Umbenennung wegen angeblicher Nazi-Vergangenheit

Von-Braunmühl-Straße in Haar soll neuen Namen bekommen

Von Braunmühl soll von den Hungerhäusern gewusst haben, in denen Menschen durch Nahrungsentzug zum Sterben verdammt waren und von den Euthanasie-Morden ebenfalls. Darum soll die Straße in Haar, die nach ihm benannt ist, nun geändert werden.  Anwohner fürchten allerdings, dass bürokratischer Aufwand und Kosten auf sie zukommen, wenn die Von-Braunmühl-Straße einen anderen Namen bekommt.

Seit 1976 gibt es in Haar die Von-Braunmühl-Straße, die damals auf Antrag des Klinikums nach Anton Edler von Braunmühl benannt wurde. Der

Anton von Braunmühl wurde 1934 eine Habilitation verweigert, weil er kein Mitglied der NSDAP war. Später war er zwar kein Täter, aber doch ein Mitwisser der Nazi-Greueltaten gegen Psychisch-Kranke.

war über Jahrzehnte hinweg Arzt und Direktor in der ehemaligen Kreisirrenanstalt und soll Mitwisser und Mittäter der dortigen Greueltaten während des Naziregimes gewesen sein. Bewusst soll er weggesehen haben, als die Nazis in Eglfing rund 2000 Menschen töteten. Von Braunmühl soll von den Hungerhäusern gewusst haben, in denen Menschen durch Nahrungsentzug zum Sterben verdammt waren und von den Euthanasie-Morden ebenfalls. Wegen dieser wahrscheinlich braunen Vergangenheit des ehemaligen Klinikdirektors will die Gemeinde Haar nun auf Bitte des Bezirks Oberbayern die Von-Braunmühl-Straße mit einem unbelasteten Namen versehen. Der Punkt stand auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderats-Sitzung, wurde dann aber von Bürgermeisterin Gabriele Müller wegen weiterem Klärungsbedarf abgesetzt. Zwei Anwohner der Von-Braunmühl-Straße meldeten sich dennoch zu Wort.

„Ich bin Betroffener. Wenn umbenannt wird, betrifft das 82 Wohnungen mit über 100 Leuten“, erklärte Alfred Richter. Das bedeute einen Riesenaufwand, denn nicht nur Bekannte und Verwandte müssten informiert werden, sondern die Ummeldung betreffe auch Auto, Versicherungen und andere Verträge. „Ich beantrage ein Zusatzschild anzubringen, dass die Straße nach dem Diplomaten Gero von Braunmühl benannt ist, der 1986 von der RAF ermordet wurde“, so Richter weiter.

Er wollte auch wissen, ob die Anwohner von der Gemeinde finanzielle Hilfen erhalten werden. Gabriele Müller erklärte, darüber sei noch nicht gesprochen worden. „Die Idee, einen anderen Braunmühl zu meinen, kann der zuständige Arbeitskreis aber aufnehmen“, so Müller. Anwohner Mehrl gab zu bedenken, dass an der betroffenen Straße viele ältere Menschen wohnten. „Die wissen vielleicht nicht, wo sie sich überall ummelden müssen. Kann man da eine Hilfe anbieten?“ Darum will sich die Haarer Bürgermeisterin kümmern. Welchen Namen die derzeitige Von-Braunmühl-Straße letztlich bekommen wird, das entscheidet der Haarer Gemeinderat nach reiflicher Prüfung der in Frage kommenden Namen. Diesmal soll die Benennung hieb- und stichfest sein und der Namensgeber über jeden Zweifel erhaben. Es kann also noch ein wenig dauern, bis sich die Anwohner der Von-Braunmühl-Straße an eine neue Adresse gewöhnen müssen.

Gabriele Mühlthaler

Kommentar

Die Geschichte hinter den Namen - Warum es manchmal besser ist, nicht den einfachen Weg zu gehen

Die Idee hat natürlich einen gewissen Charme: Wenn Historiker glauben, dass ein Mensch nicht mehr verdient, dass eine Straße nach ihm benannt wird, dann wird sie eben ab sofort einem Namensvetter gewidmet. Anton von Braunmühl war den Nazis zu nahe? Gero von Braunmühl ist zur Stelle. Mit Haar hat er nichts zu tun. Und vielleicht ist er späteren Generationen irgendwann zu adelig. Aber einen Ekkehart von Braunmühl gibt es ja auch noch...

Die beste Lösung wäre nicht eine Umbenennung, sondern ein tieferes Verständnis dafür, was mit der Widmung einer Straße erreicht werden soll. Anton von Braunmühl war kein Nazi-Monster. Und so gut wie jeder prominente Mensch hat in seinem Lebenslauf Risse. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. 

Es würde uns allen mehr bringen, wenn wir die Menschen hinter den Straßennamen nicht als quasi-heilig verehren, sondern sie uns in ihrer Gesamtheit immer wieder vor Augen führen. Mit ihren Schwächen und mit ihren Stärken. Ein von einem Historiker geschriebener kurzer Abriss zum Leben von Anton von Braunmühl auf einer kleinen Tafel wäre besser investiertes Geld als die bürokratischen Kosten einer Umbenennung.

Marco Heinrich

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