Kolumne: Motzi und Ich 

Warum ich mir manchmal wünschte, Motzi wäre ein Tamagotchi

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Motzi schien der perfekte Hund für HALLO-Redakteurin Lydia Wünsch. Doch so einfach lief das mit der Hundehaltung nicht. Davon berichtet sie in ihrer Kolumne.

Haar – Da waren wir also. Motzi und ich. Und sein Schließmuskel. Dabei lief anfangs alles ganz gut. Ich habe Motzi Gassi geführt, ihm das Futter gegeben, das das Tierheim mir mitgegeben hat. Ich habe ihn gekrault und die ersten Fotos von Motzi für meine Insta-Story gemacht. Er kam gut an. Ich bekam viele Likes. Alte Freunde, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte, meldeten sich bei mir und wollten mit mir und Motzi Gassi gehen. Läuft!

So lange, bis es Abend wurde und wir ins Bett gingen. Neben meinem Bett habe ich eine Decke und ein Kissen gelegt. Keine Ahnung, ob Hunde ein Kissen brauchen, aber es war eine schöne Geste, fand ich. Schließlich sollte Motzi sich willkommen fühlen. Doch Motzi schien der Platz nicht zu gefallen. Rastlos tigerte er in meiner Zwei-Zimmer-Wohnung umher. Ich ließ die Schlafzimmertür offen. So konnte Motzi sich selbst entscheiden, wo sein Schlafplatz sein sollte. Zunächst legte er sich entschlossen in die Küche. Er wollte es wohl langsam angehen lassen. Das respektierte ich. Ich schlafe auch nicht gerne mit völlig Fremden.

Doch als ich mitten in der Nacht aufstand, um zur Toilette zu gehen, sah ich Motzi auf dem Badezimmerteppich. Er sah mich verzweifelt an und hechelte ziemlich heftig. In mir kroch sofort Panik hoch. Hatte er nicht heute beim Gassigehen etwas Seltsames gefressen? Was, wenn es ein Giftköder war? Wenn mir in der ersten Nacht schon ein Tier wegstirbt, gibt mir das Tierheim sicher nie wieder einen Hund! Ich streichelte Motzi und versuchte, ihn zu beruhigen. Da leckte er mir zum ersten

Mal die Füße. Ich kannte mich nicht gut mit der Hundesprache aus, schätzte es aber als ein Zeichen der Dankbarkeit ein. Langsam beruhigte er sich und ich ging wieder ins Schlafzimmer, meine Türe blieb offen. Mit geöffneten Augen lag ich im Bett und hörte, wie Motzi sich langsam ins Zimmer robbte, bis er irgendwann doch auf der Decke landete, und wir beide einschliefen. Ich wurde erst wieder wach, als ich einen seltsamen Geruch im Zimmer bemerkte. Das war sicher nur ein Furz, versuchte ich mich selbst zu beruhigen. Ich war jetzt sehr müde und wollte die Wahrheit lieber erst morgen sehen.

Das tat ich auch. Am nächsten Morgen konnte ich es nicht mehr leugnen. Zwei riesengroße Hundehaufen lagen mitten auf meinem neuen altroséfarbenen Teppich, der so gut zu den gelben Vorhängen passte. „Hättest du nicht daneben auf den Laminat kacken können?“, fragte ich Motzi vorwurfsvoll, bevor ich mich daran machen, Tüten und einen Mülleimer zu holen. Kurz dachte ich an mein Tamagotchi, das ich als Kind besessen hatte. Mit ein paar Knopfdrücken, waren die Kothäufchen beseitigt und Tamagotchi war wieder glücklich. Mit Motzi war das weitaus schwieriger, seine Haufen stanken wirklich bestialisch, und selbst durch die Tüten spürte ich, wie warm und feucht sie waren. Mir wurde übel und es trieb mir die Tränen in die Augen. Als ich beim zweiten Haufen angekommen war, musste ich eine Pause im Bad einlegen, und ein bisschen würgen. Niemand bereitete einen auf so etwas vor!

In der zweiten Nacht war ich etwas nervös, als es Zeit zum Schlafen wurde. Dabei war ich extra spät noch mal mit Motzi rausgegangen. Und zwar sehr erfolgreich. Es war erstaunlich, wie so viel Kacke aus so einem kleinen Hund kommen konnte. In der Nacht schreckte ich immer wieder auf und machte panisch das Licht an, um nachzusehen, ob alles okay war. Das war es auch, die ersten Male. Doch gegen zwei Uhr bestand kein Zweifel mehr. Der mittlerweile vertraute Geruch stieg in meine Nase. „Motzi, nein!“, rief ich, als ich das Licht anmachte. Immerhin war der größte Teil diesmal auf dem Laminat gelandet. Wenigstens in dem Punkt hatte Motzi auf mich gehört. Schimpfend machte ich mich daran, die Bescherung aufzusammeln. Da ich zum Müll musste, beschloss ich, Motzi mit raus zu nehmen. Da fiel mir das nächste Problem ein. Der Aufzug war genau heute kaputt gegangen. Ich wohne im siebten Stock eines Hochhauses! Motzi war ein kleiner, alter Hund. Wir hatten den ganzen Tag schon Probleme damit gehabt, hochzukommen. Aber es half nichts. Da mussten wir jetzt auch noch durch. Da es in Strömen regnete, zog ich meine Regenjacke über meinen kurzen Pyjama und die Kapuze weit über mein Gesicht. Dabei merkte ich bereits, wie die Tränen in meinen Augen brannten. Ich war völlig übermüdet, und als wir auf dem Rückweg in jedem Stockwerk Halt machen mussten, weil Motzi sich verständlicherweise weigerte, so weit nach oben zu gehen, ließ ich den Tränen freien Lauf. Im vierten Stock setzte ich mich auf die Stufen und heulte. „Das funktioniert einfach nicht mit uns“, brachte ich zwischen Tränen und Rotze heraus. Motzi wollte mich trösten und schmiegte sich liebevoll an mich, während er mich traurig ansah. Und da hatten wir das größte Problem überhaupt: Ich weiß eigentlich gar nicht so genau wieso, aber ich war jetzt schon bereit, alles für diesen Hund zu tun. Ich zog also die Nase hoch und bestieg mit Motzi den Rest den Weges.

Okay, das war der Tiefpunkt, dachte ich. Ab jetzt kann es nur noch besser werden. Morgen ist unser erster gemeinsamer Arbeitstag. Aber davon mehr in der nächsten Woche.

Lydia Wünsch 

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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