Erfolgreich – auch ohne das große Geld

Basketballer des TSV Oberhaching setzen sich hohe Ziel

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Die Stimmung in der Kabine ist die Basis für den Erfolg der Mannschaft.

Während viele Vereine der Regionalliga mit finanzkräftigen Sponsoren arbeiten, geht der TSV Oberhaching einen anderen Weg. Mit Teamgeist und familiärem Klima startet er durch.

Spielmacher John Boyer glänzt mit einem „No-Look-Pass“ auf Markus Hübner: Er täuscht einen Wurf an, doch während die gegnerischen Verteidiger sich dadurch blenden lassen, folgt stattdessen ein geniales, blitzschnelles Zuspiel auf den eigenen Center direkt unter dem Korb. Moritz Wohlers steigt unwiderstehlich hoch und nagelt den Basketball förmlich durch die Reuse. Zwei weitere Punkte für die „Tropics“. Attraktiver Basketball gepaart mit einem locker-lässigen Lebensgefühl – dafür steht nach Aussage der höchst erfolgreichen Korbjäger des TSV Oberhaching der eigene Teamname.

Seit vielen Jahren machen die Basketballer vom Kyberg mächtig Furore in der Szene. Nach Serienaufstiegen vor gut einem Jahrzehnt aus den Tiefen der Kreisklasse sind die Gelbhemden mittlerweile fest etablierter Bestandteil der 1. Regionalliga und Aushängeschild der Korbjagd im Münchner Speckgürtel. Offiziell höchste Amateurspielklasse unter den Bundesligen, wird auch in der Regionalliga bereits viel Geld investiert. Zumindest andernorts. Nicht in Oberhaching.

Hier hat der Verein aus dem Mangel großer Geldflüsse längst eine Tugend ganz anderer Art entwickelt. Oberhaching glänzt durch einen überragenden Teamspirit, ein harmonisches Zusammenwirken aller Kräfte vor Ort und gewachsene Freundschaften im Team und darum herum.

Vor wenigen Wochen hat die neue Punkterunde in der Vierzehnerliga mit Teams aus Bayern, Thüringen und Sachsen begonnen. Nach einer unglücklichen Niederlage zum Auftakt gegen Liga-Top-Favorit Baskets Vilsbiburg sammelten die Oberhachinger gegen die renommierten Ost-Teams aus Zwickau und Gotha zuletzt zwei wichtige Siege auf dem langen Weg zum angestrebten Platz im oberen Tabellensegment.

Ein wichtiger Erfolgsgarant rund um die Heim-Spielstätte des Oberhachinger Gymnasiums ist neben den seit Jahren rührig im Hintergrund werkelnden TSV-Vorständen Bernd Schubert und Gunther Wünsche vor allem der eigene Headcoach Mario Matic. Bereits zweimal avancierte der Deutsch-Kroate zum Trainer des Jahres in der Regionalliga. Nach Höhenflügen bis in die Pro-Ligen in Nördlingen schwingt der charismatisch-freundliche Riese mit dem markanten Glatzkopf im zweiten Jahr das Zepter in Oberhaching. Nach einer Übergangssaison drückte Matic dem TSV vor dieser Saison so richtig den eigenen Stempel auf. Neun Neuzugänge und Rückkehrer verleihen den Tropics nicht nur eine stark veränderte Optik. „Wir sind qualitativ auch besser geworden“, weiß Matic. Für die hohe Qualität im Kader steht ein Name. „John Boyer hätten wir nie bekommen, wenn es bei einem Wechsel ums Geld ginge“, verrät Matic. In der vergangenen Saison war der Amerikaner noch einer der ligaweit erfolgreichsten Akteure in den Reihen der Vilsbiburger. „Doch weil John sich beruflich Richtung München orientiert hat, er Freude am Basketball mit guten Freunden haben möchte und gleichzeitig ambitioniert ist, konnten wir ihn für uns gewinnen“, erklärt Matic. Leicht war die Verpflichtung trotzdem nicht. Die Ligakonkurrenz an der Isar ist mit dem MTSV Schwabing und dem finanzstarken Aufsteiger Hellenen München bestens bestückt. Da hilft es sehr, dass Matic in der Branche einen fachlich tollen Ruf genießt und über beste Beziehungen verfügt. Powershooter wie Wohlers oder Hübner folgten dem Ruf vom Kyberg – und machen erfolgreichen Team-Basketball erst möglich.

Experten trauen den Tropics in dieser Saison sehr viel zu. Sollte sogar die Meisterschaft glücken, müssten die Verantwortlichen über einen Aufstieg in die Profiliga „Pro B“ nachdenken. Dann müsste allerdings der noch überschaubare Pool an Sponsoren endgültig erweitert werden. Noch ist Oberhaching anspruchsvolles Dorf-Idyll im Spitzensport der Korbjäger-Branche. Das könnte sich aufgrund der erfolgreichen Arbeit der Akteure im „Family-Business“ auf dem Kyberg aber rasch ändern. Auf dem Schirm hat die Branche Bayerns gallisches Basketballdorf längst. 

Harald Hettich

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