Neue Kleinkunstbühne

Überraschend, innovativ und grenzenlos

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Werner Reischl ist gelernter Finanzwirt. „Nun gehe ich in Rente und möchte etwas Anderes mit meiner Zeit anfangen“, sagt er und gründet derzeit in Deisenhofen eine Kleinkunstbühne.

Kunst und Kultur werden großgeschrieben im Hachinger Tal. Die Kulturämter der Gemeinden Oberhaching, Unterhaching und Taufkirchen bieten dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm. Von Kabarett über Theater, Konzerte und Musicals — alles ist dabei. Eine neue Nische möchte nun der Erdinger Werner Reischl in Deisenhofen besetzen: das Genre der Kleinkunst. Künftig bietet er im Saal der Gaststätte Weißbräu Newcomern und wenig bekannten Künstlern eine Bühne. Premiere ist am 10. Februar.

Ob Kabarett, Theater, Musikshows oder Lesungen — das Angebot kultureller Ereignisse ist vielfältig. Doch dafür immer in die Stadt, nach München, fahren – „lästig“, werden mit Sicherheit einige Menschen aus dem Landkreis denken. Doch muss man für sehenswerte kulturelle Events und Ereignisse wirklich immer in die Großstadt? Keineswegs! Beispielsweise im Hachinger Tal setzen drei Kulturämter alles daran, für ihr Publikum ein abwechslungsreiches Kulturprogramm auf die Beine zu stellen: das Unterhachinger Kulturzentrum Kubiz, das Kultur- und Kongress-Zentrum Taufkirchen sowie Kultur auf dem Oberhachinger Kyberg. 55 Kulturveranstaltungen gab es allein in Taufkirchen im Jahr 2016 zu bewundern, in Oberhaching waren es im Erwachsenenbereich 60 und in Unterhaching sogar 106 Events. Und das Angebot kommt bei den Menschen im Hachinger Tal gut an: „Im vergangenen Jahr haben wir knapp 25.000 Tickets verkauft“, freut sich die Leiterin des Unterhachinger Kubiz, Ursula Maier-Eichhorn. Und in dieser Zahl seien noch nicht einmal die kostenfreien Veranstaltungen enthalten. Rund 12.000 Besucher konnte das Kulturamt in Oberhaching 2016 zählen. „Das Hachinger Tal wird von Menschen bewohnt, für die Kultur eine ganz wichtige Rolle im Leben spielt“, glaubt daher Leiterin Eva Hofmann. Auch in diesem Jahr möchte man in Unter- und Oberhaching wieder Zahlen ähnlicher Größenordnung erzielen.

Als besonderen Höhepunkt 2016 bezeichnet die Unterhachinger Kultur-Expertin das Konzert mit dem mittlerweile verstorbenen Hugo Strasser, das Ende Februar im Kubiz stattfand. Michael Blume und sein Team vom Taufkirchner Kulturamt erinnern sich an den Auftritt von Senta Berger. Man sieht, die Kulturämter im Hachinger Tal geben sich alle Mühe, auch namhafte Künstler für einen Auftritt zu gewinnen. Ein wenig anders geht Werner Reischl aus Erding vor. Er möchte wenig bis gar nicht bekannten Künstlern in Deisenhofen eine Plattform bieten, ihr Können vor Publikum unter Beweis zu stellen. Das Genre: Kleinkunst. Eigentlich ist Reischl ein Finanzwirt, der als Dozent und Trainer seine Erfahrungen mehr als 30 Jahre lang bei Vorträgen, Seminaren und Coachings weitergegeben hat. „Nun gehe ich in Rente und möchte etwas Anderes mit meiner Zeit anfangen“, sagt der 61-Jährige. Schon lange habe er die Idee einer Kleinkunstbühne im Kopf gehabt. Inspiriert zu dieser Idee habe ihn das ehemalige Stadttheater in Erding, in dem unter anderem Michael Mittermeier und Monika Gruber in deren Anfangsjahren aufgetreten sind.

In Manuel Contreiras, dem Pächter der Gaststätte Weißbräu am Deisenhofener Hubertusplatz, fand Reischl nun einen Partner und Gastwirt für sein Projekt. „Das Weißbräu verfügt über einen Saal, in den rund 80 Leute passen“, erklärt Reischl. Dort soll eine mobile Bühne für die Kleinkünstler aufgebaut werden. Mobil deswegen, weil sie, wenn erforderlich, ab- und woanders wieder aufgebaut werden kann. „Im Sommer können somit auch Veranstaltungen im Biergarten stattfinden“, freut sich der Gründer. Hierbei sollen alle Genres, die es auf dem Kleinkunstmarkt gibt, abgedeckt werden. Reischl fasst es wie folgt zusammen: „Jeden Tag geht irgendwo irgendjemand durch irgendeine Tür und weiß davor nicht, was ihn dahinter erwartet. Und trotzdem geht er hinein!“ Die Menschen sollen immer wieder mit den verschiedensten Künstlern und Bereichen überrascht werden — von Liedermachern, Dichtern, Wortspielern und Zauberern bis hin zu Kabarettisten und Musikern. „Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt!“

Für die Premiere der Deisenhofner Kleinkunstbühne konnte Reischl das Zartcore-Duo, das besondere Lieder eigenwillig interpretiert, gewinnen. Auch die Kabarretisten „HüperBell“ und „WimmerX“ sowie der Liedermacher „Dane Diredare“ haben ihre Auftritte bereits zugesagt — genaue Termine gibt es allerdings noch nicht. Wie vorerst alle Veranstaltungen soll auch die Premiere am Freitag, 10. Februar, um 19.30 Uhr im Weißbräu am Hubertusplatz 5 kostenlos sein. „Natürlich werden Spenden gerne angenommen“, sagt Reischl. Deswegen könne er den Künstlern keine festen Gagen bieten, vielmehr möchte er ohnehin „wenig und gar nicht bekannten Künstlern Auftrittsmöglichkeiten verschaffen und ein Fenster sein für eine Szene, die sich in dem Genre Kleinkunst zuhause fühlt“. Hierbei können sich alle Kunstschöpfer, die gerne in Deisenhofen auftreten würden, bei Werner Reischl per E-Mail an info@werner-reischl.de melden. „Ich freue mich über jede Anfrage“, sagt der Erdinger.

Auch er selbst wirkt, neben seiner Position als Moderator, mit: „In Kürze biete ich ein Frühschoppengespräch an“, sagt er. Voraussichtlich an einem Sonntagvormittag sollen bei Frühstück und dem ein oder anderen Weißbier aktuelle Themen besprochen und diskutiert werden. „Ich bin sehr gespannt, wie es anläuft“, sagt Reischl.

Doch was sagen die Kulturämter zu dem neuen kulturellen Angebot im Hachinger Tal? „Eine Kleinkunstbühne für New- comer oder weniger bekannte Künstler ist sicher eine gute Ergänzung zu den Programmen der etablierten Veranstalter, die zumeist große Säle füllen müssen“, findet Kubiz-Chefin Ursula Maier-Eichhorn. Auch in Taufkirchen hält man die Kleinkunstbühne nicht für eine Konkurrenz: „Wir sehen die anderen Kulturämter als Mitbewerber und als Inspiration unser Programm weiterhin attraktiv zu gestalten. Die ‚Open Stage‘ in Deisenhofen wird sicher eine Bereicherung für die kulturelle Landschaft im Landkreis München!“ Eva Hofmann aus Oberhaching ist überzeugt, dass Vielfalt das Geschäft, aber auch die kulturelle Landschaft bereichere. Denn: „Eine kulturelle Monokultur würde Verarmung bedeuten.“

Weitere Infos zur Kleinkunstbühne in Deisenhofen sind im Internet unter www.werner-reischl.de/mm-os-deisenhofen/ zu finden.

Tanja Buchka

Kultur im Hachinger Tal im Januar

Kultur- und Kongress-Zentrum Taufkirchen (Köglweg 5):

• Samstag, 14. Januar, um 20 Uhr: Konzert mit Hannes Ringlstetter und Band

• Samstag, 21. Januar, um 19 Uhr: Neujahrskonzert

• Freitag, 27. Januar, um 20 Uhr: Stefan Kröll: „Projekt Minga“

• Samstag, 28. Januar, um 20 Uhr: Best of Queen Show: „A Tribute to Freddie Mercury

Kubiz Unterhaching (Jahnstraße 1):

• Montag, 9. Januar, um 20 Uhr: Axel Hacke: „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“

• Sonntag, 15.Januar, um 19 Uhr: Oper, Operette, Musical - Die schönsten Melodien der Welt

• Freitag, 20. Januar, um 20 Uhr: „Cocktail für eine Leiche“, Kriminalstück (Gastspiel des Berliner Kriminaltheaters)

Kulturamt Oberhaching (Alpenstraße 11):

• Donnerstag, 12. Januar, um 20 Uhr, Bibliothekssaal: Musik und Antipasti — „Vucciria: Eine Liebeserklärung an Sizilien“

• Sonntag, 15. Januar, um 20 Uhr, Bürgersaal beim Forstner: „Wellbappn“, Musikkabarett

• Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 29. Januar: elftes Festival für Kammermusik, Literatur und Weltmusik

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