Studieren wie die großen Vorbilder

Vorlesung an der Kinderuni der Vhs Haar zum Thema Kinderrechte

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Gastdozent Jens Tönjes vom Kinderschutzbund Bayern erklärt den Kinderuni-Studenten der Vhs Haar was Kinderrechte sind.

An der Kinderuni der Vhs Haar stehen die  kleinen Denker den Großen in nichts nach. Und das, obwohl das Thema der vergangenen Vorlesung es in sich hatte: Kinderrechte! Wann wurden Sie beschlossen und warum sind sie so wichtig? 

Die Stühle ruckeln, Blätter rascheln. Stimmengewirr. „Kann ich bitte noch einen Stift haben?“ und „Ich habe keine Unterlagen bekommen.“ „Können wir endlich anfangen, es ist schon eine Minute nach Fünf!“ Auf den ersten Blick ist die Kinderuni der Vhs Haar kaum von einer „normalen“ Vorlesung zu unterscheiden. Die kleinen Denker stehen den Großen in nichts nach. Und das, obwohl das Thema der Vorlesung es wirklich in sich hat: Kinderrechte! Wann wurden sie beschlossen und warum sind sie so wichtig? Darüber informierten sich die kleinen Studenten freiwillig am Freitagabend von 17 bis 17.45 Uhr. Und wenn es nach ihnen geht, könnte die Vorlesung auch ruhig noch ein bisschen länger dauern. Denn es ist spannend zu erfahren, dass Kinder nicht nur etwas zu sagen haben, sondern auch ein Recht darauf, gehört zu werden. „Diese Rechte sind allgemein verbindliche Regelungen des Staates, die Menschen betreffen, die noch nicht 18 Jahre alt sind“, erklärt Jens Tönjes vom Kinderschutzbund Bayern, der die Vorlesung hält.

„Aber ist es nicht vielmehr so, dass Eltern das Sagen haben und Kinder machen müssen, was die wollen?“, fragt Tönjes seine kleinen Studenten: „Dann wäre das ja eine Diktatur!“, kommt es prompt aus der zweiten Reihe. Und das geht in einer Demokratie schließlich auf gar keinen Fall. „Früher war es allerdings tatsächlich so, dass Kinder als Eigentum ihrer Eltern galten“, erklärt der Gastdozent. Zum Glück gehört das aber der Vergangenheit an. Denn die Kinderrechte wurden am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen beschlossen. Diese sogenannte Kinderrechtskonvention gilt in 196 Staaten, für insgesamt zwei Milliarden Kinder auf der ganzen Welt! Denn alle Kinder haben die gleichen Grundbedürfnisse: nach Schutz, Wissen und Förderung, aber auch nach Freizeit und Mitgestaltung. Demnach sollten Kinder auch vom Bürgermeister gefragt werden, wie ein neuer Spielplatz am besten aussehen sollte, wenn dieser in der Gemeinde gebaut wird.

Doch nun geht es an die Praxis, denn solche Recht umzusetzen, ist nochmal ein ganz anderes Thema. Dafür gibt Jens Tönjes einige Beispiele: Die 11-jährige Sofia lebt in Indien. Ihre Familie ist arm, darum muss sie arbeiten gehen. Mit 700 Stichen näht sie jeden Tag Fußbälle zusammen. Zwei bis drei Bälle schafft sie so an einem Tag. In gebückter Haltung sitzt sie den ganzen Tag auf einem Stuhl, mit dem Ball zwischen ihren Knien. „Was ist aus kinderrechtlicher Sicht daran nicht in Ordnung?“, fragt Jens Tönjes. „Dass sie jetzt schon arbeiten muss, obwohl sie noch gar nicht volljährig ist“, findet einer der Kinderstudenten. „Und dann bekommt sie auch noch viel zu wenig Geld“, ergänzt einer seiner Kommilitonen. „Dann verbieten wir ihr doch das Arbeiten“, schlägt Tönjes vor. „Dann bekommt sie aber gar kein Geld mehr und vielleicht nichts mehr zum Essen und zum Trinken“, wirft eine der Kinderstudentinnen daraufhin ein. Eine komplizierte Sache also. Denn obwohl man Kinderarbeit eigentlich ganz verbieten müsste, geht das in bestimmten Ländern eben nicht, da die Familien sonst noch mehr verarmen würden. Wie sieht also eine Lösung aus? „Nun zumindest müsste man gewisse Mindeststandards einhalten“, sagt Tönjes. „Dass die Kinder zum Beispiel nicht den ganzen Tag arbeiten müssen, dass sie ihre Gesundheit nicht dabei gefährden, und dass sie keinesfalls arbeiten dürfen, solange sie jünger als 12 Jahre alt sind.“ So ähnlich wie es in Deutschland geregelt ist. 

Aber auch in Deutschland kann es so manches Problem bei der Umsetzung von Kinderrechten geben. In einem weiteren Beispiel verbietet ein Bürgermeister den Mädchen das Fußballspielen auf dem Bolzplatz. Klingt ganz schön unfair, aber zum Glück gibt es auch dafür ein passendes Kinderrecht, nämlich das „Diskriminierungsverbot“. Demzufolge darf kein Kind aufgrund seiner Hautfarbe oder seinem Geschlecht benachteiligt werden. Das heißt: Mädchen haben die gleichen Rechte wie Jungs und dürfen natürlich auch den Bolzplatz benutzen. Weiter erfahren die Kinderuni-Studenten dass erst 1980 ein Gesetz in Bayern erlassen wurde, das verbietet, Kinder in der Schule körperlich zu züchtigen. Das steht in Artikel 19 der Kinderrechtskonvention und nennt sich „Schutz vor Gewaltanwendung“. Seit dem Jahr 2000 gilt das auch für die Eltern, denn „Gewalt ist eine entwürdigende Erziehungsmaßnahme“, wie Tönjes erklärt. Und diese sind unzulässig.

Nachzulesen sind alle Kinderrechte auf „Logo! Das Kinderrechte-Buch“. Unter logo@zdf.de kann man sich das ganze Buch bestellen oder auf www.zdf.de/kinder/logo/das-kinderrechte-buch-100.html herunterladen. 

Die Einschreibung für die Kinderuni läuft mit der Semestereinschreibung bei der Vhs Haar, Münchner Straße 3, unter Telefon 46002-800. Die Semester-Studiengebühr liegt bei 24 Euro pro Semester. 

Lydia Wünsch

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