wir gar nicht gebrauchen können. Pure Geldverschwendung!“ Ein Tempolimit etwa — für das sich beispielsweise Christine Helming (Grüne) und Peter Wöstenbrink (SPD) in der Sitzung aussprachen — könne nur als Ergänzung gesehen werden. Auch wenn Hilgart nicht glaubt, dass das passieren wird. „Mit was glauben die denn, ihr 80/80 durchsetzen zu können, wenn die zuständigen Behörden klar Nein sagen?“, fragt sie sich. Zudem seien wirtschaftliche Aspekte in dem Gutachten überhaupt nicht aufgetaucht. Sie fühle sich veräppelt und nicht ernst genommen.

„50.000 Euro und wir sind nicht schlauer als vorher“, sagte die 54-Jährige. Ihrer Meinung nach hätte sich das Gutachten auf den Wall konzentrieren müssen: „Es wurde nicht geprüft, was ein sieben-Meter-Wall bringen würde oder wenn man auf den fünf Meter hohen Wall noch eine zwei Meter hohe Parabol-Wand beziehungsweise eine gerade Wand drauf baut.“ Auch wie die Gemeinde bei der Errichtung eines Walls ordentlich Kosten sparen könnte, weiß die engagierte Unterhachingerin. „Das Zauberwort heißt zweite S-Bahn-Stammstrecke“, sagte sie. Doch was hat nun der Bau der Stammstrecke mit dem Lärmschutz-Wall in Unterhaching zu tun? „Ganz einfach!“, weiß Hilgart. Wie wäre es, wenn man das Aushubmaterial der zweiten Münchner Stammstrecke neben die A995 kippen würde? „Ein Teil des Materials geht in Bergwerke, ein weiterer in Betonmischanlagen, doch gibt es auch Schichten, die würden hierher passen“, hat Hilgart herausgefunden und spricht von einer Win-Win-Situation. Bund und Land, die den Stammstreckenbau hauptsächlich finanzieren, würden insofern Geld sparen, dass sie kein Geld für den Abtransport der Erde zahlen müssten. Das gilt zumindest für den 1,4 Kilometer langen Streifen von der Isartalstraße bis zur Anschlussstelle Unterhaching Nord, auf dem einst die alte Wand stand. Für die Fläche direkt neben der Fahrbahn ist die Autobahndirektion Südbayern zuständig, für den Wald dahinter die bayerischen Staatsforsten. „Und Unterhaching könnte die Erde wahrscheinlich sogar umsonst kriegen“, erklärte Hilgart die Idee. Sie müsse dann nur untersucht werden, ob sie sich auch für den Wall-Bau eigne. „Unser Bürgermeister, Herr Panzer, müsste also nur noch mit den Kontakten, mit denen ich gesprochen habe, reden“, so Hilgart. Und das sind einige an der Zahl. Die Unterhachingerin steht bereits mit dem Forst- revier, der Deutschen Bahn, dem Ministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr sowie der Autobahndirektion Südbayern in Kontakt. „Es wäre schön, wenn der Bürgermeister sich unserer Idee annimmt und auf die Behörden zugeht“, findet Hilgart. So könne er der Gemeinde viel Geld sparen. „Aber es pressiert!“ Denn bereits im Herbst will die Bahn Teile für die Stammstrecke in Haidhausen ausheben. „Die Erde will ich nicht verpassen“, so die Unterhachingerin. Im Rathaus gehe man ihr zu träge an die Sache ran. „Wir verpassen eine einmalige Chance, das ist der Wahnsinn“, so Hilgart.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) kündigte währenddessen im Gemeinderat an, mit dem Gutachten nun etwas an der Hand zu haben, um weitere Gespräche zu führen. „Wir müssen uns nun mit dem neuen Ministerium auseinandersetzen“, sagte er. Die Zuständigkeiten haben sich seit Markus Söders Amtsantritt als Ministerpräsident geändert. Jetzt ist Ilse Aigner für Bauen und Verkehr verantwortlich. „Tempo 80 wurde bisher abgelehnt, aber nun gibt es eine neue Ministerin, vielleicht hat die ja andere Ansichten“, hofft der Bürgermeister. Bernard Maidment (FDP) und Richard Raiser (CSU) kritisierten das ausschließliche Beharren auf Tempo 80 als „ziemlich einseitig“. Ein Tempolimit liege nicht in der Hand der Gemeinde, sondern des Verkehrsministeriums, so Raiser. „Im Sinne der Bürger sollten wir die Variante Wall plus Wand nicht begraben.“

Das gesamte Lärmschutzgutachten steht auf der Homepage der Gemeinde unter www.unterhaching.de zum Download zur Verfügung. 

tb

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