Sowas wie der Enkeltrick?

Anrufe vom Bayerischen Sicherheitsinstitut irritieren Unterhachinger

Gibt es nun neben dem bisher bekannten Enkel- oder Polizeitrick eine weitere Betrugsmasche? Seltsame Anrufe vom Bayerischen Sicherheitsinstitut haben einige Unterhachinger darauf schließen lassen. Die Polizei gibt nun Entwarnung. Vorsicht bei derartigen Anrufen ist dennoch wichtig.

Als Tina S.* aus Unterhaching kürzlich einen Anruf vom Bayerischen Sicherheitsinstitut erhielt, war sie ziemlich verwundert. Ein Herr am Telefon erklärte ihr, dass sich laut Polizei-Statistiken derzeit die Einbrüche häufen würden. Das Sicherheitsinstitut wolle nun einen Mitarbeiter zu Tina S. schicken, um einen sogenannten Sicherheitscheck in ihrer Wohnung durchzuführen und sie gegebenenfalls auf Hersteller von Sicherheitsschlössern weitervermitteln. „Der Mann klang eigentlich sehr freundlich“, sagt Tina S. gegenüber HALLO. „Seltsam fand ich aber, dass er meinen Namen kannte, obwohl dieser nicht im Telefonbuch steht.“ Tina S. reagierte besonnen und erklärte dem Herren, dass er sich für so etwas an den Mieter wenden solle. Nachdem sie aufgelegt hatte, rief sie die Polizei. Diese bestätigte ihr, dass es seit einer Woche vermehrt Anrufe dieser Art in Unterhaching gegeben hatte. Einige Bürger wurden daraufhin stutzig und fragten die Polizei, ob diese Firma polizeilich bekannt sei. „Ich dachte ja sofort an den berühmten Enkeltrick“, sagt auch Tina S. Bei diesem geben sich potentielle Räuber am Telefon als Enkel aus, um ältere Menschen in ihrer Wohnung auszurauben. Doch die Polizei gibt Entwarnung: „Die Anrufe klingen zwar zunächst seltsam, doch nach einigen Nachforschungen stellte sich heraus, dass es sich lediglich um eine in München ansässige Firma handelt, die derzeit vermehrt eine sogenannte Kaltakquise durchführt“, erklärt Polizeihauptkommissar Stefan Schraut.

Der Schuss ging nach hinten los

Offenbar will das Unternehmen Mittel für Sicherheitsmaßnahmen für die Wohnung verkaufen. Bei der Kaltakquise werden verstärkt neue Kunden angeworben. Gerade bei jungen Unternehmen ist das ein beliebtes Mittel, um die Bekanntheit zu erhöhen. Doch in diesem Fall ging der Schuss wohl nach hinten los. Das Auftreten des Herren am Telefon hat viele Unterhachinger eher verschreckt, statt sie zum Kauf anzuregen. Auch steht diese Form der Kundengewinnung häufig in Kritik, da sie von vielen Angerufenen als lästig und unseriös empfunden wird. Wer diese Art der Anrufe nicht wünscht, kann eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen. Diese schützt Verbraucher vor unerwünschter Werbung und geht Firmen dieser Art nach. Im Internet kann unter dem Punkt „Unerlaubte Telefonwerbung“ ein Beschwerdeformular ausgefüllt werden, erklärt Polizist Stefan Schraut. Tina S. macht sich vor allem Sorgen um ältere Mitbürger, die aus Gutgläubigkeit fremde Menschen in ihre Wohnung lassen. „Ich habe gleich meine älteren Nachbarn in meinem Mietshaus gewarnt“, sagt sie. Die Nummer, von der Tina S. angerufen wurde, lautete 207042238. Diese findet sich auch im Internet unter dem Namen Bayerisches Sicherheitsinstitut. Auf HALLO-Anfrage gab ein Mitarbeiter des Unternehmens an, die Firma habe lediglich das Anliegen, Bürger in Bayern auf Sicherheitsfragen aufmerksam zu machen und zu informieren. Dafür werde künftig auch eine Internet-Seite eingerichtet, die derzeit noch im Entstehen ist. Nur auf ausdrücklichen Wunsch würden dann Sicherheitschecks in der Wohnung vorgenommen und Kontakt zu Herstellern vermittelt. 

Lydia Wünsch

*Name von der Redaktion geändert

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