Eigenständige Sportart statt bloßer Pausenfüller

Cheerleading bei den Green Storm Cheer

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Wurfeinlagen gehören zu jedem Programm der Cheerleader.

Die Jumps der „Supernovas“ lassen Zuschauern den Atem stocken. Pike, Double Nine oder Spreade Eagle heißen die Sprungserien, bei denen die Mädels des Cheerleading-Clubs Green Storm Cheer aus Unterhaching mit waghalsigen Verrenkungen, Schrauben und Salti durch die Lüfte schweben. Zwei Minuten lang und mit Höchstschwierigkeiten gespickt ist ein Wettkampfprogramm des Teams.

Cheerleading kommt aus den USA. „Das Publikum zum Beifall führen“ ist die sinngemäße Übersetzung. Die Anfänge der Sportart reichen bis 1898 zurück, lange waren Cheerleader vor allem dazu eingesetzt, die eigenen Teams im American Football oder Basketball während der Spiele anzufeuern und die Zuschauern bei Auszeiten und in der Halbzeit zu unterhalten – mit einem exakt choreographierten Mix aus Turnen, Akrobatik, Tanz, Sprungeinlagen sowie Schreien und Zurufen. Bis heute ist das noch so. Und doch ist das Cheerleading mittlerweile emanzipiert, als selbständiger Wettkampfsport im nationalen und internationalen Bereich.

Cheftrainierin Lucy Sommer und ihre Mitstreiter gründeten dann auch ganz bewusst 2011 einen eigenständigen Verein. „Cheerleading ist als Abteilung von großen, traditionellen Vereinen oft nicht die priorisierte Sportart“, weiß Sommer. Man wollte aber die eigenen Athletinnen und Leistungen ins Blickfeld rücken. Hauptprogramm statt Pausenfüller. Seither erorbert der „grüne Sturm“ die Bühnenwelten in nahezu allen Altersklassen. Von der Tiny-Gruppe der Drei- bis Fünfjährigen bis zu den Besten des Vereins, den „Supernovas“. Vertrauen in sich selbst und die Gruppe, Körperspannung und Konzentration sind laut Sommer essentielle Voraussetzungen.

Bei den Deutschen Meisterschaften 2017 qualifizierte sich diese Formation für den IASC in Orlando – im März 2018 wieder eines der weltweit größten Events der „Branche“ in Florida (USA). „Das ist natürlich etwas ganz Besonderes“, betont Lucy Sommer. Zwar seien die Mädels bereits bei internationalen Wettkämpfen in Frankreich oder England aufgetreten. „In den USA anzutreten, das wird aber ein ganz tolles Erlebnis.“

Dafür muss alles präzise passen. Die „Supernovas“ haben längst wieder im Training Aufstellung genommen. Zurufe klären Zuständigkeiten, Synchronität wird zum Programm. Jetzt formieren sich einzelne Gruppen zum „Basket Toss“. Zwei der Mädels, die sogenannten „Bases“, umschließen ihre Handgelenke zu einer Art Korb. Der „Flyer“, ein schwebendes Leichtgewicht der Lüfte, steigt in diesen „Korb“ und wird in die Höhe katapultiert – wobei die Athletin anmutige Schrauben und Wendungen in die Halle zaubert. Geschafft. Pause für Applaus gibt es jetzt aber keine. Bei der abschließenden Pyramide bilden die Sportlerinnen in mehrstöckigen Hebefiguren unterschiedliche Formationsbilder heraus. „Das machen wir gleich noch mal“, ruft der Headcoach. Schließlich haben sich die „Green Storm Cheer“ für Orlando 2018 viel vorgenommen. Da müssen nicht nur die „Jumps“ sitzen. 

Harald Hettich

Das ist der „grüne Sturm“ aus Unterhaching

70 Mitglieder sind im Verein organisiert. Acht Trainer, allesamt ehemalige oder aktuelle Aktive, kümmern sich um die jungen Athletinnen. Der Vereinsname basiert auf dem Design des Outfits. Jedes Team nimmt pro Jahr an etwa einem halben Dutzend Turnieren teil. Nachwuchs ist immer willkommen. Bei bis zu drei Probetrainings kann man „schnuppern“ – das gilt übrigens auch für Jungs, die im Sport klar in der Minderheit sind. Infos unter www.green-storm-cheer.de.

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