Bayern in der Bringschuld als Volleyball-Grenzgänger

AlpenVolleys zwischen Innsbruck und Haching

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Die beiden Duelle gegen Herrsching gehörten zu den Highlights der bisherigen Saison.

Es ist das ungewöhnlichste Projekt im deutschen Sport: die Kooperation zwischen Hypo Tirol und dem TSV Unterhaching im Volleyball. Hannes Kronthaler will daraus ein Erfolgsmodell machen.

Im Sport geht es ums Gewinnen. Normalerweise. Bei Hannes Kronthaler liegt der Fall ein wenig anders. Der Bauunternehmer aus Innsbruck gewann mit seinen Volleyballern in Tirol zehn Mal in Folge die österreichische Meisterschaft – bei den letzten vier Titeln verlor er in der ganzen Saison kein einziges Spiel. Das langweilt irgendwann selbst Menschen mit großem Durst nach Erfolg. Jetzt ist er der Macher eines einzigartigen Volleyball-Projekts. Und die Bilanz von bislang 5:4 Siegen in der deutschen Bundesliga zeugt von genau der Spannung, die zuletzt in Kronthalers Volleyball-Leben fehlte: „Es war die tollste und beste Entscheidung. Ich bin sehr begeistert! Die deutsche Liga weiß gar nicht, was für ein starkes Produkt sie haben.“

Zu diesem Produkt gehören seit dieser Saison eben auch die Hypo Tirol AlpenVolleys, eine europaweit wohl einmalige Kooperation zwischen zwei Ländern – nach der Zusammenführung von Hypo Tirol und dem TSV Unterhaching. Bislang ist die Rollenverteilung klar verteilt. Aus Österreich kommt das Managment, das Knowhow, ein Großteil der Spieler im Kader – und das Geld. Unterhaching bringt vor allem die Möglichkeit in die Partnerschaft, überhaupt in der deutschen Liga zu spielen. Obwohl drei Teams (Rottenburg, Düren, Königs-Wusterhausen) sogar dagegen votierten. Aber das soll langfristig nicht so bleiben.

„Aus Haching ist mehr herauszuholen. Aus Tirol stemmen wir momentan das Budget von 1,3 Millionen Euro. Die gleiche Summe sollten wir auch in Bayern zusammenbekommen. Dann spielen wir auch finanziell oben in der Liga mit“, hat Kronthaler große Ziele.

Heuer soll es Platz fünf und damit die Qualifikation für den Europapokal sein. Nächste Saison will er ins Halbfinale. Und irgendwann soll das deutsche Finale in der Innsbrucker Olympiahalle entschieden werden – vor 4000 Zuschauern. Das sind seine Visionen. Und wer den Bauunternehmer kennt, zweifelt nicht an seinem Glauben daran, sie auch umzusetzen. Kronthaler ist Österreichs Rekordnationalspieler mit knapp 150 Länderspielen. Nach seiner Karriere übernahm er als Manager einen Verein ohne Geld und Perspektive – und führte ihn so weit, bis er sprichwörtlich an die österreichische Grenze stieß. Frustriert darüber, dass die notorisch erfolgslosen und klammen Fußballer und selbst die aufstrebenden Footballer in Innsbruck mehr Aufmerksamkeit erregten als seine Volleyballer.

Kronthaler ist ein Macher, eine gewisse Eitelkeit gehört dabei zum Programm. Über Jahre bestand der Volleyball in Österreich vor allem aus der Privatfehde zwischen ihm und seinem Wiener Konterpart, Peter Kleinmann. Auf deutschem Boden will er sich aber keinen Gegenspieler aufbauen, um daraus ein PR-Gerüst für die ganze Sportart zu bauen. „Ich bin wirklich von allen bislang sehr freundlich aufgenommen worden. Und auch die drei Teams, die gegen uns gestimmt haben, werden wir noch davon überzeugen, dass die AlpenVolleys der ganzen Liga gut tun.“

Auf drei Jahre ist die Kooperation erst einmal angelegt, dann setzt man sich mit der Liga noch einmal zusammen. Bis dahin soll sich auch der Kader dem Ideal annähern: ein Drittel Österreicher, ein Drittel Deutsche, ein Drittel starke Ausländer. Das nächste Spiel findet am Samstag, 6. Januar, ab 19 Uhr in Innsbruck statt. Gegner ist Königs-Wusterhausen.

mh

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