Ein stilles Mahnmal

ADFC stellt in Taufkirchen ein „Ghostbike“ auf

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Nicht das erste, aber das einzige sogenannte „Ghostbike“ steht von nun an in Taufkirchen. Der ADFC Hachinger Tal hat es dort als stilles Mahnmal platziert. Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (Mitte) begrüßt die Aktion sehr. Erich Wittmann vom ADFC (links) und seine Frau Brigitte kamen auch zur Einweihung des weißen Radls.

Mit einem „Ghostbike“ erinnert der ADFC an einen tödlichen Unfall in Taufkirchen. Doch nicht nur zur Erinnerung, vor allem als Mahnung soll das weiße Rad dienen. Erich Wittmann von der ADFC-Ortsgruppe Hachinger Tal erklärte bei der Einweihung den Hintergrund der aus den USA stammenden Idee.

„Vorbildlich mit dem Rad“, wie Erich Wittmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) befand, kam Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander zum Lindenring. Der Grund, wieso sich der Rathaus- chef auf seinem Drahtesel schwang, war hingegen traurig: Vor knapp zwei Jahren, am 24. Oktober 2016, kam an der Ecke Lindenring/Mehlbeerenstraße ein 78 Jahre alter Radfahrer ums Leben, als ein abbiegender Kastenwagen ihn übersehen hatte. Ihm zu Ehren und um andere Radfahrer auf die Gefahr an dieser Stelle aufmerksam zu machen, stellte der ADFC dort ein sogenanntes „Ghostbike“ auf. „Nicht das erste im Münchner Landkreis, aber das einzige“, erklärte Wittmann. Bereits im vergangenen Jahr wurde am Unterhachinger Sportpark ein „Ghostbike“ aufgestellt. „Doch die Witwe des dort Verunglückten meldete sich bei uns, dass das weiße Rad sie in ihrer Trauerbewältigung stören würde“, so Wittmann. Daraufhin habe man das Rad wieder entfernt. „Das Rad soll ja als Mahnmal fungieren und nicht die Angehörigen verärgern“, sagte Wittmann. In Taufkirchen folgt nun also ein neuer Versuch.

Die Idee der „Ghostbikes“ stammt aus den USA, jedoch werden die weißen Räder inzwischen weltweit in verschiedenen Städten und Gemeinden eingesetzt und sollen einerseits an den getöteten Radfahrer erinnern und andererseits auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen. In der Stadt München gibt es bereits sieben solcher Räder. „Es passiert so schnell, dass Lkw-Fahrer beim Abbiegen einen Radler übersehen“, sagte auch der Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Taufkirchen, Wolfgang Walser. Er selbst habe einen Lkw-Führerschein gemacht. „Uns wurde immer eingebläut, wie wichtig es ist, beim Abbiegen auf Radfahrer zu achten“, erinnerte er sich. Auch auf eigentlich übersichtlichen Kreuzungen wie der in Taufkirchen. „Man kann solche Unfälle nicht immer verhindern“, so Bürgermeister Sander. Aber sicherlich könne man sie durch Aufmerksamkeit aller reduzieren.

Auch die Gemeinde will indes nicht untätig bleiben: Man will die Bauhoffahrzeuge mit entsprechender Sicherheitssoftware ausrüsten. „Alles, was der Sicherheit dient, ist gut“, so Sander. Außerdem soll an besagter Kreuzung, Ecke Lindenring/Mehlbeerenstraße, der „verpflichtende Radweg“ überdacht werden. Radler müssen nämlich an dieser Stelle auf den geteilten Fuß- und Radweg fahren. Eigentlich soll dies dafür sorgen, die Radfahrer aus dem angrenzenden Kreisverkehr raus zu halten, führe aber — so Wittmann — eher zu „Verunsicherung“ auf beiden Seiten. Zudem seien die Radfahrer für die Autofahrer auf dem Fuß- und Radweg schlechter zu sehen als auf der Straße. Sander möchte auch in diesem Punkt nicht untätig bleiben. „Wir haben bereits ein Fachbüro mit einem Radverkehrskonzept für die Gemeinde Taufkirchen beauftragt. Dies sollte im Herbst fertig sein. Im Rahmen dessen werden wir auch nochmal die Regelung an diesem Kreisverkehr überdenken“, versprach der Bürgermeister.

tb

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